Sonys angekündigter Abschied von physischen PlayStation-Spielen sorgt weiterhin für heftige Diskussionen. Ab Januar 2028 sollen neu erscheinende Spiele für PlayStation-Konsolen nicht mehr auf Disc produziert werden. Nun hat sich auch der frühere Rockstar-Mitgründer und GTA-Autor Dan Houser zu dem umstrittenen Schritt geäußert.
Persönlich scheint Houser nicht besonders stark an Spiele-Discs zu hängen. Unternehmen sollten physische Versionen seiner Ansicht nach dennoch anbieten, solange eine entsprechende Nachfrage besteht.
Dan Houser spricht sich für Wahlfreiheit aus
Während der San Diego Comic-Con 2026 wurde Houser von IGN gefragt, wie er zur aktuellen Debatte zwischen physischen und digitalen Spielen steht.
Seine Antwort fiel zunächst auffallend nüchtern aus:
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„Wenn die Leute das wollen, sollten die Unternehmen es meiner Meinung nach anbieten.“
Ob er selbst Spiele weiterhin auf Disc benötige, sei ihm dagegen nicht besonders wichtig. Houser verwies zudem auf die Möglichkeit, moderne Spiele nach der Veröffentlichung mit Updates zu verbessern und technische Probleme zu beheben. Dies habe sich positiv auf die Qualität von Spielen ausgewirkt.
Ganz widerspruchsfrei klingt seine Haltung dennoch nicht. Wenig später erklärte der frühere Rockstar-Kreativchef ausdrücklich, dass er physische Medien liebe. Offenbar unterscheidet Houser zwischen der emotionalen Bedeutung eines greifbaren Produkts und der Frage, ob ein Spiel für ihn persönlich zwingend auf einer Disc gespeichert sein muss.
Updates funktionieren auch bei Disc-Spielen
Die von Houser angesprochenen Aktualisierungen sind allerdings nicht auf rein digitale Veröffentlichungen beschränkt. Auch Spiele auf Blu-ray können nachträglich Patches, Erweiterungen und technische Verbesserungen erhalten.
Der Unterschied besteht vielmehr darin, dass sich auf einer echten Disc grundsätzlich eine installierbare Version des Spiels befinden kann. Käufer sind dadurch zumindest für diese ursprüngliche Fassung nicht vollständig von einem Download, einem Benutzerkonto und dauerhaft erreichbaren Servern abhängig.
Bei einer reinen Downloadversion oder einem Code in einer Verpackung existiert diese Absicherung nicht. Wird der Code eingelöst oder der entsprechende Onlinedienst eines Tages abgeschaltet, lässt sich das Produkt nicht mehr wie eine klassische Disc weiterverkaufen, verleihen oder unabhängig installieren.
Lazlow Jones genießt beide Formate
An dem Gespräch nahm auch Lazlow Jones teil, der über viele Jahre als Autor, Produzent und Radiomoderator an Spielen von Rockstar beteiligt war. Heute arbeitet er gemeinsam mit Houser bei dessen neuem Unternehmen Absurd Ventures.
Jones kann beiden Vertriebsformen etwas abgewinnen. Einerseits erinnerte er an das besondere Gefühl, ein neues Spiel auszupacken und die Disc in die Konsole einzulegen. Andererseits schätze er die Bequemlichkeit digitaler Spiele – beispielsweise, wenn sich vor einem langen Flug kurzfristig neue Titel auf ein Steam Deck herunterladen lassen.
Bei der Produktion des Comics American Caper hätten Houser und Jones außerdem erneut erfahren, wie befriedigend ein fertiges physisches Produkt sein könne. Nach vielen Jahren in der digitalen Spieleentwicklung könnten sie nun ein Buch in den Händen halten und unmittelbar zeigen, was ihr Team geschaffen habe.
Sony beendet die Disc-Produktion 2028
Sony Interactive Entertainment hatte Anfang Juli offiziell angekündigt, die Produktion physischer Datenträger für neu erscheinende PlayStation-Spiele im Januar 2028 einzustellen.
Neue Veröffentlichungen sollen anschließend ausschließlich als Download über den PlayStation Store oder in digitaler Form bei Händlern verkauft werden. Bereits zuvor veröffentlichte Spiele sind von der Änderung nicht betroffen. Auch Titel, deren Disc-Version noch vor dem Stichtag erscheint, können weiterhin produziert und verkauft werden. Sony erläutert den geplanten Übergang auf dem offiziellen PlayStation Blog.
Das Unternehmen begründet den Schritt mit dem veränderten Kaufverhalten. Im vergangenen Geschäftsjahr entfielen laut Sony ungefähr 80 Prozent der verkauften Vollversionen auf digitale Exemplare.
Trotzdem stößt die Entscheidung bei Sammlern, Spielehändlern und Befürwortern langfristiger Spieleerhaltung auf starken Widerstand. Kritisiert werden neben der Abhängigkeit von Sonys Infrastruktur insbesondere fehlende Möglichkeiten zum Weiterverkauf, Verleihen und dauerhaften Archivieren.
Nur noch wenige Disc-Spiele erreichen große Verkaufszahlen
Aktuelle Zahlen aus den USA zeigen zugleich, weshalb Sony die Disc-Produktion wirtschaftlich offenbar nicht mehr als zukunftsfähig betrachtet.
Nach Angaben von Circana-Analyst Mat Piscatella haben 2026 bislang lediglich sieben PlayStation-Spiele mehr als 100.000 physische Exemplare in den Vereinigten Staaten verkauft. Selbst das erfolgreichste davon soll höchstens rund 275.000 Boxen erreicht haben.
Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Jahres 2008 übersprangen noch ungefähr 100 PlayStation-Spiele die Marke von 100.000 physischen Einheiten.
Diese Zahlen bilden allerdings nur den US-Markt ab und sollten nicht ohne Weiteres auf Europa übertragen werden. Außerdem sagen sie nichts darüber aus, welcher Anteil der Käufer bei den jeweiligen Spielen zur Disc gegriffen hat. Dass physische Verkäufe deutlich zurückgehen, lässt sich daraus dennoch klar erkennen. TechRadar fasst die von Circana veröffentlichten Angaben zusammen.
Ausgerechnet GTA 6 erscheint ohne echte Disc
Eine besondere Ironie erhält Housers Aussage durch sein früheres Unternehmen. GTA 6 erscheint am 19. November 2026 zwar noch deutlich vor Sonys Stichtag, erhält zum Verkaufsstart aber trotzdem keine klassische Disc-Version.
Rockstar und Take-Two bieten im Handel lediglich eine Verpackung mit einem Downloadcode an. Diese sogenannte physische Ausgabe soll bereits am 12. November erhältlich sein, damit Käufer den umfangreichen Download vor dem eigentlichen Release starten können.
Dan Houser ist an dieser Entscheidung nicht beteiligt. Der Autor zahlreicher GTA- und Red-Dead-Spiele verließ Rockstar bereits 2020 und gründete anschließend Absurd Ventures. Dennoch gehört ausgerechnet das größte Spiel seines ehemaligen Unternehmens zu den prominentesten Beispielen für den beschleunigten Abschied von echten Datenträgern.
Ob Rockstar zu einem späteren Zeitpunkt doch noch eine vollständige Disc-Ausgabe von GTA 6 veröffentlicht, ist bislang nicht bekannt.
Wie wichtig ist euch eine echte Disc im Jahr 2026 noch? Und würdet ihr für eine physische Version sogar einen höheren Preis bezahlen?





