Die Gadgets sind mehr als nur Spielerei
Was wäre James Bond ohne Gadgets? Genau hier trifft 007 First Light einen wichtigen Nerv. Die verschiedenen technischen Spielzeuge tragen viel dazu bei, dass sich das Abenteuer wirklich nach Bond anfühlt.
Gadgets dienen nicht nur dazu, Türen zu öffnen oder Gegner kurz abzulenken. Sie geben euch immer wieder kleine Möglichkeiten, Situationen anders zu lösen. Mal helfen sie beim Auskundschaften, mal beim Ausschalten von Gegnern, mal beim Manipulieren der Umgebung.

Die Q-Watch ist das zentrale Gameplay-Element im Spiel und ermöglicht euch viele nützliche Fähigkeiten. © IO Interactive
Besonders schön ist, dass die Gadgets nicht wie Fremdkörper wirken. Sie sind organisch in die MI6-Welt eingebunden. Q liefert nicht einfach nur Upgrades, sondern einen Teil der Bond-Identität. Jedes neue Werkzeug erinnert daran, dass dieser junge Agent zwar noch nicht der fertige 007 ist, aber bereits Zugriff auf eine Welt voller Stil, Technik und gefährlicher Spielereien bekommt.
Die Gadgets sorgen außerdem dafür, dass auch klarere Levelstrukturen etwas variabler wirken. Selbst wenn der Weg grundsätzlich erkennbar ist, kann die Art, wie ihr euch durch eine Situation bewegt, angenehm unterschiedlich ausfallen.
Inszenierung, Grafik und Sound treffen den Ton
Optisch und akustisch hat mich 007 First Light ebenfalls überzeugt. Das Spiel versteht die Sprache von Bond: elegante Innenräume, internationale Schauplätze, dramatische Lichtstimmungen, hektische Actionszenen und ruhigere Momente, in denen die Kamera fast schon filmisch verweilt.
Die Grafik muss nicht in jeder Sekunde technisch neue Maßstäbe setzen, aber sie ist stilsicher. Und genau das ist bei Bond fast wichtiger. Es geht nicht nur um rohe Details, sondern um Atmosphäre. Um Orte, die nach Luxus, Gefahr und Geheimdienst riechen. Um Räume, in denen ein falscher Blick reichen könnte. Um Kulissen, die im nächsten Moment zur Bühne für eine Prügelei oder Schießerei werden.

Auch die Vertonung ist stark. Die englische Originalfassung ist auf ganzer Linie gelungen. Gerade der junge Bond funktioniert hervorragend, weil die Stimme nicht einfach versucht, bekannte Film-Bonds nachzuahmen. Sie gibt dieser Version eine eigene Identität.
Schade ist allerdings, dass es keine deutsche Synchro gibt. Gerade in hitzigen Momenten, wenn geschossen, gerannt, gefunkt oder gleichzeitig gesprochen wird, kann schon mal etwas untergehen. Wer mit englischer Sprachausgabe kein Problem hat, bekommt eine starke Performance. Wer lieber auf Deutsch spielt, muss sich mit Untertiteln arrangieren.
Die Verfolgungsjagden bringen Bond-Energie rein
Ein Bond-Abenteuer ohne rasante Verfolgungsjagden wäre nur die halbe Miete. 007 First Light liefert auch hier ab, vor allem als Teil der Inszenierung. Diese Sequenzen geben dem Spiel Tempo, reißen euch aus ruhigeren Abschnitten heraus und sorgen dafür, dass das Abenteuer regelmäßig die Gangart wechselt.
Spielerisch sind diese Momente nicht immer die tiefsten oder freiesten Abschnitte. Man merkt durchaus, dass hier oft die filmische Wirkung im Vordergrund steht. Trotzdem haben sie für mich funktioniert, weil sie zum Gesamtpaket beitragen.
007 First Light will nicht nur ein sauberes Stealth-System sein. Es will ein Bond-Film zum Spielen sein. Und dazu gehören nun mal Momente, in denen nicht lange geplant, sondern einfach Gas gegeben wird.

