Neue Aussagen aus dem Umfeld von Fallout: New Vegas sorgen gerade wieder für ordentlich Gesprächsstoff in der RPG-Community. Im Zentrum steht diesmal weniger ein Patch oder ein Remaster-Gerücht, sondern ein interner Blick hinter die Kulissen: Bethesda soll nach der Veröffentlichung eine komplette PowerPoint-Präsentation vorbereitet haben, in der detailliert aufgelistet wurde, was Obsidian beim Projekt angeblich alles falsch gemacht habe.
Der Bericht passt in ein Bild, das Fans seit Jahren begleitet: Fallout: New Vegas gilt heute vielen als einer der stärksten Serienteile, war aber gleichzeitig ein Titel, dessen Entwicklung unter großem Zeitdruck stand und der zum Start von technischen Problemen geplagt wurde. Trotzdem wuchs das Spiel über die Jahre zum Kultfavoriten, inklusive einer bis heute aktiven Modding- und Diskussionsszene.
Ein Blick auf den angeblichen PowerPoint-Termin
Wer hat die PowerPoint-Geschichte öffentlich gemacht? Auslöser ist ein aktuelles Interview mit dem früheren Obsidian-Designer Chris Avellone im YouTube-Format von TKs-Mantis. Avellone schildert darin, dass Bethesda die Nachbesprechung nicht nur für einzelne Punkte genutzt habe, sondern mit einer vollständigen Präsentation aufgetreten sei, die sich auf Fehler und Versäumnisse des Studios konzentriert habe.
Sie hatten eine komplette PowerPoint. Nicht mal über die DLCs, sondern eine komplette PowerPoint über all die Dinge, die Obsidian falsch gemacht hat.
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Avellone beschreibt das Treffen sarkastisch als wenig motivierend, weil das Team bei Obsidian selbst das Gefühl gehabt habe, unter den Umständen ein starkes Produkt abgeliefert zu haben, das die Marke Fallout in der öffentlichen Wahrnehmung gehalten habe. Der Tenor: Bethesda habe von der Aufmerksamkeit profitiert, gleichzeitig aber offenbar sehr deutlich gemacht, wie unzufrieden man intern mit Teilen der Umsetzung gewesen sei.
Technik-Streit, Performance und die Frage nach dem Code
Woran entzündete sich der Konflikt laut Avellone besonders? Neben genereller Kritik soll es auch konkrete Reibungspunkte bei Technik und Kommunikation gegeben haben. Avellone erinnert sich an eine Situation, in der er im Rahmen eines Interviews von 30 Bildern pro Sekunde gesprochen habe, was er als Mindeststandard betrachtet habe. Später sei er dafür von einem Tech-Verantwortlichen bei Bethesda gerügt worden, weil damit eine Erwartungshaltung geschaffen werde.
In dem Zusammenhang teilt Avellone auch gegen die technischen Grenzen der Engine aus und stellt die provokante These auf, dass Bethesda nicht unbedingt das Engineering-Know-how habe, um Fallout: New Vegas ohne Weiteres als Remaster neu aufzulegen. Das ist keine Ankündigung, aber eine Aussage, die in der Debatte um Neuveröffentlichungen sofort Wellen schlägt.
Warum ist der Quellcode ein so sensibles Thema? Avellone spricht außerdem von einem letzten Meilenstein, bei dem Obsidian den Source Code gegen eine Zahlung von 10.000 US-Dollar hätte übergeben sollen. Laut seiner Darstellung sei dieser Schritt am Ende nicht erfolgt, weil Obsidian-Chef Feargus Urquhart den Meilenstein nicht abgerechnet und den Code nicht geliefert habe. Avellone deutet an, dahinter könne auch der Wunsch gestanden haben, Bethesdas Kontrolle über die Zukunft des Spiels zu begrenzen.
DLC-Wertungen und ein mögliches New Vegas 2, das nie kam
Welche Rolle spielten Reviews und DLC-Scores? Ein weiterer Streitpunkt sollen Bewertungen gewesen sein, vor allem rund um die Erweiterungen. Avellone räumt ein, dass Dead Money bewusst stark in Richtung Survival-Horror gegangen sei und damit für Teile des Publikums ein Bruch mit dem Kerngefühl gewesen sein könnte. Gerade diese Abweichung habe sich in der Wahrnehmung niedergeschlagen.
Laut Avellone habe Bethesda niedrigere Kritikerwertungen der DLCs später als Argument genutzt, um die Zusammenarbeit mit Obsidian nicht fortzusetzen. Gleichzeitig klingt in seinen Aussagen durch, dass die Entscheidung intern womöglich ohnehin schon gefallen war und die Bewertungen eher als zusätzliche Begründung dienten.
Welche Fallout-Pläne standen trotzdem im Raum? Besonders bitter für Fans: Avellone erzählt, dass das Team damals durchaus davon ausging, irgendwann ein New Vegas 2 oder ein vergleichbares Folgeprojekt machen zu können. Diese Hoffnungen hätten sich aber schnell zerschlagen, als Bethesda künftige Fallout-Teile wieder vollständig intern verantworten wollte. Als kreativen Wunsch nennt Avellone außerdem ein Fallout in New Orleans, inspiriert von der Stimmung eines Comics namens Grendel. Eine Rückkehr zu Fallout hält er allerdings kurzfristig für unrealistisch und spricht von mindestens sechs Jahren, wenn überhaupt.
Wie seht ihr das: War die harte Bethesda-Kritik ein nachvollziehbarer Teil der Qualitätskontrolle, oder klingt das nach einer Partnerschaft, die von Anfang an unter zu viel Druck stand? Schreibt eure Meinung gern in die Kommentare.



