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Sekiro: Shadows Die Twice: Der Erzfeind einer jeden Sterbeversicherung – Test

Von Philipp Briel - Test vom 26.03.2019 15:02 Uhr
© From Software / Activision

… Und doch schwerer als je zuvor

Es ist ein wahrer Genuss, uns über die Dächer einer alten Pagode zu schwingen und einen Feind lautlos von oben auszuschalten. Dank diesem Todesstoß stellen uns die meisten Standardgegner vor keine allzu große Herausforderung – das war in einem „Bloodborne“ noch anders, in dem wir zu Beginn erst einmal das neue Kampfsystem verinnerlichen mussten.

Doch das Schleichen ist in „Sekiro: Shadows Die Twice“ ein elementarer Bestandteil der Spielerfahrung, denn stellen wir uns den Kontrahenten im offenen Kampf, winkt der Game Over-Bildschirm schneller als uns lieb ist.

Kamen wir beispielsweise in „Dark Souls 3“ noch weiter, in dem wir gemütlich stundenlang Seelen gefarmt und unseren Charakter zur ultrastarken Kampfmaschine weiterentwickelt haben, ist nun Umdenken angesagt. In „Sekiro: Shadows Die Twice“ wird unsere Spielfigur nur stärker, wenn wir im Spiel vorankommen und die Bosse besiegen.

Natürlich können wir noch immer normale Feinde umhauen und unsere Skills in verschiedenen Talentbäumen aufwerten, aber unsere Gesundheit, Heilgegenstände und Angriffskraft steigern wir eben nur durch bezwungene Endgegner.

Somit ist es schlicht unmöglich, einen Levelvorteil zu erhalten, durch den normale Feinde keine Bedrohung mehr darstellen. Wer das neue Kampfsystem von „Sekiro: Shadows Die Twice“ nicht perfekt meistert, wird bereits nach kürzester Zeit nicht mehr weiterkommen.

Ja, auch die vorangegangenen Spiele von From Software waren brutal schwer, doch es gab immer eine Möglichkeit, Fortschritte zu erzielen, die uns für den weiteren Spielverlauf einen Vorteil verschafften. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.

Ihr solltet vor dem Kauf also genau wissen, worauf ihr euch einlasst, denn das Kampfsystem verzeiht keinerlei Fehler. Selbst eine kurze Unachtsamkeit hat euren Tod zur Folge und da auch die Heilgegenstände deutlich seltener sind als in den Souls-Spielen, wird „Sekiro: Shadows Die Twice“ stellenweise zu einer echten Geduldprobe.

Sterben, sterben, sterben

Deswegen soll Sekiro jetzt schwerer sein? Keine Sorge, das war bei Weitem noch nicht alles. Drehte sich in den Kämpfen von „Dark Souls“ noch alles ums Blocken und Ausweichen, will nun das sekundengenaue Parieren gemeistert werden. Ansonsten haben wir keine Chance. Also … wirklich überhaupt keine.

Selbst bei den normalen Feinden richten unsere Schwerthiebe kaum Schaden an. Ganz anders, wenn wir perfekt parieren. Kontern wir einen Angriff im richtigen Moment oder dreschen so lange auf unseren Widersacher ein, bis er die Haltung verliert, können wir ihn mit einem verheerenden Angriff zu Boden ringen.

Doch auch unsere Haltung spielt eine entscheidende Rolle in den Schwertduellen, denn wenn wir zu lange blocken, geraten auch wir ins Schwanken, was uns anfälliger gegen Schaden macht. Dieses neue Kampfsystem von „Sekiro: Shadows Die Twice“ erlaubt keine Fehler und wird sicherlich nicht jedem Spieler gefallen, umso größer ist allerdings auch die Freude über einen Sieg.

Sterben wir dann doch einmal – und das wird in den knapp 30 Stunden sehr oft passieren – können wir an einer zuvor entdeckten Statue des Bildhauers wieder auferstehen. Kenner der Souls-Spiele begeben sich dann schnellstmöglich zum Ort ihres Ablebens, um die verlorenen Seelen wieder aufzusammeln.

Doch in „Sekiro: Shadows Die Twice“? Nichts. Die Hälfte unserer gesammelten Erfahrung ist für immer futsch. Das kann mitunter ganz schön nervig sein. Ab und zu greift bei unserem Tod aber auch die göttliche Hilfe, bei der genau dieser Malus nicht greift. Die Chance dafür liegt bei 30 Prozent, nimmt allerdings weiter ab, je öfter wir den Bildschirmtod erleben.

Zumal mit jedem Ableben auch noch die Drachenfäule um sich greift, die NPCs erkranken lässt – das kann mitunter sogar den Fortschritt ihrer Questreihen verhindern, lässt sich allerdings auch heilen. „Sekiro: Shadows Die Twice“ bestraft also unseren Tod  deutlich härter, als wir es je zuvor gewohnt waren.

Je einmal können wir nach unserem Tod auch an Ort und Stelle wiederauferstehen, um so beispielsweise Feinden in den Rücken zu fallen. Da wir allerdings nur mit einem Bruchteil unserer Lebensenergie zurückkehren, müssen wir uns sofort heilen, um nicht direkt wieder das Zeitliche zu segnen. Das System wirkt leider nicht perfekt durchdacht, besonders da viele Gegner unsere Präsenz bemerken, sobald wir wiederauferstehen.

Liebt Games und Serien auf allen Plattformen. Klemmt sich bevorzugt hinter das Lenkrad virtueller Rennwagen oder erholt sich an den Gewässern offener Spielwelten. Fühlt sich im Auenland aber genauso heimisch, wie in Battle-Royale-Shootern oder der nordischen Mythologie.
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