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Gaming-Brillen im Test: Nützlich oder nur ein Marketing-Gag?

Von Ben Brüninghaus - News vom 12.08.2021 12:51 Uhr
Gaming-Brille - Gunnar Razer RPG
Die Gaming-Brille – Gunnar Razer RPG © PlayCentral.de

Ja, es gibt sie wirklich. Die Gaming-Brille. Und damit ist keine VR-Brille wie die PlayStation VR2 gemeint, die uns mit ihrer Technik in die virtuelle Realität verschleppt. Die Gaming-Brille soll unsere Leistung beim Zocken verbessern und auch sonst bietet sie auf dem Papier die eine oder andere Annehmlichkeit für unsere Augen.

Zu schön, um wahr zu sein: Eine Gaming-Brille aufsetzen und mehr Kills im liebsten Shooter erzielen? In vielerlei Hinsicht ist das in ähnlicher Form ein Versprechen, das mit dem neuesten Marketing-Gag gemacht wird. Zumindest soll sie uns beim Zocken helfen und im besten Fall sogar unsere Leistung so sehr steigern, dass wir besser im Spiel selbst werden.

Aber kann das wirklich funktionieren? Können wir wirklich besser spielen, wenn wir eine Gaming-Brille auf der Nase haben? Was bringt eine Gaming-Brille in der Praxis? Wir haben es ausprobiert und teilen euch in diesem Artikel unsere Erfahrungen mit.

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Schutz-Brillen für Monitore, Smartphones und Co. im Allgemeinen

Um zu verstehen, was eine Gaming-Brille im Kern eigentlich ist, müssen wir zunächst einen Abstecher in die Arbeitswelt machen. Denn tatsächlich gibt es ein Problem, über das in jüngster Vergangenheit schon häufiger gesprochen wurde.

Wenn wir zu lange auf einen Bildschirm starren, bekommen wir trockene Augen, Nackenschmerzen oder gar Kopfschmerzen. Ist das nur Einbildung? Keineswegs. Dafür gibt es mehrere Ursachen.

Ist künstliches Licht eines Monitors ungesund?

Meine Augenärztin erklärt es uns wie folgt. Durch die künstlichen Frequenzen, die ein Monitor erzeugt, starren die Augen auf ein unnatürliches Bild, während das ausgestrahlte Licht zusätzlich und ohne Umwege (anders als bei natürlichem Licht) in die Augen strahlt.

Obendrein wird nur auf „kurze Distanz“ geblickt. Es fehlt der natürliche Blick in die Ferne, dem wir durchaus brauchen. Die anhaltende Beanspruchung der Augen verursache in dieser Kombination eine dauerhafte Belastung des menschlichen Organismus. Und das wiederum kann zu Erschöpfung führen, wenn wir zu lange am PC sitzen.

Anmerkung: Falls ihr also täglich am PC arbeitet, empfiehlt es sich deshalb, jede halbe Stunde aus dem Fenster zu schauen und einen fernen Punkt zu fokussieren. Generell solltet ihr pro Stunde zudem einmal aufstehen, wie wir in diesem Beitrag über richtiges Sitzen erklären:

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Gaming-Brillen bieten Schutz durch Filter

Wie kann eine Gaming-Brille da helfen? Die Gaming-Brille ist im Kern eine Filter-Brille. Heißt, es handelt sich dabei um eine Brille, die wir wie eine reguläre Brille aufsetzen können. Doch im Gegensatz zur Veränderung der Dioptrien-Werte, die Kurz- oder Weitsichtigkeit behebt, ist sie mit entsprechenden Farbfiltern ausgestattet.

Durch diese Filter gelangen bestimmte Teile des künstlich erzeugten Lichts (elektromagnetische Wellen, die auf unsere Netzhaut treffen) gar nicht erst ins Auge. Die Farben, genauer gesagt bestimmte Farbfrequenzen, werden also gefiltert.

So eine Brille verhindert nicht die dauerhafte Beanspruchung der Augen durch den Lichteinfall, aber sie soll bei einem anderen Problem Abhilfe schaffen.

Was ist „blaues Licht“?