Wo 007 First Light schwächelt
So positiv mein Gesamteindruck ist, perfekt ist 007 First Light nicht. Die größte mögliche Schwäche hängt direkt mit der Erwartung zusammen: Wer ein sehr freies Schleichspiel will, bekommt hier vermutlich zu wenig. Viele Wege sind klar geführt, manche Situationen lassen weniger Raum für Experimente, als man es von IO Interactive vielleicht erwartet.
Auch die fehlende deutsche Sprachausgabe ist schade. Bei einem derart filmisch inszenierten Spiel hätte eine gute deutsche Synchro viel bringen können, gerade für Spielerinnen und Spieler, die im Englischen nicht jedes Detail sofort mitnehmen.
Außerdem gibt es Momente, in denen die Inszenierung stärker ist als die Interaktion. Manche Verfolgungsjagden oder linearen Abschnitte fühlen sich eher wie spielbare Filmszenen an als wie offene Gameplay-Herausforderungen. Mich hat das kaum gestört, weil es zum Stil passt. Wer jedoch maximale spielerische Freiheit erwartet, könnte das anders sehen.
Für wen lohnt sich 007 First Light?
007 First Light ist vor allem für euch interessant, wenn ihr ein stark inszeniertes Action-Adventure sucht und Lust auf James Bond habt. Wenn ihr Uncharted, Tomb Raider oder The Last of Us mögt und euch eine Agentenvariante davon vorstellen könnt, seid ihr hier ziemlich richtig.
Das Spiel bietet genug Stealth, um sich nach Geheimdienst anzufühlen, aber genug Action, um nicht träge zu werden. Es erzählt eine zugängliche Origin-Story, nutzt bekannte Bond-Elemente clever und setzt auf ein Tempo, das mich deutlich stärker gepackt hat, als ich erwartet hatte.
Vorsicht gilt dagegen für Hitman-Fans, die genau diese Freiheit und spielerische Tiefe erwarten. 007 First Light hat IO-DNA, aber es ist kein Hitman-Ersatz. Es ist stärker geführt, stärker inszeniert und deutlich mehr Action-Adventure als Sandbox-Stealth.

Fazit von Patrik Hasberg
007 First Light ist für mich genau das Bond-Spiel geworden, das ich mir eher gewünscht hatte als erwartet. IO Interactive nutzt seine Erfahrung mit Agenten, Infiltration und Gadgets, bleibt aber nicht an Hitman kleben. Stattdessen entsteht ein Action-Adventure, das den Geist von James Bond sehr gut einfängt.
Das Spiel lässt euch schleichen, aber zwingt euch nicht ständig dazu. Es lässt euch kämpfen, schießen, bluffen, verfolgen und improvisieren. Dadurch entsteht ein Spielfluss, der sich angenehm flott und abwechslungsreich anfühlt.
Nicht alles ist perfekt. Die fehlende deutsche Synchro ist schade, die Stealth-Freiheit begrenzt und manche Actionsequenz stärker inszeniert als spielerisch spannend. Trotzdem hatte ich mit 007 First Light durchgehend einige Abende richtig Spaß. Vor allem das Pacing, die Figuren, die Gadgets und die Bond-Atmosphäre haben mich überzeugt.
Ich hätte vor dem Spielen nicht gedacht, dass ich das so deutlich sage, aber: Ich freue mich auf einen Nachfolger!
✅ Pro
- fühlt sich tatsächlich wie ein interaktiver James-Bond-Film an
- starker junger Bond mit eigener Identität
- sehr gutes Pacing und viel Abwechslung
- gelungene Mischung aus Schleichen, Nahkampf, Schusswechseln und Verfolgungsjagden
- M, Q und Moneypenny sorgen für viel Bond-Flair
- Gadgets sind sinnvoll eingebunden und machen Spaß
- starke englische Originalvertonung
- schicke Inszenierung und atmosphärische Schauplätze
- ideal für Fans von cineastischen Action-Adventures
❌ Kontra
- weniger Stealth-Freiheit, als manche Hitman-Fans erwarten dürften
- Wege und Lösungen sind oft recht klar erkennbar
- keine deutsche Synchronisation
- Verfolgungsjagden leben stärker von der Inszenierung als von spielerischer Tiefe
- wer maximale Sandbox-Systeme sucht, könnte enttäuscht sein
007 First Light hat mich positiv überrascht. Es ist kein Hitman im Smoking, sondern ein eigenständiges, filmisches Bond-Abenteuer mit starkem Tempo, viel Abwechslung und einem jungen 007, von dem ich gerne mehr sehen möchte.





