Die Überraschung war groß, als Nikon im September 2025 mit der Nikon ZR seine erste Systemkamera vorstellte, der man die Akquisition der Highend-Kameramarke RED Digital Cinema im Vorjahr wirklich ansah. Nachdem ich mir die neue Nikon-Kamera bereits auf der Internationalen Broadcast Convention (IBC) in Amsterdam anschauen durfte, freue ich mich nun, einen genaueren Blick auf die Nikon ZR zu werfen.
Wie Nikon RED Digital Cinema übernahm
Der Aufschrei war groß, als Nikon in 2024 sehr überraschend die Marke RED Digital Cinema kaufte. RED war lange Zeit einer der größten Konkurrenten des deutschen Filmgeräteherstellers Arri, der besonders für die Cine-Kamerasserie Arri Alexa bekannt ist, die weltweit bei Highend-Filmaufnahmen eingesetzt wird.
Auch RED-Kameras sind für ihren Einsatz in Film, Serien und Werbung bekannt, konnten ARRI jedoch nie vom Thron verdrängen. Während ARRI stets für ein sehr seriöses und professionelles Auftreten steht, war RED immer auch ein Stück weit von Coolness geprägt.
Vor allem bei Musikvideoproduktionen war es beliebt, eine RED-Kamera am Set zu haben. Als damaliger Filmstudent hing auch ich häufiger auf der Webseite von RED und fragte mich, wie ich möglichst schnell an mehrere zehntausend Euro kommen könnte.
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Umso spannender war es deshalb zu sehen, wie Nikon den amerikanischen Hersteller übernahm. Schnell kamen Spekulationen auf, wie es mit der Cine-Marke weitergeht und wie Nikon diverse Patente für sich nutzen würde.

Über den Autor
Dustin Hasberg arbeitet seit 2016 als selbstständiger Kameramann und Producer in den Bereichen Eventfilm, Doku und Social Media. Zwar ist er überzeugter Sony-Nutzer (und lässt das auch jeden ungefragt wissen), doch als Kameraenthusiast schaut er regelmäßig über den Tellerrand hinaus. Denn es schadet nie, sich mit allen Systemen auszukennen. Eine Nikon hatte er bisher noch nie auf einem Filmset in der Hand, ob sich das nun ändern wird?
Ein erster Blick auf der IBC in Amsterdam
Mit der Enthüllung der Nikon ZR im Rahmen der International Broadcast Convention (IBC) in Amsterdam im September 2025 wurde dieses Geheimnis gelüftet. Die Specs der Kamera sorgten direkt für Aufsehen und die im gleichen Zeitraum angekündigte Canon EOS C50 wurde spürbar weniger begeistert aufgenommen. Ich hatte das Glück, die IBC zu besuchen und direkt einen Blick auf die Nikon ZR werfen zu können.
Als regelmäßiger Nutzer einer Sony FX3 gefiel mir an der Nikon ZR vor allem das große Display, das einen externen Monitor quasi überflüssig macht. Ebenfalls etwas, das mir direkt sehr positiv ins Auge fiel, war der kleine Schieberegler, mit dem sich schnell zwischen Video- und Fotomodus wechseln lässt.

Mehrere Buttons, Drehregler und das große Touch-Display versprachen eine intuitive Bedienung. Auch viele Kollegen äußerten sich sehr positiv, einige bestellten die Kamera sogar direkt vor. Ich freute mich ebenfalls, die Kamera zu einem späteren Zeitpunkt genauer unter die Lupe zu nehmen.

Umso besser, dass Nikon uns später ein Testgerät zur Verfügung stellte. Als das Paket ankam, wurde natürlich direkt ausgepackt.
Menü und Bedienung: Überraschend intuitiv
Sorgen machte ich mir zunächst um das Menü. Bei Sony und Canon bin ich es gewohnt, mich durch verschachtelte Einstellungen kämpfen zu müssen.
Umso überraschender, dass ich bei der ersten Nutzung der Nikon nach etwa zehn Minuten alle relevanten Einstellungen gefunden und nach meinen Wünschen justiert hatte, obwohl ich zuvor noch nie mit einer Nikon gearbeitet hatte.
Vollformat und 6K RAW in einer kleinen Systemkamera
Die Nikon ZR setzt auf einen Vollformat-Sensor mit 24,5 Megapixeln, derselbe wie in der Nikon Z6III. Damit ist der Schieberegler, um zwischen Video und Foto zu wechseln, nicht nur ein nettes Gimmick, sondern ein echter Mehrwert mit ordentlicher Auflösung, um bei einem Video-Shoot noch schnell ein paar Einzelbilder zu schießen.
Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass die Nikon ZR vor allem auf die Videoproduktion ausgelegt ist, was sich auch an dem fehlenden Sucher zeigt.

