Der französische Publisher Ubisoft steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren, enttäuschenden Releases und einem massiven Vertrauensverlust an der Börse hat das Unternehmen nun offiziell einen sogenannten „Major Reset“ angekündigt. Die Neuausrichtung betrifft nahezu alle Bereiche des Konzerns und führt zu gestrichenen Spielen, verschobenen Releases, Studioschließungen und einer komplett neuen Organisationsstruktur.
Ubisoft spricht selbst von einem „entscheidenden Wendepunkt“, mit dem man die kreative Führungsrolle zurückerlangen und das Unternehmen langfristig wieder auf Wachstumskurs bringen wolle.
Sechs Spiele eingestellt – auch der Prince-of-Persia-Remake betroffen
Im Zuge einer internen Überprüfung der gesamten Projektpipeline wurden sechs Spiele vollständig eingestellt. Laut Ubisoft entsprachen diese Titel nicht mehr den neuen, „verschärften Qualitätsanforderungen“ des Konzerns. Besonders brisant: Auch das bereits mehrfach verschobene Prince of Persia: Sands of Time Remake gehört zu den gestrichenen Projekten.
Neben dem Remake wurden zudem ein Mobile-Titel sowie vier weitere, bislang nicht angekündigte Spiele eingestellt. Drei davon sollen neue Marken gewesen sein, was zeigt, wie stark Ubisoft aktuell auf Risikominimierung setzt. Statt viele neue IPs zu testen, will man sich künftig stärker auf bewährte Marken und klar definierte Genres konzentrieren.
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Sieben weitere Spiele verschoben – Ubisoft nennt keine Namen
Zusätzlich zu den Streichungen hat Ubisoft sieben Spiele verschoben, um ihnen mehr Entwicklungszeit zu geben. Welche Titel konkret betroffen sind, ließ das Unternehmen offen. Bestätigt wurde lediglich, dass mindestens ein Spiel, das ursprünglich noch vor April 2026 erscheinen sollte, nun erst im Geschäftsjahr 2026/2027 veröffentlicht wird.
Damit setzt Ubisoft seine zuletzt häufiger kommunizierte „Quality over Quantity“-Strategie fort, ein Kurswechsel, der auch als Reaktion auf schwache Launches und verhaltene Kritiken der letzten Jahre zu verstehen ist.
Zwei Studios geschlossen, weitere Verkäufe nicht ausgeschlossen
Teil des Resets sind auch strukturelle Einschnitte. Die Studios in Halifax und Stockholm wurden endgültig geschlossen – eine Entscheidung, die bereits zuvor angedeutet worden war. Darüber hinaus ließ Ubisoft offen, ob in Zukunft weitere „Assets“ verkauft werden könnten. Konkrete Details dazu nannte das Management jedoch nicht.
Parallel dazu beschleunigt der Konzern seine Sparmaßnahmen. Bis 2028 sollen die Fixkosten um weitere 200 Millionen Euro reduziert werden. Wie viele Arbeitsplätze konkret betroffen sind, wollte Ubisoft nicht beziffern. CFO Frédérick Duguet erklärte lediglich, dass ein Teil der Mitarbeitenden auf andere Projekte verteilt werde, während andere das Unternehmen verlassen könnten.
Neue Struktur: Ubisoft teilt sich in fünf Creative Houses auf
Kernstück der Neuausrichtung ist eine grundlegende organisatorische Umstellung. Ubisoft gliedert seine Entwicklungs- und Publishing-Aktivitäten künftig in fünf sogenannte „Creative Houses“. Diese sollen eigenständiger agieren und jeweils die volle Verantwortung für ihre Marken übernehmen – von der Entwicklung bis zur wirtschaftlichen Performance.
Die bereits bekannte Vantage Studios, an der auch Tencent beteiligt ist, übernimmt dabei die Aufsicht über große Marken wie Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six.
Daneben wurden vier weitere Creative Houses vorgestellt, die jeweils klar definierte Genres abdecken: Shooter-Marken wie The Division oder Ghost Recon, Live-Service-Titel wie For Honor oder Skull & Bones, narrative und Fantasy-Universen wie Anno, Rayman oder Prince of Persia sowie familienfreundliche Marken wie Just Dance oder Uno.
Ziel dieser Struktur ist es laut Ubisoft, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und kreative Verantwortung stärker zu bündeln. Unterstützt werden die Creative Houses von zentralen Teams für Technologie, QA, Lokalisierung und Co-Entwicklung.
Rückkehr ins Büro und neue Arbeitsrealität
Im Zuge der Umstrukturierung kündigte Ubisoft außerdem an, die Präsenzpflicht in den Studios zu erhöhen. Mitarbeitende sollen künftig wieder an fünf Tagen pro Woche im Büro arbeiten, auch wenn begrenzte Homeoffice-Optionen bestehen bleiben. Diese Entscheidung dürfte intern nicht unumstritten sein, passt aber zur stärkeren Zentralisierung von Prozessen.
Yves Guillemot spricht von einem „radikalen, aber notwendigen Schritt“
CEO Yves Guillemot bezeichnete den Reset in einem ausführlichen Statement als unvermeidlich. Die AAA-Industrie sei selektiver und kompetitiver geworden, gleichzeitig seien Entwicklungskosten massiv gestiegen. Erfolgreiche Blockbuster hätten zwar enormes finanzielles Potenzial, doch der Weg dorthin sei riskanter denn je.
Mit dem neuen Modell wolle Ubisoft sich auf zwei strategische Säulen konzentrieren: Open-World-Abenteuer und sogenannte GaaS-native Experiences. Die Creative Houses seien dabei das Herzstück einer dezentraleren, aber effizienteren Organisation.
Guillemot räumte ein, dass die Neuausrichtung kurzfristig spürbare finanzielle Auswirkungen haben werde – insbesondere in den Geschäftsjahren 2026 und 2027. Langfristig solle der Reset jedoch die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und neue kreative Stärke bilden.
Ein Neustart mit offenem Ausgang
Ob Ubisofts radikaler Kurswechsel tatsächlich die erhoffte Trendwende bringt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Der Publisher verabschiedet sich endgültig von alten Strukturen und geht ein hohes Risiko ein. Für Spieler bedeutet das weniger Releases in naher Zukunft, dafür die Hoffnung auf ausgereiftere, hochwertigere Spiele.
Für Ubisoft selbst markiert dieser Schritt den wohl größten Umbruch der Unternehmensgeschichte, mit ungewissem Ausgang, aber klarer Zielrichtung: zurück an die kreative Spitze der Branche.





