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WandaVision beantwortet die unnötige Geschlechterfrage: Ein Vorbild der Unterhaltungsbranche

Von Lucas Grunwitz - News vom 02.02.2021 14:48 Uhr
WandaVision S.W.O.R.D.
© Marvel Studios

Eine Schlagzeile, die sich wie ein Schlag ins Gesicht anfühlt: „Women Don’t Sell“ ziert die Überschrift eines Artikels auf Destructoid.com. Die Internetseite berichtet über Assassin’s Creed: Odyssey, das erstmals in der Reihe der „Assassin’s Creed“-Ableger die Wahl zwischen einem männlichen oder weiblichen Protagonisten offen ließ.

Ursprünglich war geplant, Kassandra zur einzigen Hauptperson des Ablegers zu machen. Führungskräfte des französischen Unternehmens reichten allerdings ein Votum gegen die Entscheidung ein – Frauen würden sich nicht verkaufen.

Auch Disney zieht mit dem Marvel Cinematic Universe (MCU) zunächst träge nach: Mit Captain Marvel (2019) erschien der erste Ableger des MCU, der eine weibliche Hauptrolle in einem Solofilm zeigte. 2020 sollte Black Widow erscheinen, wurde Stand Februar 2021 aber aufgrund altbekannter Gründe auf unbekannte Zeit verschoben.

WandaVision - MCU Zwillinge
© Marvel Studios – „WandaVision“

Im vergangenen Jahr berichtete The Guardian nun über die kommende Kehrtwende: Im Jahre 2019 war der Anteil weiblicher Hauptrollen in Filmen mit 40 Prozent überproportional stark ausgeprägt. Insbesondere die Zahl weiblicher Kolleginnen, die hinter der Kamera mitwirken, war durch die Decke geschossen und das sendete ein wichtiges Signal an Filmproduzent*innen, Manager*innen und Unternehmen.

Disneys WandaVision ist ein erfolgsversprechendes Zeugnis dieser Veränderungen. Eine Serie, die uns Zuschauer*innen auf eindrucksvolle Art klarmacht, worauf es bei Serien, Filmen aber auch Videospielen wirklich ankommt und warum es die Geschlechterfrage als solche gar nicht mehr geben dürfte.  

Captain Marvel und WandaVision

Es ist wie ein Vergleich zwischen Tag und Nacht. Captain Marvel (2019) führte kurz vor dem finalen Showdown in Avengers: Endgame (2019) mit Carol Danvers eine absolute Powerfrau ins Marvel Cinematic Universe ein. Ein Film, der eine selbstbewusste Frau zeigt, die ihre Vergangenheit erkundet und schließlich zur kosmischen Superheldin avanciert. Ebenso ein Film, der von der Zuschauerschaft und der Presse eher gemischt bis negativ aufgenommen wurde.

Ungleichartig tritt Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) nun bei WandaVision auf. Eine Figur, die schmerzhaft mit den Ereignissen der jüngsten Vergangenheit kämpft. Punktuell zeigt sie zwar eindrucksvoll auf, welch Kraft in Wanda schlummert, doch sind es ihre psychischen Probleme, die den inhaltlichen Kern ihrer TV-Serie auf Disney Plus ausmacht. Ist der Film Captain Marvel nun also ein schlechter Film, weil er uns eine übermächtige, gar fast perfekte Superheldin präsentiert? Natürlich nicht.

© Marvel/Disney – „Captain Marvel“

Was die beiden Produktionen klar unterscheidet, ist das Gewicht ihrer Geschichte sowie deren Erzählstruktur. Ein treffendes Beispiel für den Trend unterhaltsamer Erzählstrukturen zeigt sich in der jüngsten Vergangenheit der Film- und Serienlandschaft, in denen vermehrt nichtlineare Erzählweisen genutzt werden.

