Doug Cockle verleiht Geralt von Riva seit dem ersten „The Witcher“ seine unverwechselbare englische Stimme. Dass KI-Anbieter diese ohne Erlaubnis nachahmen können, bezeichnet der Schauspieler als Diebstahl. Wenn er die nötigen Mittel besäße, würde er juristisch mit aller Härte dagegen vorgehen.
Die rasante Entwicklung generativer KI sorgt innerhalb der Spielebranche weiterhin für heftige Diskussionen. Besonders betroffen sind Synchronsprecher, deren Stimmen inzwischen mit vergleichsweise wenig Ausgangsmaterial täuschend echt imitiert werden können.
Auch Doug Cockle, die englische Stimme von Geralt in den „The Witcher“-Spielen, hat sich nun deutlich gegen solche Anwendungen ausgesprochen. In einem von Polygon veröffentlichten Gespräch erklärte der Schauspieler, dass seine Stimme bereits ohne seine Zustimmung von verschiedenen KI-Angeboten verwendet worden sei.
Geralt-Sprecher bezeichnet KI-Stimmen als Diebstahl
Für Cockle stellt das Klonen einer Stimme ohne Zustimmung einen klaren Übergriff dar. Schließlich hätten Schauspieler über viele Jahre hinweg Zeit und Arbeit in ihre Aufnahmen investiert. Würden diese anschließend zum Trainieren oder Betreiben einer KI verwendet, könnten Anbieter daraus ein Produkt machen, ohne die ursprünglichen Sprecher zu beteiligen oder zu bezahlen.
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Besonders drastisch fiel Cockles Antwort auf die Frage aus, wie er gegen solche Plattformen vorgehen würde:
Wenn ich die Macht, das Geld und den Einfluss hätte, würde ich jede einzelne KI-Plattform verklagen, auf der meine Stimme verwendet wird. Ich würde sie in Grund und Boden klagen.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Ankündigung einer konkreten Klage. Cockle beschreibt vielmehr, wie er handeln würde, wenn ihm die dafür notwendigen finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten zur Verfügung stünden.
Der Schauspieler befürchtet neben möglichen Einkommensverlusten auch einen Kontrollverlust über die eigene Stimme. Mithilfe einer KI könnte Geralt Aussagen zugeschrieben bekommen, die Cockle niemals eingesprochen hätte.
KI könnte Geralt rassistische Aussagen in den Mund legen
Nach Ansicht des Sprechers besteht die Gefahr nicht nur darin, dass Unternehmen seine Arbeit ohne Vergütung kommerziell nutzen. Andere Personen könnten die künstlich erzeugte Stimme ebenso für rassistische, frauenfeindliche oder politische Inhalte missbrauchen.
Sie könnten Geralt schreckliche Dinge sagen lassen. Sie könnten ihn zu einem Rassisten oder Frauenfeind machen.
Solche Aufnahmen könnten nicht nur dem Ansehen der Figur schaden, sondern auch mit Cockle selbst in Verbindung gebracht werden. Gerade bei bekannten Charakteren und markanten Stimmen sei für Zuhörer möglicherweise nicht unmittelbar erkennbar, ob es sich um eine echte Aufnahme oder eine KI-Imitation handelt.
Doug Cockle spricht Geralt in der englischen Fassung der Spiele seit dem 2007 veröffentlichten ersten „The Witcher“. Auch in „The Witcher 4“ soll die Figur erneut auftreten, wenngleich diesmal Ciri die Hauptrolle übernimmt. Welchen Umfang Geralts Auftritt haben wird, ist bislang nicht bekannt.
Cockles Kritik reiht sich in die wachsenden Sorgen zahlreicher Synchronsprecher ein. Sie fordern unter anderem verbindliche Zustimmungs- und Vergütungsregeln, bevor ihre Stimmen für KI-Systeme verwendet oder digital reproduziert werden dürfen.




