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Games: ESL One Frankfurt – Von der Nische zum Großevent

Von Pierre Magel - News vom 25.06.2015 16:10 Uhr

Auf zwei Tage verteilt ungefähr 20 Stunden Dota 2 anschauen – bei regnerischem Wetter und kalten Temperaturen. Wer sowas macht? Wir. Die Fans. Die aktiven Spieler. Aber auch alle anderen haben ihren Spaß. Der E-Sport ist schon lange kein Nischenprodukt mehr, sondern hat die Massen mittlerweile fest im Griff. Selbst auf großen Turnieren trifft man zahlreiche Menschen, die einfach wegen der Atmosphäre kommen, das Event erleben möchten und sich von der mitreißenden Stimmung anstecken lassen – Festivalatmosphäre überall. Unser Bericht von der ESL One in Frankfurt.

Du bist aber groß geworden

Wenn man die E-Sport-Szene schon etwas länger verfolgt, kann man sich nur gut an kleine Turniere, schüchterne Event-Versuche und übersichtliche Preisgelder erinnern. Mein erstes Turnier habe ich vor über fünf Jahren besucht und würde man dieses mit heutigen Standards vergleichen, müsste man vermutlich schmunzeln – und das, obwohl schon damals viel in die Austragung investiert wurde. Durch den Fakt, dass sich das Gaming allgemein immer weiter in unsere Gesellschaft verwurzelt, bekommt der E-Sport ganz automatisch ein breiteres Publikum spendiert, das eben nicht nur aus den klischeebehafteten Zockern besteht, die sonst nicht viel machen. Den E-Sport als Breitensport zu bezeichnen, wäre aktuell noch absolut vermessen – erste Schritte in diese Richtung werden aber gemacht. Wichtig dafür ist auch das Bemühen der großen Veranstalter, an Turniertagen kein reines Gamingangebot zu bieten – weg vom sterilen Wettkampf und hin zur spaßigen Veranstaltung für „groß und klein“. So denkt auch der Managing Director Pro Gaming der ESL, Ulrich Schulze, über die ESL One am letzten Wochenende: Er ist sehr zufrieden, dass man mit dem Turnier einen gelungenen Mix aus E-Sport-Turnier und Festival für Gamer erschaffen konnte. Das Feedback ist dahingehend so positiv, dass man auch für kommende Veranstaltung diesen Weg gehen möchte.

Für jeden etwas dabei

Selbst große Fans von Dota 2 bekommen nach zehn Stunden Nonstop-Gaming irgendwann mal Lust, sich die Beine zu vertreten und einer anderen Beschäftigung nachzugehen. Wer das in Frankfurt machen wollte, der hatte die volle Auswahl: Hinter der groß aufgebauten Leinwand befanden sich diverse Zelte, die zu allerlei spaßigen Aktivitäten einluden. Wollte man Action abseits des Schlachtfeldes im Spiel erleben, durfte man sich auf einen Bullen schwingen und schauen, wie lange man sich darauf halten kann. Oder man schnappt sich einen Kumpel und muss ihn von einer Plattform prügeln. Oder schaut sich die Stände der Entwickler an. Oder bewundert die enorm aufwändigen Cosplays. Oder wird auf der Außenanlage mal eben zur menschlichen Kickerfigur während nebenbei aus einem überdimensionalen Red Bull-Wagen laute Musik ertönt. Oder, oder, oder – langweilig wurde es definitiv selten.

Feinstes Dota 2 und spannende Duelle

Trotz aller spaßigen Ablenkungen im und um das Stadion herum war natürlich das Hauptspektakel den Spielen in Dota 2 bestimmt – an den beiden Haupttagen des Events konnte man die aktuell acht besten Teams der Szene bestaunen und wurde in keinerlei Hinsicht enttäuscht. Spannende Spiele, großartige Comebacks und Dota 2 auf höchstem Niveau wurden in beeindruckender Regelmäßigkeit abgeliefert. Klar, dass da die Stimmung der über 15.000 Gäste pro Tag auf dem Höhepunkt war. Wenn man mitten in der Masse saß und der Publikumsliebling einen wichtigen Teamfight gewinnen konnte, war eine normale Verständigung mit seinen Sitznachbarn nicht möglich – Lautstärke und Gänsehaut pur. Das Finale zwischen Team Secret und Evil Geniuses verwandelte die Commerzbank Arena dann endgültig in einen Hexenkessel und das trotz absolut nicht finalwürdigem Wetter. Sprechchöre, Jubelrufe und frenetischer Jubel bei jedem Kill beeindrucken selbst die Leute, die kaum was vom Spiel verstehen.

Rekordzahlen bestätigen den Trend

Waren es im letzten Jahr noch grob 12.000 Besucher pro Tag, konnte die ESL One 2015 einen Andrang von über 15.000 Besuchern pro Tag vermelden – insgesamt waren mehr als 30.000 Leute anwesend, um ihre Teams anzufeuern und ein geiles Erlebnis zu haben. Noch beeindruckender: 2014 konnte das Event auf Twitch eine Zuschauerschaft von grob 500.000 gleichzeitig zusehenden Fans generieren, ein Jahr später wurde diese Zahl glatt verdoppelt. Zu Spitzenzeiten schauten über eine Million Interessierte aus aller Welt vor den heimischen Bildschirmen, wie Team Secret sich den Sieg holte und damit das letzte, große Kräftemessen vor dem wichtigsten Turnier des Jahres, dem The International 5, für sich entscheiden konnte. Apropos Rekorde und Preisgelder: Durch den Gesamtpreisgeldpool von knapp 300.000 US-Dollar konnte sich das Turnier einen Platz in der Top 10 der höchsten Preissummen im Bereich Dota 2 sichern.

Zuversicht für die Zukunft

Aktuell spricht nichts dafür, dass der positive Trend der letzten Zeit in irgendeiner Form gefährdet werden könnte. Stetig neu erreichte Preisgeldrekorde, die wachsende Beliebtheit wichtiger Titel wie Dota 2 oder League of Legends und das immer beliebter werdende Gaming generell versprechen eine gute Zukunft für den Bereich E-Sport. Wenn Größen der Szene wie die ESL weiterhin gute Arbeit leisten, konsequent ihre Konzepte verfolgen und keine schwerwiegenden Fehler passieren, wird man als Fan der kompetitiven Spiele noch lange Freude am Zuschauen und Mitfiebern haben dürfen – noch war die Commerzbank Arena nur zu einem kleinen Teil gefüllt, 2020 muss sie dann vielleicht schon ausgebaut werden! Träumen sei erlaubt.

Mein ganz persönliches Fazit

Schon lange war ich auf keinem E-Sport-Event mehr und nachdem ich die zwei Tage in Frankfurt erlebt habe, frage ich mich, warum ich das eigentlich so selten mache. Die Spiele waren super, die Stimmung noch besser und insgesamt hat man sich einfach wohlgefühlt. E-Sport ist schon lange erwachsen geworden und von einstigen Kinderkrankheiten ist nur noch wenig zu sehen – Professionalität an allen Ecken wird groß geschrieben. Obwohl das Wetter mitunter echt mau und man nicht immer begeistert von der Wartezeit zwischen den Spielen war, bleibt abschließend ein rundum positives Gefühl zurück. ESL One Frankfurt 2016 kann kommen, ich bin dabei.

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