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GTA 5: Rockstar strich fast fertige Inhalte – für Entwickler „schwer zu ertragen“

Bei der Entwicklung von GTA 5 entstanden offenbar deutlich mehr Inhalte, als es am Ende in das fertige Spiel schafften. Rockstar Games strich nicht nur frühe Ideen, sondern teilweise weit fortgeschrittene Minispiele, Missionen und sogar vollständige Level.

Für die beteiligten Entwickler waren diese Entscheidungen laut dem ehemaligen Rockstar-Produzenten John Ricchio nicht immer leicht zu verkraften. Manche Teams hätten sehr lange an bestimmten Inhalten gearbeitet, bevor diese ersatzlos aus dem Projekt entfernt wurden.

Im Gespräch mit dem Podcast Kiwi Talkz blickte Ricchio auf die Entwicklung des 2013 veröffentlichten Open-World-Spiels zurück.

In GTA 5 war „so viel Zeug“ beinahe fertig

Ricchio zufolge verfügte GTA 5 während der Entwicklung über eine enorme Menge zusätzlicher Inhalte.

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Einige davon seien bereits nahezu fertig gewesen. Bei bestimmten Minispielen hätten beispielsweise nur noch die benötigten Animationen gefehlt. Trotzdem entschied sich Rockstar dazu, diese Elemente nicht weiterzuverfolgen.

Der Grund war dem ehemaligen Produzenten zufolge nicht zwingend eine schlechte Grundidee. Vielmehr habe das Team nicht genügend Kapazitäten besessen, um jeden geplanten Inhalt auf denselben Qualitätsstand wie den Rest des Spiels zu bringen.

Gerade die für Animationen zuständigen Entwickler seien durch den gewaltigen Umfang von GTA 5 bereits stark ausgelastet gewesen.

Auch komplette Level wurden gestrichen

Die Kürzungen betrafen offenbar nicht nur kleinere Nebenbeschäftigungen. Laut Ricchio entfernte Rockstar ebenfalls komplette Level und größere, bereits weit entwickelte Spielelemente. Die kreative Leitung habe Inhalte konsequent gestrichen, wenn sie nicht den gewünschten Qualitätsstandard erreichten oder nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnten.

Sinngemäß erklärte er, dass Rockstar nicht genügend Ressourcen besessen habe, um sämtliche Inhalte auf ein gleichbleibend hohes Niveau zu bringen.

Das Studio entschied sich deshalb offenbar lieber für eine kompaktere Auswahl vollständig ausgearbeiteter Inhalte, statt jedes begonnene Feature um jeden Preis im Spiel zu behalten.

Gestrichene Arbeit belastete die Entwickler

Für die jeweiligen Teams konnten solche Entscheidungen sehr frustrierend sein. Entwickler hatten mitunter über lange Zeit an Leveln, Missionen oder Minispielen gearbeitet. Wurde der betreffende Inhalt schließlich gestrichen, blieb von dieser Arbeit für die Spieler nichts sichtbar.

Ricchio beschrieb diese Situationen als teilweise nur schwer zu ertragen. Besonders belastend sei es gewesen, wenn die Entwickler selbst mit dem Ergebnis zufrieden waren und der Inhalt dennoch nicht in GTA 5 aufgenommen wurde.

Die Arbeit sei außerdem nicht zwingend für eine spätere Erweiterung aufgehoben worden. Manche Elemente verschwanden vollständig und wurden nie wieder verwendet.

„Es war einfach weg“

Gerade dieser Punkt unterschied die Kürzungen von Content, der bewusst für einen DLC oder eine spätere Veröffentlichung zurückgehalten wird.

Ricchio zufolge sei es bei vielen gestrichenen GTA-5-Inhalten nicht darum gegangen, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen. Sie seien nach der Entscheidung der Studioleitung schlicht nicht mehr Teil des Spiels gewesen.

