PLAYCENTRAL TEST Transference

Transference: Elijah Woods erstes VR-Spiel kann ganz schön nerven!

Von Patrik Hasberg - Test vom 19.09.2018 12:13 Uhr

Zwischen Genie und Wahnsinn existiert ein schmaler Grat, der offensichtlich fließend ineinander übergeht. In dem VR-Titel Transference von SpectreVision in Zusammenarbeit mit Ubisoft erleben wir die tragische Geschichte rund um einen Wissenschaftler, der den verzweifelten Versuch unternimmt, eine perfekte Utopie für sich und seine Familie zu ermöglichen. Dabei müssen wir als Spieler vor allem die Umgebung erkunden und die Handlung durch einzelne Fragmente nach und nach zusammensetzen. Warum uns der Titel dabei gleichermaßen fasziniert und genervt hat, klären wir in unserem Test.

Ich erinnere mich ehrlicherweise nicht mehr sonderlich gut an die E3-Präsentation von Ubisoft im Jahre 2017. Nicht nur, dass in der Zwischenzeit eine Vielzahl neuer Titel angekündigt und veröffentlicht worden sind, die Pressekonferenz startete außerdem um 22 Uhr deutscher Zeit. Bereits weniger aufnahmefähig war ich also als der französische Publisher mit Transference einen neuen Virtual-Reality-Titel ankündigte, der in Zusammenarbeit mit SpectreVision entstehen sollte. Gezeigt wurde ein erster Teaser-Trailer zum Spiel, das nun veröffentlicht wurde.

Hinter der 2010 gegründeten Produktionsfirma, die vor allem über eine gewisse Expertise im Horrorfilm-Genre verfügt, steht kein Geringerer als Schauspieler Elijah Wood, der seinen großen Durchbruch als Ringträger Frodo in J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe hatte und seitdem in unzähligen weiteren Filmen zu sehen war. Bei Ubisoft ist das Funhouse-Studio in Montreal für die Zusammenarbeit zuständig. Spätestens als Wood in einem kurzen Vorstellungs-Clip zum Spiel auftauchte, war meine Aufmerksamkeit wieder zurück. Die Besonderheit an Transference ist die Mischung aus real gedrehten Filmschnipseln und einem virtuellen Escape-Room-Szenario, das sich um das Experiment eines gestörten Wissenschaftlers dreht.

Transference kann sowohl als VR-Version auf PlayStation VR, Oculus Rift und HTC Vice sowie als Non-VR-Version auf PS4, Xbox One und Windows gespielt werden.

Genie oder Wahnsinn?

Familienoberhaupt Raymond Hayes entwickelt nach und nach den fanatischen Plan das Bewusstsein seiner Familie in eine virtuelle Dimension hochzuladen und somit das sprichwörtliche Paradies für Frau Katherine und Sohn Ben zu schaffen. Alles andere ordnet der brillante Wissenschaftler seiner wahnsinnigen Idee unter, sogar das eigentliche Wohl seiner Familie im Hier und Jetzt.

Als Spieler beginnt die drei- bis vierstündige schwindelerregende Reise zwischen Genie und Wahnsinn vor einem einfachen Mehrfamilienhaus. Die Umgebung ist in undurchdringliches Schwarz gehüllt, der Weg führt nur zu besagtem Gebäude. Dort angekommen muss erst einmal ein Musikrätsel gelöst werden, das wir zwar recht schnell meistern konnten, den Sinn dahinter aber noch immer nicht verstehen. Wer wir sind, wissen wir ebenfalls nicht. Anscheinend eine unbekannte Person, die von Wissenschaftler Raymond eine grausige wie verrückte Geschichte erzählt bekommt. Was uns in dem VR-Titel erwartet, können wir zu Beginn lediglich erahnen. Wirkliche Hilfestellungen vom Spiel bekommen wir nicht, sondern werden im wahrsten Sinne des Wortes im Dunklen stehen gelassen.

