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Pragmata im Test: Dieses Sci-Fi-Abenteuer hat mich komplett überrascht

Es passiert heutzutage nicht mehr oft, dass mich ein großes AAA-Spiel wirklich überrascht. Viele moderne Blockbuster fühlen sich trotz Hochglanz-Inszenierung vertraut an. Man erkennt die Mechaniken sofort, weiß nach wenigen Minuten genau, wie das Spiel funktioniert, und bewegt sich relativ sicher durch bekannte Genre-Muster.

Pragmata hat mir dagegen endlich wieder dieses seltene Gefühl gegeben, etwas Frisches zu spielen.

Capcom kombiniert hier Third-Person-Shooter, Hacking-Systeme und ein emotionales Sci-Fi-Abenteuer zu einem Spiel, das sich anders anfühlt als fast alles, was ich in den letzten Jahren gespielt habe. Vor allem aber hat mich die Beziehung zwischen Hugh und Diana komplett abgeholt – und genau das ist letztlich das Herzstück von Pragmata.

Hugh und Diana tragen das komplette Spiel

Die eigentliche Story beginnt zunächst ziemlich klassisch. Astronaut Hugh Williams landet auf einer Forschungsstation auf dem Mond und merkt schnell, dass dort etwas gewaltig schiefgelaufen ist. Menschen fehlen, Roboter drehen durch und plötzlich steht er mitten in einem Sci-Fi-Albtraum.

Dann taucht Diana auf.

© Capcom

Das Androiden-Mädchen hilft Hugh dabei, die feindlichen Maschinen zu hacken und ihre Schwachstellen freizulegen. Von diesem Moment an entwickelt sich zwischen den beiden eine unglaublich sympathische Dynamik. Und genau hier hat mich Pragmata emotional überrascht.

Diana ist einfach total liebenswert. Sie wirkt neugierig, manchmal kindlich unbeholfen, freut sich über kleine Dinge von der Erde und entwickelt sich schnell zum emotionalen Mittelpunkt des Spiels. Irgendwann merkt man selbst, wie man automatisch beginnt, sie beschützen zu wollen. Dieses Gefühl baut Pragmata erstaunlich natürlich auf.

Klar, die Geschichte erfindet das Rad nicht neu und manche Wendungen lassen sich vorhersehen. Trotzdem funktioniert die Beziehung zwischen Hugh und Diana für mich hervorragend, weil Capcom den beiden viele ruhige Momente gibt. Kleine Gespräche, gemeinsame Erlebnisse und optionale Interaktionen sorgen dafür, dass die Verbindung glaubwürdig wächst.

Ich hatte irgendwann wirklich dieses typische Vater- beziehungsweise Elterngefühl Diana gegenüber – und genau dadurch bekommen viele Szenen später deutlich mehr Gewicht.

© Capcom

Das Kampfsystem ist Pragmatas größter Gameplay-Coup

So emotional mich die Story überrascht hat: Das eigentliche Highlight bleibt das Kampfsystem.

Pragmata verbindet klassisches Third-Person-Shooting mit einem Echtzeit-Hacking-System. Sobald Hugh auf Gegner zielt, erscheint gleichzeitig ein Hacking-Raster auf dem Bildschirm, das Diana kontrolliert. Während man also schießt, ausweicht und Positionen hält, navigiert man parallel durch kleine Hacking-Puzzles.

Das klingt erst einmal nach Chaos und auch ich war im Vorfeld ziemlich skeptisch – das Ganze funktioniert aber erstaunlich gut.

© Capcom

Gerade später wird dieses System richtig intensiv. Während Roboter auf einen zustürmen, versucht man gleichzeitig möglichst effizient durch das Hacking-Grid zu kommen, Fallen zu umgehen oder Bonus-Knoten mitzunehmen. Dadurch entsteht ein permanenter Druck, der Kämpfe unglaublich dynamisch macht.

Und das Beste: Das System entwickelt sich ständig weiter.

Neue Waffen, Hacking-Module und Fähigkeiten verändern den Spielfluss regelmäßig. Besonders cool fand ich die Sci-Fi-Waffen, die deutlich kreativer ausfallen als Standard-Gewehre oder klassische Shooter-Arsenale. Manche Waffen manipulieren sogar direkt die Hacking-Felder der Gegner und machen Diana dadurch noch wichtiger.

