PLAYCENTRAL TEST Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs

Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs: Ein Märchen zum ewigen Glück

Von Wladislav Sidorov - Test vom 21.03.2018 12:11 Uhr

Eine berührende Geschichte, eine märchenhafte Präsentation und ein bunter Mix aus mehreren Genres – fertig ist ein Rollenspiel, das bezaubernder kaum sein könnte: Ni No Kuni 2 fesselt und begeistert mit einer Mischung, die trotz einiger Mini-Mängel wenige Wünsche offen lässt. So glücklich, wie am Ende ihrer Tage die Bevölkerung König Evans ist, so ist man es auch als Spieler nach dem Abspann.

Fünf Jahre ist es her, dass Level 5 aus dem einst japanexklusiven Ni No Kuni einen weltweiten Überraschungshit zauberte. Wurde man damals noch vom weltberühtem Animationsstudio „Ghibli“ unterstützt, muss der Entwickler ein halbes Jahrzehnt später beweisen, dass er auch auf eigenen Beinen stehen kann – mit Erfolg: Ni No Kuni 2 verbessert den ohnehin schon brillanten Vorgänger signifikant, ohne an Charme einzubüßen.

Mit diesem hat Ni No Kuni 2 ohnehin kaum noch etwas am Hut. Begleitete man damals noch den jungen Oliver, der nach dem Tod seiner Mutter die Fähigkeit zum Wechseln zwischen Realität und Magiewelt erlangte, fokussiert sich der Nachfolger auf den – ebenfalls sehr jungen – Prinzen Evan. Der lebte seine gesamte Kindheit lang im Königreich Katzbuckel, das seit jeher von Katzen und Mäusen Seite an Seite bevölkert wird. Die eigentliche Rivalität der beiden Gruppen resultierte schon des Öfteren in Spannungen, doch größere Schäden konnten dank der Bemühungen des Königs (Evans Vater) verhindert werden. Die Mäuse planen jedoch hinterrücks einen Putsch, weshalb sie dem zu den Katzen gehörenden König heimlich kleinere Mengen Gift ins Essen schütten, um seinen Tod zu bezwecken und die Macht im Regime an sich zu reißen. Zur selben Zeit wird US-Präsident Roland in der realen Welt Opfer eines Anschlags und gelangt durch eine unerklärliche Verwicklung in die magische Parallelwelt, stößt dort auf Evan und rettet diesen aus dem Königreich. Die Mäuse würden nämlich gerne auch seinen Kopf rollen sehen, immerhin steht er als rechtmäßiger Thronfolger im Wege und kann wohl kaum geduldet werden.

Ronald steht Evan stets zur Seite

Glücklich bis ans Ende ihrer Tage

Entmachtet, vertrieben und ohne ihr ehemaliges Hab und Gut verbleibend, befinden sich die beiden Flüchtigen nun in einer ziemlich ähnlichen Situation. Evan, der seine (kurzzeitige) Macht verlor und Roland, der seinen Präsidentenstatus hinter sich lassen muss. Die Absichten beider sind deshalb klar: Ein neues Königreich muss her, in dem stets Frieden herrscht und das mit allen Völkern dieser Welt Bündnisse schließt, damit sich so ein Vorfall niemals wiederholen kann. Evan setzt sich das größenwahnsinnig und naiv erscheinende Ziel, dass wirklich jeder Bürger dieser Welt bis ans Ende seiner Tage glücklich leben kann. Klingt aufwändig, ist es auch. Dieses gewagte Vorhaben findet glücklicherweise schnell Unterstützung bei den Piraten Tani und Batu, die sich zusammen mit dem (absurd unpassenden) Wächter Remmi kurzerhand der Gruppe anschließen und fortan gemeinsam durch die Länder streifen.

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Die Grundprämisse der Geschichte lädt geradezu ein, wie in einem Märchen wiedergegeben zu werden – und glücklicherweise ist genau das der Fall! Ni No Kuni 2 erzählt ununterbrochen eine zwar wenig anspruchsvolle, dafür aber berührende Story, die so auch in einem ganz normalen japanischen Animationsfilm stattfinden könnte. Klar, hin und wieder wirken einige Dialoge ziemlich plump und einfach, manche Abschnitte wirken abgehakt und nicht ganz zu Ende erzählt, aber der grundsätzliche Rahmen ist absolute Spitzenklasse. Es geht nicht nur darum, dass ein neues Königreich errichtet werden muss, es geht vor allem darum, was es heißt, ein Erwachsener zu sein, obwohl man noch Jahre davon entfernt ist. Evan muss lernen, als solcher Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Kompromisse einzugehen, denn nicht alles verläuft immer so geschmiert, wie man es sich erhoffen könnte. Das wäre aber auch langweilig.

Evan lernt seinen Wächter Remmi kennen

Fantastische Charaktere, enttäuschende Synchronisation

So schön die Erzählung auch sein mag, eine Sache stört dabei gewaltig: Die zwar gute, aber lückenhafte und absurd platzierte Synchronisation. Nicht jeder Dialog wird auch vertont, das hat sich Level 5 für einige ausgewählte Sequenzen aufgespart. Dieser eigenartige Umstand sorgt dafür, dass die meisten Gespräche unerwartet merkwürdig verlaufen: Während am unteren Bildschirmrand die Texte vor sich her rattern, kommen aus den Mündern der Protagonisten lediglich simple Aussagen wie „What?!“, „Oh Gosh“, „No!“, „Muahaaha“ oder „Sigh“ heraus. Das wirkt an vielen Stellen wahnsinnig deplatziert und zerstört regelmäßig die herrschende Stimmung. Dabei bietet Ni No Kuni 2 in den Dialogen so viel Humor, so viel Charakter und so viele schöne Momente – eine Chance, die man wirklich hätte ergreifen sollen. Die Helden, Widersacher und Bewohner selbst sind nämlich in jeglicher Hinsicht lebendig, wie aus Marmor ausgearbeitet und mit Edelmetallen geschmückt. Level 5 hat sich sichtlich Mühe gegeben, ihnen einen eigenen Hintergrund zu verpassen, um sie nicht wie untotes Beiwerk, sondern wie einen signifikanten Teil dieser Welt darzustellen.

Die Lokalisierung ist im Übrigen in jeglicher Hinsicht gelungen, auch wenn manche Eindeutschungen dank der englischen Sprachausgabe sicherlich gewöhnungsbedürftig sind. Mein absoluter Favorit war eine Szene, in der ein Händler davon schwärmt, dass er „erstmal zu Penny“ müsse. Großartig.

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