Der massive Umbau bei Xbox trifft offenbar eines der traditionsreichsten Studios der Branche besonders hart. Laut neuen Daten aus einer WARN-Meldung in Texas sollen bei id Software insgesamt 136 Stellen gestrichen worden sein. Das Studio ist vor allem für Doom, Quake und die hauseigene id-Tech-Engine bekannt.
Die Zahl fällt deutlich höher aus als zunächst berichtet. Erst war von rund der Hälfte der Belegschaft die Rede. Nun schreibt Game Developer unter Berufung auf Daten der Texas Workforce Commission, dass allein bei id Software 96 Mitarbeiter am Standort Richardson sowie weitere 40 Remote-Mitarbeiter, die diesem Standort zugeordnet sind, betroffen seien. Insgesamt habe ZeniMax in Texas 158 Stellen gestrichen, darunter zusätzlich 22 bei Bethesda Game Studios Austin.
id Software verliert offenbar fast drei Viertel der Belegschaft
Sollten diese Zahlen in dieser Form stimmen, wäre das ein drastischer Einschnitt. Als sich id Software im Dezember 2025 gewerkschaftlich organisierte, war von 185 Beschäftigten die Rede. Damals hatten laut CWA 165 von 185 Mitarbeitern für eine sogenannte Wall-to-Wall-Union gestimmt.
Rechnet man die nun gemeldeten 136 gestrichenen Stellen gegen diese frühere Mitarbeiterzahl, entspräche das rund 74 Prozent der damaligen Belegschaft. Anders gesagt: Von einem der bekanntesten Shooter-Studios der Welt könnte nach diesem Schnitt nur noch ein deutlich kleinerer Kern übrig bleiben.
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Offiziell hat Microsoft die konkrete Zahl für id Software bislang nicht selbst bestätigt. Die WARN-Daten machen das Ausmaß aber wesentlich greifbarer als die ersten Berichte über „rund 50 Prozent“ der Belegschaft.
Zukunft des Doom-Studios plötzlich unklar
Besonders bitter ist der Zeitpunkt. Doom: The Dark Ages galt zuletzt als einer der wichtigsten Xbox-Titel des Jahres und erhielt positive Resonanz. Trotzdem scheint id Software nun massiv von Microsofts neuer Strategie betroffen zu sein.
Laut VGC hat ein betroffener id-Entwickler die Lage intern beziehungsweise öffentlich äußerst düster beschrieben. Demnach sei das Studio „in den Boden genuked“ und auf die Größe eines Support-Studios reduziert worden.
Damit steht eine große Frage im Raum: Was wird aus id Software? Ein Studio, das über Jahrzehnte hinweg nicht nur Doom prägte, sondern mit seiner Technik auch die Shooter-Geschichte mitgeschrieben hat, könnte künftig deutlich anders aufgestellt sein als bisher. Ob id weiterhin eigenständig große Doom-Projekte entwickeln kann oder stärker als unterstützende Einheit innerhalb von Xbox/ZeniMax eingesetzt wird, ist derzeit offen.
Teil von Xbox’ großem „Reset“
Die Einschnitte bei id Software sind Teil einer deutlich größeren Restrukturierung bei Microsofts Gaming-Sparte. Laut mehreren Berichten will Xbox im Rahmen dieses Umbaus rund 3.200 Stellen streichen. Game File berichtete zuletzt, dass zunächst etwa 1.600 Mitarbeiter betroffen seien und weitere Kürzungen im Laufe des Geschäftsjahres folgen sollen.
Auch andere Studios sollen betroffen sein. The Verge berichtet etwa, dass Obsidian im Zuge des Xbox-Resets umstrukturiert werde und künftig unter anderem an einem neuen Fallout-Projekt arbeiten soll, während andere Vorhaben gestrichen wurden.
Für Xbox ergibt sich damit ein immer klareres Bild: Microsoft will die Gaming-Sparte verschlanken, Projekte stärker priorisieren und offenbar Ressourcen auf Marken konzentrieren, die kurzfristig als besonders wichtig gelten.
Warum der Fall id Software so viel Aufsehen erregt
Dass ausgerechnet id Software so hart getroffen worden sein soll, sorgt in der Community und Branche für große Irritation. Das Studio gehört zu den Gründungsmythen des modernen PC-Shooters. Ohne id gäbe es die Shooter-Landschaft in ihrer heutigen Form kaum: Doom, Quake und die technische Pionierarbeit der id-Tech-Engine haben das Genre entscheidend geprägt.
Gleichzeitig zeigt der Fall, wie wenig selbst ikonische Namen aktuell vor massiven Einschnitten schützen. Wenn ein Studio mit einer Marke wie Doom, jahrzehntelanger Historie und technischer Expertise derart verkleinert wird, dürfte das die Sorge um andere Xbox-Teams weiter verstärken.
Für die betroffenen Entwickler ist das ohnehin der härteste Teil dieser Geschichte. Hinter jeder Zahl stehen Menschen, die gerade erst an einem großen Spiel gearbeitet haben und nun mitten in einer ohnehin schwierigen Branchenlage ihren Job verlieren.
Was bedeutet das für Doom?
Konkrete Folgen für die Zukunft von Doom sind noch nicht bekannt. Bloomberg beziehungsweise mehrere Branchenberichte hatten zuletzt nahegelegt, dass große Marken wie Doom, Fallout, The Elder Scrolls oder Quake grundsätzlich weiter eine Rolle bei Xbox spielen sollen. Gleichzeitig ist unklar, in welcher Form id Software selbst daran beteiligt sein wird.
Sollte das Studio tatsächlich auf einen Bruchteil seiner früheren Größe schrumpfen, wäre ein klassischer Vollproduktions-Zyklus für ein neues Doom-Spiel zumindest schwerer vorstellbar. Möglich wäre, dass Xbox künftig stärker mit externen Partnern, Support-Teams oder einer neu strukturierten ZeniMax-Organisation arbeitet.
Noch bleibt vieles offen. Klar ist aber schon jetzt: Der Xbox-Umbau hat mit id Software offenbar eines der wichtigsten Studios der Shooter-Geschichte hart getroffen. Für viele Fans dürfte genau das der Moment sein, an dem aus abstrakten Sparmaßnahmen eine sehr konkrete Sorge um die Zukunft von Doom wird.