Eine bestimmte Farbfrequenz, die in diesem Zusammenhang mit Gaming-Brillen immer wieder fällt, ist das sogenannte „blaue Licht“. Ihr könnt euch das in etwa vorstellen wie eine Welle im Wasser. Eine Welle ist größer, eine kleiner. Und eine Lichtfrequenz hat immer eine bestimmte Wellenlänge. Wenn die Länge sehr groß ist, ist sie zum Beispiel gelb oder rot. Wenn die Frequenzlänge sehr kurz ist, ist sie zum Beispiel violett oder gar blau.

Das sichtbare Farbspektrum erzeugt den notorischen Regenbogen © Pixabay

Eine bestimmte Frequenz erzeugt also blaues Licht und das wird von Monitoren, Smartphones, Fernsehern oder gar Tablets im großen Anteil ausgestrahlt.

Genau genommen sind wir jedoch immer von blauem Licht umgeben, da die Sonne das ganze Farbspektrum ausstrahlt. Sie strahlt sogar Farben aus, die wir mit dem menschlichen Augen nicht sehen können wie Infrarotlicht. Die Frequenz des Infrarotbereichs ist so groß, dass sie unser Auge nicht mehr erfassen kann.

Ist künstliches Licht wie blaues Licht schädlich?

Nun hören wir in den Medien immer wieder vom bösen, blauen Licht. Aber ist das blaue Licht, das unser Handy oder Gaming-Monitor abgibt wirklich schädlich für die Augen?

Hier scheiden sich die Geister, da die Studien noch keine Langzeitergebnisse vorzuweisen haben. Es gibt zwar Studien, die einige bemerkenswerte Tatsachen ans Tageslicht gebracht haben, aber die Schädlichkeit als solche bleibt weitestgehend offen.

Einige Studien wollen zum Beispiel bewiesen haben, dass blaues Licht in gewisser Weise kleine Mikroverletzungen in unserer Netzhaut verursacht. Auf den ersten Blick ist das zwar unproblematisch, aber es wird allgemein angenommen, dass dies im Alter dazu führen kann, dass eine altersbedingte Augenerkrankung wahrscheinlicher eintritt: eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD) oder auch grauer Star.

Blaues Licht soll wie UV-Licht (ultraviolettes Licht) die Haut – wie zum Beispiel die Netzhaut des Augens – verletzen können. Wir schauen nicht direkt in die Sonne, da das UV-Licht die Haut und unsere Augen verletzen würde. Und blaues Licht soll laut einiger Forscher ähnliche Auswirkungen haben.

Wie gesagt, sind diese Aussagen aber noch lange nicht stichhaltig untermauert und es ist unklar, wie viel Licht bleibenden Schaden hinterlassen würde. Ob es also wirklich so ist und in welchem Maße das passiert, bleibt weitestgehend offen. Eine Gaming-Brille soll diesbezüglich jedoch vor dieser potenziellen Gefahr schützen.

Solch ein Licht enthält viele kurzwelligen Lichtfrequenzen, die nicht gut fürs Auge sein sollen. © Pixabay

Weniger Schlaf durch künstliches Licht

Doch es gibt noch eine Auswirkung auf uns, die bei einer Studie angeführt wurde, aber eher mit Licht im Allgemeinen zusammenhängt.

Die Überlegung: Das Tageslicht verschwindet zu einer bestimmten Zeit, woraufhin der menschliche Körper zur Ruhe kommen sollte. Doch aufgrund weiterer Lichtbestrahlung, die unser Auge trifft, durch TV-Geräten oder zum Beispiel Monitore, wird nachweislich unser Einschlafrhythmus beeinträchtigt.

Laut Studien schläft ein Mensch also schneller ein, wenn dieser nicht mehr auf eine Lichtquelle wie ein Smartphone schaut. Das liegt daran, dass wir weniger Melatonin (Schlafhormon) in unserem Körper produzieren, wenn wir weiterhin Licht ausgesetzt sind. Das Hormon Melatonin sorgt normalerweise dafür, dass wir einschlafen. Wenn weniger produziert wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit für ein frühes Einschlafen. Ergo sind wir länger wach.

Was hat das mit blauem Licht zu tun? Laut Studien soll blaues Licht heller wirken als andere Lichtquellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir später einschlafen, steigt deshalb durch die Verwendung moderner Tech deutlicher an als bei anderen Lichtquellen wie Leselampen.

