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Zensur: Hakenkreuze in Spielen erlaubt: Generelles Verbot wird aufgehoben

Von Wladislav Sidorov - News vom 09.08.2018 11:07 Uhr

Die USK wird in Zukunft nicht länger pauschal Videospiele blockieren, in denen verfassungsfeindliche Symbole auftauchen. In Einzelfällen werde man eine Altersprüfung einteilen, obwohl zum Beispiel ein Hakenkreuz auftaucht.

In der Debatte rund um die Darstellung von Hakenkreuzen, Hitler und anderen Symbolen in Videospielen kommt endlich Bewegung in die Sache: Die USK wird in Zukunft auch dann eine Altersprüfung vornehmen, wenn ein Videospiel verfassungsfeindliche Symbole enthält. Zudem sei eine grundsätzliche Freigabe möglich.

Die USK werde als Grundlage dafür die Anwendung der Sozialadäquanzklausel nehmen, die besagt, dass Symbole verfassungswidriger Organisationen im Rahmen der Wissenschaft, Lehre, Kunst oder staatsbürgerlichen Aufklärung dargestellt werden dürfen. In Filmen, Serien oder Musikvideos wird diese seit jeher angewandt.

Ein Urteil, das keines ist

Bislang „zensierten“ Entwickler und Publisher nahezu selbstverständlich ihre Spiele, sobald auch nur ein einziges verfassungsfeindliches Symbol auftaucht, deren Verbreitung nach §86 StGB eigentlich verboten wäre. Doch die jahrelange Annahme, dass Videospiele davon nicht ausgenommen werden können, ist schlichtweg falsch: Es wurde nie pauschal entschieden, dass dies nicht der Fall ist.

Stattdessen glaubte man einem 20 Jahre alten Gerichtsurteil: Damals urteilte das Oberlandesgericht Frankfurt, dass Wolfenstein 3D durch die Darstellung von Hakenkreuzen keine kritische Auseinandersetzung fördere. Im Nachhinein wurde dieses jedoch als falsch angesehen, weil die Sozialadäquanzklausel gar nicht erst berücksichtigt wurde, obwohl sie es hätte werden müssen. Dennoch verblieb die deutsche Videospielbranche in Schockstarre und traute sich nicht, hierzulande ein Spiel mit entsprechenden Symbolen zu verbreiten. Die USK schrieb sogar in ihre Richtlinien, dass man diese direkt ablehnen und zur Indizierung empfehlen werde.

Selbstzensur statt Selbstreflektion

In Deutschland sorgte die Angst dafür, dass man bei der USK gar nicht erst um eine Altersprüfung für „Videospiele mit Hakenkreuzen" bat. Stattdessen entfernte man sämtliche Hinweise auf den Nationalsozialismus.

Prominente Beispiele sind Call of Duty: WW2 und Wolfenstein 2: The New Colossus, bei denen mit nahezu abstrusen Methoden versucht wurde, ein eventuelles Verbot zu umgehen. Letzteres änderte unter anderem den Namen von „Adolf Hitler“ zu „Herr Heiler“ und entfernte ihm den Schnauzbart – international war dies natürlich nicht der Fall.

Selbst bei den Medien wurde stellenweise Selbstzensur betrieben, weil man sich vor möglichen Gerichtsverfahren schützen wollte. Bis zuletzt verzichteten wir deshalb darauf, Screenshots zu zeigen, auf denen Hakenkreuze zu sehen waren. Das geht sogar so weit, dass wir in einer News ein Hakenkreuz durch eine Schildkröte ersetzen mussten:

FortniteFortnite: Spieler entdecken unbeabsichtigtes Hakenkreuz

ARD, ZDF und jetzt auch die Jugendbehörden

Dass sich die USK überhaupt für die Kehrtwende entschloss, ist auf ein Urteil der Obersten Landesjugendbehörden zurückzuführen. Diese stimmt sämtlichen Entscheidungen der USK pauschal zu, weil sie dieser den entsprechenden Auftrag verlieh. Entwickler und Publisher mussten bislang im für eine Altersprüfung nötigen Antragsformular explizit bestätigen, dass in ihren Spielen keine verfassungsfeindlichen Symbole auftauchen. Dies ist nun nicht mehr der Fall.

Das Urteil sorgt dafür, dass die USK jetzt grundsätzlich jedes Videospiel zur Prüfung annehmen wird, auch wenn dort – zum Beispiel – ein Super Mario mit Hakenkreuzmütze herumläuft. Sind die formalen Voraussetzungen erfüllt, kann eine Freigabe bedenkenlos erteilt werden.



Die Obersten Landesjugendbehörden dürften auch maßgeblich durch eine Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart beeinflusst worden sein. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von ARD und ZDF, in diesem Fall der Südwestrundfunk, wurden von einem Verfahren verschont – obwohl sie zur Bundestagswahl ein Browsergame veröffentlichten, in dem ein Hakenkreuz dargestellt wird:

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Ein Ermittlungsverfahren sei angesichts einer dafür fehlenden rechtlichen Grundlage aber als unnötig zu erachten, so die Entscheidung. Das Spiel sei eindeutig durch die Sozialadäquanzklausel gedeckt und sei definitiv Kunst, die thematisch der „Satire mit überzeichneten Charakteren und Darstellungen“ zuzuordnen sei und obendrein durch die Verbindung zur Bundestagswahl politisches Bewusstsein fördere.

Ab wann ist Kultur wirklich Kultur?

Allerdings ist nicht genau geklärt, was genau letztendlich für eine Freigabe sorgen kann. In Singleplayer-Spielen dürfte der Kontext entscheidend sein, doch was ist eigentlich mit dem Multiplayer? Trifft die Sozialadäquanzklausel auf diesen überhaupt zu? Ist es wirklich bedenkenlos, wenn Spieler als Nazis versuchen, jeden anderen mit Gasgranaten niederzumetzeln?

Um dies zu entscheiden, müsste ein Entwickler sein Multiplayer-Spiel inklusive verfassungsfeindlicher Symbole zur Prüfung anmelden. Dazu gehören auch bereits bestehende Spiele – denn gerade Unternehmen wie Wolfenstein-Publisher Bethesda dürften an der Freigabe interessiert sein. Ihre Spiele können nach erfolgter USK-Freigabe dann auch in keinem Falle indiziert werden. Die Änderung der USK-Richtlinien gilt nämlich nicht rückwirkend, eine Neueinreichung wäre erforderlich.

Erleichterung in der Branche

Beim Branchenverband game, dem Träger der USK, zeigt man sich dennoch erleichtert:

„Wir haben uns lange dafür eingesetzt, dass Games endlich gleichberechtigt und ohne Ausnahmen am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen können. Nachdem Computer- und Videospiele bereits seit vielen Jahren als Kulturmedium anerkannt sind, wird durch die jetzige Entscheidung die Anerkennung auch in diesem Bereich konsequent vollzogen.“

„Viele Spiele von engagierten und kreativen Entwicklerinnen und Entwicklern behandeln schwierige Themen wie die Zeit des Nationalsozialismus und gehen damit sehr verantwortungsvoll, kritisch und zum Nachdenken anregend um.“

Bethesda wird noch in diesem Jahr die Möglichkeit bekommen, als erster Publisher verfassungsfeindliche Symbole in einem AAA-Spiel darzustellen. Der VR-Titel Wolfenstein: Youngblood wird nämlich mit Sicherheit Hakenkreuze zeigen, die jetzt (wahrscheinlich) gar nicht mehr zensiert werden müssten.

Mal schauen, ob es dazu kommt.

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