Das Zusammenspiel aus Hugh und Diana fühlt sich irgendwann wirklich wie ein perfekt abgestimmtes Duo an – und genau das macht Pragmata so besonders.

© Capcom

Atmosphäre, Sound und Grafik sind richtig stark

Auch audiovisuell hat mich Capcom positiv überrascht. Die Mondstation wirkt kühl, bedrückend und gleichzeitig faszinierend futuristisch. Besonders die Beleuchtung, Reflexionen und die sterile Sci-Fi-Atmosphäre erzeugen oft eine richtig starke Stimmung. Dazu kommt eine hervorragende Soundkulisse mit wuchtigen Maschinenklängen, Alarmen und einem atmosphärischen Soundtrack, der perfekt zur Isolation des Spiels passt.

Vor allem Diana sticht technisch immer wieder hervor. Ihre Animationen und besonders ihre Haare sehen teilweise beeindruckend aus.

© Capcom

Zwar merkt man dem Spiel an einigen Stellen durchaus die lange Entwicklung an. Manche Areale werden optisch etwas eintönig, die Levelstruktur wirkt teilweise noch leicht nach PS4-Ära und die Lade-/Hub-Struktur kann nerven. Trotzdem hat mich das Gesamtpaket visuell deutlich mehr beeindruckt, als ich erwartet hatte.

Pragmata ist angenehm kompakt

Was mir ebenfalls gefallen hat: Pragmata zieht sich nicht unnötig in die Länge.

Nach etwa zehn Stunden war ich durch die Hauptstory durch, mit etwas mehr Erkundung kann man aber auch deutlich länger beschäftigt sein. Das Spiel findet dabei ziemlich genau den Sweet Spot, bevor sich das Gameplay zu stark abnutzt.

Gerade weil das Kampfsystem so ungewöhnlich ist, war ich froh, dass Capcom daraus kein künstlich aufgeblähtes 40-Stunden-Spiel gemacht hat.

Fazit von Patrik Hasberg

Pragmata ist vielleicht nicht perfekt. Die Story hätte an einigen Stellen mutiger sein können, manche Level wirken etwas eintönig und das Hub-System fühlt sich teilweise unnötig altmodisch an. Aber ehrlich gesagt ist mir das fast egal.

Capcom liefert hier endlich wieder einen großen AAA-Titel ab, der sich tatsächlich anders anfühlt. Das Zusammenspiel aus Hacking und Shooter-Gameplay macht unglaublich viel Spaß, die Atmosphäre ist stark und Hugh und Diana tragen das Spiel emotional fast komplett alleine.

Vor allem Diana ist für mich einer der sympathischsten Charaktere der letzten Jahre geworden. Ihre Beziehung zu Hugh entwickelt sich so natürlich, dass man irgendwann selbst beginnt, sie beschützen zu wollen.

Und genau deshalb bleibt Pragmata bei mir hängen. Capcom hat hier keinen generischen Sci-Fi-Shooter gebaut, sondern ein ungewöhnliches, mutiges und überraschend herzliches Abenteuer. So einen Shooter habe ich wirklich noch nie gespielt.

Und das größte Kompliment, das ich auf meiner Tastatur tippen kann: Pragmata hat mich einige Abende richtig gut unterhalten können!

✅ Pro

  • Kreatives Kampfsystem aus Shooter und Hacking
  • Diana und Hugh funktionieren hervorragend zusammen
  • Starke Atmosphäre und Soundkulisse
  • Viele clevere Gameplay-Ideen
  • Angenehm kompakte Spielzeit
  • Frische AAA-Erfahrung

❌ Kontra

  • Teilweise eintönige Areale
  • Hub- und Speicherstruktur wirkt altmodisch
  • Story bleibt stellenweise vorhersehbar
  • Manche Komfortprobleme nerven unnötig

Patrik Hasberg

Schreiberling, Spieleentdecker, praktizierender Perfektionist und Mann fürs Grobe. Außerdem laufender Freizeit-Hobbit, der Katzen liebt. – Hunde gehen auch. „Auch sonst eigentlich ganz ok“.
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