Gaming-Brillen im Test – Kaufberatung

Wenn wir also davon ausgehen, dass eine Gaming-Brille wie eine Filter-Brille fungiert, dann wird das „bösartige, blaue Licht, das nicht so gut für unsere Netzhaut ist“, doch durchaus herausgefiltert? Das würde zumindest für eine Gaming-Brille sprechen.

Eine Gaming-Brille birgt jedoch noch mehr Features, sie soll laut Herstellern gegen Kopfschmerzen, Nackenschmerzen oder Symptome wie trockene Augen helfen. Ob das wirklich stimmt, ist wohl von Person zu Person verschieden. Die einen reden vom Placeboeffekt und die anderen von einer tatsächlichen Abhilfe.

Unser Erfahrungsbericht: Mehrere Gaming-Brillen im Test

Wir haben uns für einen Test auf PlayCentral.de gleich eine Vielzahl von Modellen angesehen. Und so viel vorab: Ich empfand es als durchaus positiv, nicht ständig ins helle Licht blicken zu müssen. Generell habe ich in letzter Zeit festgestellt, dass ich ein großes Fan vom Dark-Mode bin – sei es auf dem Handy oder dem Internetbrowser. Wo auch immer es geht, aktiviere ich den Dunkelmodus, da ich es als angenehmer empfinde, nicht ständig ins grelle, weiße Licht blicken zu müssen. Die dunkleren Farben schonen meine Augen insbesondere dann, wenn ich wie an manchen Tagen rund 10 Stunden am PC sitze, zwischendurch aufs Smartphone blicke und eventuell noch den TV anschalte. Da kommt einiges an „Bildschirmzeit“ zusammen.

Von daher werde ich wohl auch in Zukunft darüber nachdenken, häufiger eine Gaming-Brille zu tragen, da sie einen ähnlichen Effekt erzielt wie so ein Dark-Mode, indem die weißen Farben abgedunkelt werden. Die ersten Tests zeigen, dass die spürbare Belastung der grellen Farben abnimmt. Für mich funktioniert es also und ich denke nicht, dass das ein Placeboeffekt ist.

Welche Brillen sind geeignet?

Tatsächlich können wir euch an dieser Stelle drei bestimmte Gaming-Brillen empfehlen, die sich in der Praxis als recht positiv erwiesen haben. Falls ihr also mit dem Gedanken spielt, solch eine Brille zu testen oder sie dauerhaft beim Zocken zu tragen, könnten diese Modelle einen Blick wert sein.

Auf dem Papier versprechen die Gaming-Brillen übrigens:

  • einen Blaulichtfilter:
    • reduzierte Anstrengung der Augen
    • besseren Schlaf
    • Schutz vor trockenen Augen
  • einen leichten Zoom
  • und die Reduzierung von Blendung

Gaming-Brille: Gunnar Modell Razer MOBA

Die erste Brille, die positiv ins Gewicht fiel, war die Gunnar Razer MOBA mit Onyx Frame. Eine Gaming-Brille von Gunnar, die in Kooperation mit Razer eine echte Gaming-Brille auf den Markt gebracht haben. Sie erfüllt viele der heutigen Standards in diesem Bereich. Sie kommt mit einer Tragetasche und einem Mirkofasertuch zu euch nach Hause.

Gaming-Brille - Gunnar Razer MOBA - Bilder
Die Gaming-Brille – Gunnar Razer MOBA © PlayCentral.de

Was kann die Gunnar Modell Razer MOBA? Sie bietet einen Blaulichtfilter von 65 Prozent (450nm) und soll die Augenbelastung reduzieren. Außerdem soll sie die Sehschärfe beim Spielen verbessern und dabei kaum auffallen. Aber macht sie das auch in der Praxis?

Das Gute ist in jedem Fall, dass sie als Leichtgewicht kaum zu spüren ist. Selbst nach einer stundenlangen Gaming-Session beim CS-Klon Valorant habe ich sie kaum wahrgenommen. Irgendwann vergisst man sogar, dass man überhaupt eine Brille auf der Nase hat, was ich als sehr positiv empfand. Deshalb würde ich sie durchaus häufiger tragen.

