Christopher Nolans The Odyssey läuft seit knapp zwei Wochen im Kino, doch eine Frage beschäftigt die Zuschauer weiterhin: Ist die von Zendaya verkörperte Athena tatsächlich eine Göttin oder existiert sie lediglich im Kopf von Odysseus?
Der Film liefert bewusst keine eindeutige Auflösung. Inzwischen hat sich sogar Christopher Nolan selbst zu der Theorie geäußert. Der Regisseur möchte allerdings nicht entscheiden, welche Interpretation richtig ist.
Achtung, ab hier folgen deutliche Spoiler zu The Odyssey.
Athena besitzt das Gesicht einer getöteten Priesterin
Warum zweifeln Zuschauer an Athenas Existenz? Im Laufe des Films erscheint Zendayas Figur wiederholt an der Seite von Odysseus. Sie spricht mit ihm, begleitet ihn und nimmt scheinbar die Rolle der Schutzgöttin ein, die Athena bereits in Homers Vorlage besitzt.
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Allerdings scheint ausschließlich Odysseus sie wahrnehmen zu können. Andere Figuren reagieren nicht auf ihre Anwesenheit.
Während der Plünderung Trojas zeigt der Film schließlich eine Priesterin im Tempel der Athena, die ebenfalls von Zendaya gespielt und von griechischen Soldaten enthauptet wird. Parallel dazu fällt auch der Kopf einer Athena-Statue.
Damit eröffnet Nolan mehrere mögliche Deutungen:
- Athena ist real und wählt bewusst das Gesicht der getöteten Priesterin.
- Odysseus deutet eine göttliche Präsenz in Gestalt der Frau, deren Tod ihn verfolgt.
- Athena ist vollständig eine Halluzination und verkörpert seine Schuld an der Zerstörung Trojas.
Gerade die letzte Interpretation passt zu einem zentralen Thema des Films. Odysseus erkennt, welches Grauen seine Idee mit dem Trojanischen Pferd ausgelöst hat, und wird von den Folgen seiner eigenen Entscheidungen verfolgt.
Christopher Nolan lässt die Frage bewusst offen
Ist Athena nun real? Christopher Nolan kennt die Diskussion, verweigert aber eine eindeutige Antwort.
In einem spoilerreichen Interview konfrontierte ihn TIME mit der Interpretation, die Götter würden in seiner Filmwelt überhaupt nicht existieren und Athena sei lediglich eine Manifestation von Odysseus’ Schuld. Nolan erklärte, er könne diese Frage nicht beantworten. Bereits bei Memento habe er gelernt, dass es gegenüber dem Publikum unfair sei, dessen Filmerlebnis nachträglich durch eine verbindliche Erklärung festzulegen.
Einen wichtigen Hinweis gibt der Regisseur dennoch: Ihm sei entscheidend gewesen, die Götter so darzustellen, wie Menschen jener Zeit sie möglicherweise wahrgenommen hätten. Die Figuren erkennen deren Einfluss in der Natur und in den Menschen um sie herum.
Damit bestätigt Nolan zumindest, dass die Unsicherheit beabsichtigt ist. Athena kann innerhalb der Geschichte gleichzeitig als göttliche Erscheinung und als psychologische Projektion funktionieren.
Ein Detail spricht für die echte Göttin
In einer aktuellen Diskussion auf Reddit verweisen einige Zuschauer darauf, dass Athena Odysseus zu Dingen führt, von denen er eigentlich nichts wissen könne. Das könnte dafür sprechen, dass sie mehr als eine bloße Einbildung ist.
Andere Fans halten dagegen. Odysseus könnte unbewusst Geräusche, Licht oder andere Hinweise wahrgenommen haben, die sein Verstand anschließend in Form von Athena verarbeitet. Ein eindeutiger Beweis für göttliches Eingreifen sei das deshalb nicht.
Eine besonders interessante Deutung verbindet beide Möglichkeiten. Demnach könnte Athena tatsächlich erscheinen, aber absichtlich das Gesicht der ermordeten Priesterin annehmen. Auf diese Weise würde sie Odysseus nicht nur führen, sondern ihn zugleich an die Folgen seiner Taten erinnern.
In Homers Vorlage ist Athena eindeutig real
Wie unterscheidet sich der Film von Homers Epos? Im ursprünglichen Gedicht besteht kein Zweifel an der Existenz Athenas. Sie ist Odysseus’ Schutzgöttin, setzt sich bei Zeus für ihn ein und greift mehrfach direkt in das Geschehen ein.
Unter anderem hilft sie Telemachos in unterschiedlichen Verkleidungen, verändert bei Odysseus’ Rückkehr dessen Erscheinungsbild und verhindert am Ende eine weitere Eskalation auf Ithaka.
Nolans Film reduziert die direkten Eingriffe der Götter dagegen erheblich. Zeus, Poseidon und andere Gottheiten werden erwähnt, erscheinen aber nicht eindeutig auf der Leinwand. Naturkatastrophen und Schicksalsschläge lassen sich dadurch sowohl göttlich als auch vollkommen rational erklären.
Die Frage nach Athenas Existenz dürfte deshalb absichtlich unbeantwortet bleiben. Wer an die Götter dieser Welt glaubt, kann Zendayas Figur als echte Athena verstehen. Wer Odysseus’ Reise vor allem als Verarbeitung von Krieg, Schuld und Trauma liest, erkennt in ihr dagegen das Gesicht seines Gewissens.
Welche Interpretation hat euch beim Anschauen überzeugt? Ist Zendaya tatsächlich Athena oder sieht Odysseus lediglich die Frau, die er in Troja nicht retten konnte?