Wer alles aus dem Filmmodus herausholen möchte, kann in 6K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde in 12 bit RAW aufzeichnen, was in dieser Preisklasse ungewöhnlich ist. Nikon verwendet dabei neben dem R3D-NE RAW Codec mit der beliebten Red Color Science auch den N-RAW von Nikon sowie Apple ProRes RAW. Dabei sollte aber jedem bewusst sein, dass die höchste RAW-Einstellung extrem viel Platz benötigt und eure Speicherkarte schneller füllt, als ihr „Und bitte!“ sagen könnt.
Lichtempfindlichkeit: Stark bei wenig Licht
Besonders interessant ist für mich die Lichtempfindlichkeit, da ich regelmäßig auf dunklen Events unterwegs bin. Dank des Dual Base ISO mit den Stufen 800 und 6.400 lässt sich auch in schwierigen Lichtverhältnissen noch saubere Aufnahmen realisieren. Mit dem passenden Objektiv wird die Kamera fast zu einem kleinem Nachtsichtgerät.
Preiswunder mit kleinen Abstrichen
Dabei wird zudem deutlich, dass die Nikon ZR auf bildlicher und technischer Ebene mit entsprechendem Zubehör auch für die große Leinwand funktionieren kann. Schließlich wurde bereits die Sony FX3 für Kinofilme wie The Creator eingesetzt – ohne eine interne RAW-Aufzeichnungsfunktion zu besitzen.
Der häufige Vergleich in diesem Artikel mit der Sony FX3 ist dabei kein Zufall, denn meiner Meinung nach handelt es sich dabei um einen der größten und beliebtesten Konkurrenten der Nikon ZR. Doch während die inzwischen fünf Jahre alte Sony FX3 aktuell zu einem Preis von etwa 4.400 Euro angeboten wird, liegt die Nikon ZR mit etwa 2.350,00 Euro deutlich darunter und bietet gleichzeitig bessere Specs.
Das Gesamtpaket liest sich sehr stark und die Abstriche fallen in der Praxis tatsächlich überschaubar aus. Neben dem fehlenden Sucher, der gerade bei einer Film-Foto-Hybridkamera durchaus praktisch wäre, ist mir vor allem der verbaute Micro-HDMI-Anschluss negativ aufgefallen. Anstelle eines vollwertigen HDMI-Ports macht er die Nutzung externer Monitore oder von Bildfunklösungen etwas umständlicher und potenziell fehleranfälliger.

Letztlich ist die Nikon eine Systemkamera in einem entsprechenden Gehäuse. Wer die Kamera für eine größere Produktion nutzen möchte, wird kaum drum herum kommen, sich noch ein Cage und weiteres Zubehör für das Gehäuse anzuschaffen.
Dazu noch ein weiterer Nachteil: Zwar besitzt die Nikon ZR zwei Kartenslots, jedoch kann davon nur einer die sehr schnellen CFexpress Type B-Karten (oder alternativ XQD) nutzen. Der zweite Kartenslot ist lediglich für Micro-SD-Karten vorgesehen, auf denen logischerweise keine RAW-Aufnahmen aufgezeichnet werden können. Dual-Aufnahmen auf beiden Speicherkarten gleichzeitig sind bei höheren Aufzeichnungsformaten also nicht möglich, auch kein automatischer Wechsel, sobald die erste Karte voll ist.
Übersteuern war gestern, 32-bit Float machts möglich
Nicht nur im Videomodus ist die Nikon ZR sehr stark, auch tontechnisch muss sie sich nicht verstecken – ganz im Gegenteil!
Dazu zählt vor allem die Möglichkeit Audio in 32-bit Float mit kompatiblen Mikrofonen aufzuzeichnen, was bisher eher von professionellen Audiorecordern bekannt ist. Dadurch werden sehr hohe Dynamikbereiche aufgezeichnet, die in der Postproduktion noch stark angepasst werden dürfen.
Wird beispielsweise mit einem zu hohen Audiopegel aufgenommen, kann man den Ton ohne Übersteuerung absenken. Bei einem zu geringen Aufnahmepegel ist es hingegen problemlos möglich diesen ohne Clipping anzuheben. Ein echter Mehrwert also, wenn du alleine mit der Kamera unterwegs bist und dich nicht dauerhaft auf den Tonpegel konzentrieren kannst.

Passend dazu hat Nikon auch das Richtrohrmikrofon ME-D10 herausgebracht, dass über den Blitzschuhanschluss der Nikon ZR befestigt wird. Beim ersten Kontakt war ich kurz überrascht, denn das Mikrofon fällt ungewöhnlich kompakt aus und wirkt auf den ersten Blick kaum wie ein klassisches Richtrohr. Gerade für unauffällige Aufnahmen ist das jedoch ein klarer Vorteil.
Dabei besteht das ME-D10 aus insgesamt vier Mikrofonen, die über zwei Schieberegler eingestellt werden können. Dabei wird zwischen Focus (für Sprachaufnahmen) und Pure (großer Dynamikbereich) unterschieden – zusätzlich darf eingestellt werden, ob sich das Geräusch der Begierde vor oder hinter dem Mikrofon befindet.
Ungewöhnlich aber praktisch ist die mittlere Option, bei der Audio auf beiden Seiten des Mikrofons aufgenommen wird. Praktisch etwa bei Interviews, bei denen auch die Fragen mit aufgezeichnet werden sollen.

Fazit von Dustin Hasberg
Nikon hat eine eierlegende Wollmilchsau erschaffen – nur als Kamera!
Besonders gut gefällt mir an der Nikon ZR, dass sich die Kamera für die unterschiedlichsten Einsätze anbietet. Möchte ich damit lediglich lange Vorträge aufzeichnen und dabei eher geringe Dateigrößen erhalten, kann ich in Full-HD mit dem Codec H.264 oder H.265 aufzeichnen. Habe ich einen höheren Anspruch, greife ich zu einem der verschiedenen Apple ProRes-Codecs und nutze UHD-Auflösung.
Und wenn ich dann doch einmal das Maximum herausholen möchte und Speicherplatz keine Rolle spielt, bin ich mit den verschiedenen RAW-Einstellungen in bis zu 6K bestens bedient.
Der Kunde fragt am Ende des Drehs noch nach einem schnellen Produktbild oder einem Gruppenfoto? Auch das kriegt die Nikon ZR problemlos hin.
Wer derzeit auf der Suche nach einer Systemkamera mit sehr guten Specs ist und den Blick nicht ausschließlich auf Sony und Canon fixiert hat, bekommt mit der Nikon ZR eine hervorragende Cine-Kamera mit Fotofunktion zu einem mehr als fairen Preis.