Wie alle anderen Gaming-Brillen in diesem Test verspricht sie einen kleinen Zoom. Die Frage ist, ob man dieses Feature wirklich benötigt, allerdings hat es mich auch nach kurzer Zeit nicht mehr wirklich gestört. Ich empfand es eher als witzig, dass der Monitor leicht herangezoomt wird. Denn es ist ja nur ein minimaler Zoom. Die Gaming-Brille liegt im Preis bei 49,99€.

Wichtig: Ob sie auf lange Sicht die Belastung auf meine Augen reduziert, bleibt vorerst offen. Meine Augenärztin rät mir jedenfalls, dass ich weiterhin eine Filterbrille tragen soll. Es sollte in keinem Fall schaden.

Gaming-Brille: KLIM Optics

Alternativ empfehlen wir die KLIM Optics, sie ist im Kern eine Blaulichtfilter-Brille, die einen sehr hohen Schutz vor blauem Licht bietet. Ihr könnt sie beim Zocken verwenden, wenn ihr vor dem PC, dem Fernseher, am Handy, Laptop oder zum Beispiel dem Tablet sitzt.

Die Gaming-Brille - KLIM Optics
Die Gaming-Brille – KLIM Optics © PlayCentral.de

Im Gegensatz zum Modell von Gunnar filtert diese ganze 92 Prozent des Blaulichts (400nm). Wenn es also das ist, was ihr sucht (ein maximaler Blaufilter), solltet ihr hier zugreifen. Die Gaming-Brille kommt mit einer Tragetasche, einem Mikrofasertuch und einer robusten Verpackung daher, die bei normalen Brillen beiliegen. Sie ist also mit allen Extras ausgestattet, die einen einfachen und sicheren Transport ermöglichen.

Sie ist in puncto Preis-Leistung wirklich empfehlenswert, da das Gestell aus TR90 widerstandfähig erscheint und die Brille im schicken Design überzeugt. Sie wäre definitiv nicht in unserer Top-3-Liste der Gaming-Brillen gelandet, wenn sie nicht mit einem vollkommen erschwinglichen Preis daherkäme. Sie kostet lediglich 29,97€.

Gaming-Brille: Gunnar Modell Razer RPG

Mir persönlich gefällt es bei der Klim Optics jedoch nicht ganz so gut, dass sie so extrem abdunkelt. Der etwas seichtere Filter bei der Gunnar, zum Beispiel beim Modell Razer RPG, gefällt mir deshalb ein wenig besser.

Sie hat wie die Razer MOBA eine Blue-Light-Protection von 65 Prozent (450nm), was sie nicht ganz so dunkel macht und das Bild am Ende nicht allzu sehr verändert. Alles wirkt wie ein leichter Filter, was mir dann am Ende in der Praxis nicht ganz so stark auffällt. Wenn das Bild beim Zocken komplett orange-warm ist, fällt es immerhin schon ziemlich stark ins Gewicht. Aber das Problem haben wir hier nicht.

Gaming-Brille - Gunnar Razer RPG - Bilder
Die Gaming-Brille – Gunnar Razer RPG © PlayCentral.de

Die Gunnar Modell Razer RPG kommt mit einer Tragetasche und einem Mirkofasertuch daher. Im Kern ist diese Version der Gunnar etwas robuster, was rein optisch einem ganz anderen Stil entspricht. Wenn ihr nicht so sehr wert darauf legt, wie ihr beim Zocken ausseht, solltet ihr eher über die Razer MOBA nachdenken. Aber wenn ihr auch die Gaming-Brille sogleich als schickes Mode-Accessoire betrachtet, ist die Razer RPG tatsächlich die bessere Wahl. Die Gaming-Brille liegt im Preis bei 89,95€. Aktuell ist sie jedoch bei Amazon um 16 Prozent reduziert:

Geschenkt: Übrigens haben alle drei Modelle on top einen UV-Filter von 100 Prozent. Ihr könntet sie also theoretisch auch als Sonnenbrille verwenden und euch gegen das ultraviolette Licht der Sonne schützen.

Hauptberuflicher Jedi-Meister, nebenbeschäftigt bei PlayCentral.de. Popkultur-Fetischist: Star Trek, Star Wars, alles mit „Star“, verspeist Spiele-OSTs zum Frühstück, Großmeister der Bärenschule. Inquisitor. Mag das Ende von Mass Effect.
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