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Allgemein: Entwicklern werden Spielekeys gestohlen, Verkäufer G2A unternimmt nichts

Von Wladislav Sidorov - News vom 21.06.2016 07:57 Uhr

Kleinere Indieentwickler müssen aktuell unter einer enormen Anzahl an gestohlenen Steam-Keys leiden. Die werden anschließend beim Key-Seller G2A verkauft – der dagegen nichts unternehmen möchte.

Viele Entwickler verkaufen ihre PC-Spiele nicht nur auf Steam, sondern auch in ihrem eigenen kleinen Shop. Dies macht sie zum Ziel von Betrügern, die haufenweise Spiele erwerben und den Betrag über gestohlene Kreditkarten anschließend wieder zurückziehen.

Die Keys werden anschließend auf dem Graumarkt weiterverkauft, vor allem bei Keysellern wie G2A. Da die Keys von den Entwicklern in der Regel nicht deaktiviert werden, werden so tausende von Spielen verkauft, ohne, dass die Entwickler jemals auch nur einen Cent davon sehen. Im Gegenteil: Aufgrund der drohenden Kontensperrung der Rückführungsgebühren entstehen ihnen bei jedem Diebstahl sogar Kosten.

G2A, Kinguin, MMOGA und weitere Keystores stehen seit langem im Kreuzfeuer der Kritik. Kaum vorhandener Kundensupport, laxer Umgang mit gestohlenen Keys und Briefkastenfirmen erhitzen regelmäßig die Gemüter.

Das Geschäftsmodell der Betrüger

Das Geschäftsmodell der Betrüger erfolgt dabei auf folgende Weise:

  • Eine Datenbank mit gestohlenen Kreditkartendaten wird benötigt
  • Anschließend werden bei legitimen Key-Händlern tausende Keys erworben
  • Die Keys werden für die Hälfte des eigentlichen Kaufpreises bei G2A verkauft
  • Die Betrüger erhalten für den Verkauf des Keys über G2A Geld
  • Anschließend werden die bei den Händlern ausgegebenen Summen über die Kreditkarten zurückgezogen
  • Die Händler werden mit tausenden Rückführungen konfrontiert und müssen teilweise sogar draufzahlen

G2A gilt dabei als eBay der Spielewelt und dient in der Regel als Vermittler zwischen Verkäufer und Käufer. Allerdings kümert sich das Unternehmen mit Sitz in Polen kaum um Regulierung und Sicherstellung einer legimiten Kaufquelle. Stattdessen lässt man die Verkäufer machen, was auch immer sie wollen.

Die Verkaufsplattform erreichte vor allem dadurch Popularität, dass sie zahlreiche eSports-Team sowie YouTuber und Streamer sponsert. In Deutschland werden beispielsweise RocketbeansTV von G2A gesponsert.

Bereits in der Vergangenheit sorgte G2A für Skandale: Riot Games bannte die Organisation als Sponsor in der LCS. 

Tinybuild verliert hunderttausende Dollar

Im jüngsten Fall sieht sich der kleine Publisher Tinybuild mit den Betrugsmaschen konfrontiert. Das Unternehmen vertreibt kleine Spiele wie Punch Club und Speedrunners und vertreibt einige Keys auch im eigenen Store.

Andere Publisher haben inzwischen Unterlassungsklagen gegen G2A und andere Keystores eingereicht.

In der Vergangenheit sei es schon öfter dazu gekommen, dass kleinere Summen an Keys zurückgeführt werden, man habe dies aus Kulanz in der Regel ignoriert. Vor einiger Zeit erfolgte jedoch eine schier unglaubliche Summe an plötzlichen Zahlungsstornierungen: Mehr als 26.000 Keys wurden im Shop erworben und durch die Stornierung geklaut. Jeder einzelne Key landete anschließend bei G2A.

G2A weist jede Schuld von sich

Auf G2A wurden die Keys für einen Gesamtpreis von 200.000 Dollar verkauft, im eigenen Shop hätte Tinybuild damit knapp 450.000 Dollar an Einnahmen generieren können. Nun sieht man sich augrund der Rückführungen mit einer Kontensperrung, zehntausenden gestohlenen Keys und Verlusten in Höhe von hunderttausenden Dollar konfrontiert.

G2A möchte gegen die Betrüger nichts unternehmen und schlägt stattdessen vor, dass Tinybuild ihre Spiele einfach über G2A verkauft. Man wolle die Entwickler auch nicht entschädigen, obwohl man finanziell von den gestohlenen Keys profitiert hat.

G2A bezeichnet die Betrüger sogar als die "Vertriebspartner" von Tinybuild – obwohl man von einer Partnerschaft kaum reden könnte. Wenn man mit den gestohlenen Keys mithalten möchte, muss man die Spiele halt für den selben Preis wie die Diebe verkaufen.

Was G2A nicht erwähnt: Die Betrüger könnten den Preis dann noch weiter senken.

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