Nach und nach bekommen wir heraus, dass zwischen der vermeintlichen Realität und der geschaffenen virtuellen Dimension hin- und hergewechselt werden kann – indem wir einen Lichtschalter bestätigen. Fragt uns bitte nicht nach dem Warum!

Die gesamte Handlung spielt sich in der Wohnung der Familie Hayes ab, die über mehrere Zimmer verfügt und sich im Laufe unseres Rundgangs zunehmend verändert. Immer wieder erwarten uns kleinere Rätsel, die zwar nicht wirklich knifflig oder komplex, dafür oft einfach total willkürlich ausfallen. Dass wir in eine Sanduhr eben Sand füllen müssen, leuchtet uns zwar noch ein, doch oft lässt uns das Spiel erst dann weiter, wenn wir minutenlang durch die Räume geirrt sind und wahllos die verschiedenen Gegenstände gemustert haben – ein genauer Auslöser ist fast nie zu erkennen.

Das kann frustrieren und nerven, verstärkt aber auch in gewisser Art und Weise die Immersion bzw. die innere Unruhe, die von dem Spiel bewusst provoziert wird. Entsprechende Klänge gepaart mit verstörenden visuellen Bildern lassen den Spieler spüren, wie sich der Wahnsinn in etwa anfühlen muss, dem der Wissenschaftler mit der Zeit verfallen ist. Steigen wir beispielhalber minutenlang das scheinbar endlose und düstere Treppenhaus hinab, während im Hintergrund unaufhörlich bestimmte Satzfragmente wiederholt werden, ist der Wahnsinn plötzlich allgegenwärtig. Da muss der eine oder andere Spieler aufpassen, dass der Controller nicht unweigerlich die Hand verlässt und gegen die Wand geschmettert wird. Ein wenig masochistisch müsst ihr also bereits veranlagt sein, um Transference zu spielen – vor allem in VR.

Hinzu kommt die tragische Familiengeschichte, die uns vor allem durch Briefe und persönliche Gegenstände erzählt wird. Allerdings bekommen wir immer nur Mosaiksteinchen serviert, den Zusammenhang müssen wir durch eigene, freie Interpretationen herstellen.

Die virtuelle Utopie

In Raymands geschaffener Utopie sehen die Räume gänzlich anders aus und lassen uns immer wieder einen Schauer über den Rücken laufen. Außerdem bekommen wir es an bestimmten Stellen mit einem fiesen Schattenwesen zu tun, das uns nicht wirklich freundlich gesinnt ist. Was hinter dem lichtscheuen Monster steckt, teilen uns die Entwickler aber nicht mit.

Transference verlangt viel eher vom Spieler, dass dieser mit einer Menge Fantasie und Vorstellungsvermögen an die Sache herangeht und sich Zusammenhänge herleitet. Dazu dienen zum Beispiel überall in der Wohnung versteckte Video- sowie Audiodaten, in denen die verschiedenen Familienmitglieder zu sehen und zu hören sind. Gegen Ende werden wir aber in die Credits entlassen ohne so recht zu wissen, was genau vorgefallen ist. Wir empfehlen euch deshalb im Hauptmenü noch einmal die Video-Clips anzuschauen und eigene Theorien aufzustellen.

Meistens spricht aber Raymond in die Kamera und erklärt die jeweiligen Fortschritte seines Projektes. Von Video zu Video ist dabei der zunehmend einsetzende Wahn des Vaters zu erkennen. Die real gedrehten Szenen wirken dank der überzeugenden Leistung des Schauspielers erschreckend echt, fügen sich aber dank der passenden Effekte auch perfekt in das Spiel ein, wodurch Transference ungewohnt viel Tiefe und Dramatik hinzugewinnt. Die deutsche Synchronisation kann da bei weitem nicht mithalten, weshalb wir euch die Originalvertonung und wahlweise einen deutschen Untertitel ans Herz legen.

Gerne könnt ihr euch auch unterhalb dieses Artikels austauschen und eure eigenen Theorien zum Besten geben.

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