Serien wie The Witcher (2019) greifen selbst kurz vor Staffelende noch einmal Elemente des Serienanfangs auf und konfrontieren Zuschauer*innen mit epochalen Offenbarungen. Disney Plus-Titel wie The Mandalorian (2018) beweisen zugleich, dass auch lineare Erzählstrukturen mit multiplen Erzählebenen funktionieren, vorausgesetzt die eigentliche Handlung unterhält und hält das Publikum am digitalen Bildschirm.

Ein Vorbild, an das WandaVision klar anknüpft und auf eine Kombination beider Trends setzt: in sich geschlossene Folgenhandlungen mit einem übergreifendem Handlungsrahmen, der Rückschlüsse auf Vergangenes zulässt. Nichtdestotrotz zeigen alle drei Serien bedeutsam auf, wie wichtig es heutzutage ist, Risiken einzugehen und neue Ideen zu erproben.  

Was kann die Videospielbranche daraus lernen?

Die Antwort ist so simpel wie erschreckend. Das Geschlecht einer Hauptfigur definiert nicht den Erfolg – es ist die Handlung, die maßgeblich Anerkennung fördert und in Erinnerungen bleibt. Hauptfiguren sowie deren Geschlecht, Charakteristik und Geschichte sind Werkzeuge der Autor*innen, um besagte Handlung mit Leben und Inhalt zu füllen.

Assassin’s Creed: Odyssey, das in sich geschlossen ein gutes Spiel ist, hat von besagtem Werkzeug keinen Gebrauch gemacht. Eine Handlung in der die Position zweier Charaktere problemlos getauscht werden kann, zeugt von leeren Hüllen, deren Geschlecht weder aktiven noch passiven Mehrwert für das Endprodukt bietet.

Die Reaktion (siehe Zitat oben) von Seiten Ubisoft zeigt daher kontextuell auf, mit welchen Schwächen das Franchise zuletzt zu kämpfen hat und welche Sorgen das Management offensichtlich erkannt hat. Kritiker und Spieler lobten die offene Spielwelt sowie die Atmosphäre des Titels, verunglimpften allerdings die Tiefe und Präsentation der Handlung.

Mit Assassin’s Creed: Valhalla konnte das französische Unternehmen mittlerweile einen besseren Weg eingeschlagen. Die Presse lobte nachdrücklich die höhere Dialogqualität sowie deren Integration und Darstellung in der Geschichte Valhallas. Nichtdestotrotz fällt die Geschlechterwahl erneut in die Hände der Spielenden und lässt verpasstes Potenzial in der Ausgestaltung der Figur Eivors durchscheinen.

Assassin's Creed® Valhalla2020 - Bilder, Test, Fazit, Wertung
„Assassin’s Creed Valhalla“ © Ubisoft

Vorreiterinnen und wichtige Videospiel-Persönlichkeiten wie Lara Croft aus Tomb Raider, Ellie aus The Last of Us, aber auch Samus Aran (Metroid) demonstrieren konträr dazu eine perfekte Inszenierung, in der die Weiblichkeit nicht störend in den Vordergrund gerückt wird, jedoch maßgeblich Mehrwert zur eigentlichen Story beiträgt – sei es durch die punktuelle Einbindung weiblicher Denkweisen oder einer unterschiedlichen Herangehensweise, um Probleme (nicht) gewaltsam aufzulösen.

Was bedeutet das bei WandaVision? Im Fall von WandaVision ist es (zugegebenermaßen der etwas stereotypische) Wunsch von Wanda, sich eine perfekte Realität zu erschaffen, um mit den jüngsten Verlusten ihrer Vergangenheit klarzukommen.

„Women don’t sell? No, bad stories do!“

Abschließend bleibt es unsere wichtige Aufgabe als Konsument*innen dieser digitalen Medien ein wichtiges Signal zu senden. „Women don’t sell? No, bad stories do!“

Uns sollte egal sein, wer Probleme löst oder gerade das Rampenlicht in der Serie oder dem Videospiel genießt. Hauptsache es passt zur Geschichte und entführt uns in Sphären, die wir so noch nie erleben durften. Chapeau WandaVision, genau dieses Ziel hast du erreicht.

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