Artikel

„Sonst würde niemand zustimmen“: Twitch aktiviert KI-Training standardmäßig – Community ist wütend

Twitch erlaubt Amazon, Inhalte von Streamern zum Training generativer KI-Modelle zu verwenden. Die entsprechende Einstellung ist standardmäßig aktiviert und muss von Nutzern manuell ausgeschaltet werden. Für zusätzlichen Ärger sorgt die ungewöhnlich offene Begründung des Unternehmens.

Twitch hat eine neue Einstellung eingeführt, über die Streamer der Verwendung ihrer Inhalte für das Training generativer KI widersprechen können. Wer nicht selbst aktiv wird, erlaubt Amazon jedoch weiterhin, Streams, Clips, Chats und weitere Kanalinhalte als Trainingsmaterial zu nutzen.

Die Entscheidung für dieses Opt-out-Verfahren sorgt innerhalb der Community für deutliche Kritik. Viele Nutzer fordern, dass eine derart weitreichende Freigabe grundsätzlich deaktiviert sein und ausdrücklich bestätigt werden sollte.

Twitch erklärt ungewöhnlich offen, warum die Einstellung aktiviert ist

Während eines offiziellen Patch-Notes-Streams auf Twitch stellte sich Chief Product Officer Mike Minton den Fragen der Community. Auf die Forderung nach einer freiwilligen Einwilligung antwortete der Twitch-Manager ungewöhnlich direkt:

Magischen Merch entdecken! ✨

Zauberstäbe, Deko & Sammlerstücke – jetzt auf Zauberkram.de. 🧙‍♂️

Zum Shop

Warum ist es kein Opt-in? Das ist es, was alle hier in den Chat schreiben. Ich verstehe das: Lasst mich zustimmen, anstatt mich zum Widerspruch zu zwingen. Nun, darauf gibt es eine ehrliche Antwort: Wenn es ein Opt-in wäre, würde sich niemand dafür entscheiden.

Deshalb werde die Einstellung standardmäßig aktiviert bleiben. Minton argumentierte außerdem, dass dies bei nahezu allen großen Content-Plattformen üblich sei. Twitch unterscheide sich seiner Ansicht nach dadurch, dass Nutzer überhaupt die Möglichkeit erhalten, der Verwendung ihrer Inhalte zu widersprechen.

Das dürfte die Kritik allerdings kaum abschwächen. Schließlich räumt der Manager damit offen ein, dass Twitch mit einer geringen freiwilligen Zustimmung rechnet und sich deshalb bewusst für das Opt-out-Modell entschieden hat.

Diese Inhalte kann Amazon für seine KI verwenden

Nach Angaben von Twitch können freigegebene Kanalinhalte zur Verbesserung zukünftiger generativer KI-Modelle innerhalb von Amazon eingesetzt werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Livestreams
  • gespeicherte Übertragungen und VODs
  • Clips
  • Stream-Chats
  • Bilder auf dem Kanal
  • Texte und weitere Kanalinformationen

Als mögliches Anwendungsbeispiel nennt Twitch Audioaufnahmen, mit deren Hilfe Modelle für die Umwandlung von Sprache in Text verbessert werden könnten. Davon könnten automatische Untertitel auf Twitch, aber auch entsprechende Dienste in anderen Bereichen von Amazon profitieren.

Der neue Schalter bedeutet zudem nicht, dass Twitch erst jetzt mit der Nutzung von Inhalten für KI-Experimente begonnen hat. Bereits 2024 erklärte Minton bei einer Veranstaltung von The Information, Twitch spiele eine Rolle beim Training von Amazon-Modellen. Damals soll sich die Nutzung allerdings noch im Prototypenstadium und nicht im großen Produktionsmaßstab befunden haben.

Wie umfangreich Twitch-Inhalte inzwischen verwendet wurden, bleibt unklar. Gegenüber Business Insider erklärte Minton, nicht für Amazons Trainingsaktivitäten verantwortlich zu sein und nicht genau zu wissen, welche Inhalte der Konzern bereits genutzt habe.

So deaktiviert ihr das KI-Training bei Twitch

Wer nicht möchte, dass die eigenen Inhalte künftig für generative KI-Modelle von Amazon verwendet werden, muss die Einstellung manuell abschalten:

  1. Öffnet die Sicherheits- und Datenschutzeinstellungen bei Twitch.
  2. Sucht nach dem Eintrag „Training for Generative AI“ beziehungsweise „Training für generative KI“.
  3. Deaktiviert den entsprechenden Schalter.

Nach dem Widerspruch sollen Streams, VODs, Clips, Kanaltexte, Bilder und Stream-Chats nicht mehr für das zukünftige Training generativer Modelle verwendet werden, die Texte, Bilder, Audio oder Videos erzeugen können.

Der Widerspruch gilt allerdings nicht für sämtliche KI- und Machine-Learning-Funktionen der Plattform. Twitch darf weiterhin Systeme wie AutoMod, Empfehlungen und automatisch erzeugte Untertitel einsetzen. Nach Angaben des Unternehmens speichern diese Anwendungen die Inhalte jedoch nicht, um daraus neue generative Modelle zu trainieren.

Auch Nachrichten, die Nutzer in fremden Kanälen schreiben, stellen einen Sonderfall dar: Hier entscheidet laut Twitch die Einstellung des jeweiligen Kanalbetreibers darüber, ob der Chat für das Training verwendet werden darf.

Patrik Hasberg

Schreiberling, Spieleentdecker, praktizierender Perfektionist und Mann fürs Grobe. Außerdem laufender Freizeit-Hobbit, der Katzen liebt. – Hunde gehen auch. „Auch sonst eigentlich ganz ok“.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Neueste
Älteste Am meisten gewählt
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"