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Game of Thrones: Die unbequeme Wahrheit über die erfolgreichste Serie aller Zeiten

Von Sebastian Riermeier - Kolumne vom 23.06.2019 10:00 Uhr
© HBO

Vor fast genau einem Monat sahen Millionen Fans weltweit das Finale der Kultserie „Game Of Thrones“, welche zu diesem Zeitpunkt mit 8 Staffeln und 73 Episoden das womöglich größte Serienphänomen aller Zeiten darstellte. Doch heute, nur ein paar Wochen später, scheinen die meisten Konversationen um die Serie verebbt zu sein. Die Fans sind enttäuscht, die Schauspieler sichtlich mitgenommen. Wie konnte die einst bekannteste und beliebteste Serie der Welt in solch einem (Achtung: Witz) Drachenfeuer untergehen? Gab es Anzeichen, möglicherweise sogar Vorboten des Untergangs? Was passierte hinter den Kulissen, dass die letzte Staffel zu solch einer Enttäuschung für eine Masse von Menschen wurde? Ich habe die Tragödie einmal genauer unter die Lupe genommen und setze „Game Of Thrones“ vor das oberste Gericht.

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Meinung von Sebastian Riermeier.

Warnung: Dieser Artikel enthält zahlreiche Spoiler, weshalb ihr „Game Of Thrones“ geschaut haben solltet, ehe ihr weiterlest!

Das Motiv: Eine unbequeme Wahrheit

Zuallererst einmal muss ich meinen Standpunkt offenbaren, denn jegliche Analyse über irgendein Medienobjekt, sei es noch so objektiv angesetzt, ist selten frei von individueller Meinung und einem Einfluss der Selbstkritik. Meine persönliche Beziehung zur Serie „Game Of Thrones“ kann am besten mit den Worten meiner engsten Freunde beschrieben werden: „So ein allwissender Ar**h, der die Bücher gelesen hat.“

Ja, wir Buchleser der Weltbestseller von George R.R. Martin hatten es nicht immer leicht zwischen den Jahren 2011 bis 2019. Als die Ankündigung über eine Verfilmung durch HBO damals bekannt wurde, waren viele skeptisch. Klar, die Buchreihe „Der Herr der Ringe“, welche vor Peter Jackson als unverfilmbar galt, wurde zu einem wahnsinnigen Erfolg bei Fans und Kritikern, jedoch nur mit einem riesigen Budget. Wie also sollte ein Privatsender eine der epischsten Mittelalter-Fantasy-Geschichten aller Zeiten umsetzen und dazu noch in guter Qualität?

Doch wir wurden überrascht, sogar sehr. Die erste Staffel „Game Of Thrones“ ist für mich und viele andere leidenschaftliche Leser der Bücher die bestmögliche Verfilmung des Materials. Zahlreiche Dialoge, spannende politische Intrigen und die sich leicht aufbauende brodelnde Stimmung und Atmosphäre. Dazu kam ein nahezu perfekter Cast, grandiose Drehorte und eine fast Eins-zu-eins-Umsetzung des geschriebenen Wortes. Ich konnte nicht glücklicher sein.

Spätestens mit der Enthauptung durch Ned Stark, die in seriengeschichtlicher Perspektive einen prägnanten Moment in der heutigen Popkultur auslöste, erwachte ebenso bei Nichtlesern das Interesse für die Serie. Ein genialer Streich, nicht nur von George R. R. Martin, sondern auch der Serienmacher D.B. Weiss und David Benioff. Die entschieden sich, trotz großer Beliebtheit des Charakters, für das Storytelling und nahmen damit nicht den einfachen Weg. Doch hier stoßen wir auf unser erstes Beweismaterial: Der Schockmoment.

„Game Of Thrones“ ist für vieles bekannt, aber schockierende Twists sind wohl einer der Hauptgründe, warum viele Zuschauer während der Sendezeit wöchentlich einschalteten. Für George Martin und seine Leserschaft waren diese schockierenden Momente nie wirklich unvorhersehbar, denn der Autor spielt in seinen Büchern stets mit offenen Karten. Selbst die Serie, deren gewagtester Moment wohl die Rote Hochzeit war, ließ immer wieder Brotkrumen für die Zuschauer zurück, um auf die kommenden schrecklichen Ereignisse aufmerksam zu machen. Und doch waren Fans der Serie schockierter denn je.

Ganze Themenbeiträge in Nachrichtensendungen und Late-Night-Shows drehten sich nur um den scheinbar unvorhersehbaren Tod von Ned (welcher definitiv vorhersehbar ist!) und die Rote Hochzeit. Viele Buchleser, mich eingeschlossen, verwirrte das allgemeine Entsetzen über die Tode von Robb Stark und einem Großteil seines Gefolges inklusive Mutter, Frau und ungeborenem Kind. Es mag arrogant klingen, ist aber lediglich eine unbequeme Wahrheit: Viele Zuschauer interessierten sich immer weniger für die Dialoge, die politischen Machenschaften im Hintergrund und das sich langsam aufbauende Übel. Visuelle Schocker waren mehr und mehr gefragt. Einige wissbegierige Fans der Serie sprachen mit mir darüber, dass sie die erste Staffel komplett übersprungen hätten:

„Zuviel Dialog! Ich will Drachen!!!“
„Oh, oh.“ dachte ich. Und hier begann der Spaß.

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