Für Entwickler, die viel Zeit und persönliche Energie investiert hatten, dürfte das besonders ernüchternd gewesen sein. Gleichzeitig betonte Ricchio, dass solche Entscheidungen bei großen Produktionen bisweilen notwendig seien.

Nicht jeder Inhalt verbessert automatisch das Spiel

Ein Spiel wie GTA 5 besteht aus zahlreichen miteinander verbundenen Systemen. Zusätzliche Missionen, Aktivitäten oder Minispiele erhöhen nicht nur den Umfang, sondern müssen ebenfalls getestet, animiert, vertont und in die bestehende Spielwelt integriert werden.

Selbst ein beinahe fertiges Feature kann daher noch erhebliche Ressourcen benötigen. Aus Sicht der kreativen Führung könne es sinnvoller sein, einen Inhalt vollständig zu entfernen, als ihn unfertig zu veröffentlichen oder andere wichtige Bereiche des Spiels dafür zu vernachlässigen.

Ricchio räumte ein, dass nicht jede kreative Entscheidung von allen Teammitgliedern getroffen oder nachvollzogen werden könne. Letztlich müsse jedoch eine kleine Gruppe entscheiden, welche Bestandteile tatsächlich in das fertige Spiel gelangen.

GTA 5 erschien ursprünglich 2013

GTA 5 kam erstmals im September 2013 für PS3 und Xbox 360 auf den Markt. Später folgten Fassungen für PS4, Xbox One, PC, PS5 und Xbox Series X/S.

Durch die zahlreichen Neuveröffentlichungen und den langjährigen Erfolg von GTA Online entwickelte sich der Titel zu einem der meistverkauften Spiele überhaupt.

Der gewaltige kommerzielle Erfolg zeigt, dass Rockstars Auswahl der finalen Inhalte grundsätzlich funktioniert hat. Trotzdem dürfte eine große Menge bereits geleisteter Entwicklungsarbeit bis heute für Spieler unsichtbar geblieben sein.

Welche Inhalte wurden aus GTA 5 entfernt?

Eine vollständige und offiziell bestätigte Liste gestrichener Inhalte gibt es nicht. Über die Jahre tauchten durch Berichte, Datamining und Aussagen ehemaliger Entwickler immer wieder Hinweise auf entfernte Missionen, Minispiele und Story-Elemente auf.

Zu den bekanntesten Gerüchten gehört ein angeblich geplanter Einzelspieler-DLC rund um Trevor. Berichte über dieses Projekt existieren seit Jahren, Rockstar hat den vollständigen Umfang der angeblichen Erweiterung jedoch nie offiziell vorgestellt.

Die aktuellen Aussagen von Ricchio bestätigen daher nicht automatisch jedes frühere Gerücht. Sie zeigen aber, dass Rockstar während der Entwicklung tatsächlich auch große und weit fortgeschrittene Inhalte verwarf.

Die Kürzungen waren Teil des Qualitätsanspruchs

Aus Sicht der Spieler klingt es zunächst enttäuschend, dass fast fertige Missionen oder Level niemals veröffentlicht wurden.

Die Aussagen verdeutlichen jedoch auch, wie Rockstar seine großen Spiele produziert. Inhalte bleiben demnach nicht allein deshalb im Projekt, weil bereits viel Arbeit in ihnen steckt.

Wenn ein Feature nicht in das Gesamtkonzept passt, nicht rechtzeitig fertig wird oder qualitativ hinter dem übrigen Spiel zurückbleibt, kann es selbst in einem fortgeschrittenen Zustand noch gestrichen werden.

Für das betroffene Team ist das schmerzhaft. Für das fertige Spiel kann es dennoch die richtige Entscheidung sein.

Patrik Hasberg

Schreiberling, Spieleentdecker, praktizierender Perfektionist und Mann fürs Grobe. Außerdem laufender Freizeit-Hobbit, der Katzen liebt. – Hunde gehen auch. „Auch sonst eigentlich ganz ok“.
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