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Little Nightmares im Test: Ein Festmahl der Ängste

Von Patrik Hasberg - News vom 08.05.2017 12:29 Uhr

Auf der letztjährigen gamescom durften wir das erste Mal Hand an Tarsier Studios gruseligen Puzzle-Plattformer Little Nightmares legen und waren von dem Titel binnen weniger Minuten begeistert. Nun konnten wir gemeinsam mit Protagonistin Six mehrere Stunden in der verrückten, skurrilen und bedrohlichen Welt namens „The Maw“ verbringen und die Bewohner der verschiedenen Schauplätze kennen lernen. Welchen Fehler die Entwickler gemacht haben und warum uns der Titel trotzdem überrascht, klären wir in den folgenden Zeilen.

Mit Regenmantel, Feuerzeug und Mut

Verängstigt und allein gelassen erwacht ein kleines Mädchen, mit einem gelben Regenmantel bekleidet, an einem dunklen, unbekannten Ort. Als einziges Hilfsmittel besitzt es lediglich ein Feuerzeug, das ihre Umgebung in ein trügerisches Licht taucht. Das kleine Mädchen nennt sich Six, ist neun Jahre jung und die Protagonistin in dem Puzzle-Platformer „Little Nightmares“ des kleinen schwedischen Entwicklerstudios Tarsier Studios.
Langsam und unsicher stellt sich Six auf ihre Beine und mustert den so feindselig wirkenden Ort.

© Tarsier Studios/Bandai Namco

Ab dieser Stelle sind wir gefragt, übernehmen die Steuerung und versuchen zu ergründen, wo wir sind und was überhaupt unsere Aufgabe ist. Eine Vorgeschichte gibt es nämlich nicht, genau so wenig wie ein Tutorial, das uns mit der Steuerung vertraut macht. Letzteres ist allerdings nicht unbedingt notwendig, denn als sonderlich komplex erweist sich diese sowieso nicht. Wir empfehlen übrigens einen Controller, der das Leben und vor allem das Überleben in „Little Nightmares“ ein wenig einfacher gestaltet. Hiermit können wir Six nicht nur wie in einem 2D-Adventure, wie beispielshalber „Limbo“ oder „Unravel“, von links nach rechts und umgedreht bewegen, sondern auch in den Raum hineingehen. Sollte die Situation mal brenzlig werden, können wir mit der kleinen Protagonistin einen Sprint einlegen und bei Hindernissen mit der entsprechenden Taste sogar darunter durchrutschen. Meistens müsst ihr aber schleichen, klettern oder Gegenstände bewegen bzw. werfen.

Für Lichtblicke nutzt Six ihr einziges Hilfsmittels in Form eines Feuerzeugs, das zwar nur einen winzigen Teil der oft sehr düsteren Schauplätze erhellt, aber quasi als ein mobiler Hoffnungsschimmer zu verstehen ist. Der gelbe Regenmantel besitzt gameplay-mechanisch zwar keinen wirklichen Nutzen, steht aber symbolisch für ein Schild, das sie vor Gefahren beschützt.

Monster aus dem Kinderzimmer

Und Gefahren gibt es in „Little Nightmares“ gleich eine ganze Menge, die geradezu aus den Alpträumen der eigenen Kindheit stammen könnten. Nicht nur, dass The Maw ab der ersten Minute eine beklemmende und gruselige Atmosphäre erzeugt, die dortigen Bewohner stehen dieser in nichts nach und wirken wie aus einem Gruselkabinett entflohen. Da ist zum einen der Hausmeister, der zwar so gut wie blind ist, dafür aber über verstörend lange Arme verfügt, die sich liebend gern um den Hals der armen Six legen würden. Zu Beginn des Adventures dürfen wir immer wieder Bekanntschaft mit den langen Extremitäten der Hausmeister-Kreatur machen. Es empfiehlt sich also möglichst leise zu sein, knarrende Holzdielen geschickt zu überspringen und wenn möglich auf dem Teppich zu laufen, um die eigenen Schritte zu dämpfen.

Später im Spiel bekommen wir es mit den beiden grotesken Koch-Zwillingen zu tun, die uns schon beim bloßen Anblick auf der Türschwelle umdrehen lassen. Weitere Gefahren, die euch in „Little Nightmares“ erwarten, lassen wir an dieser Stelle der Spoiler wegen lieber unerwähnt.

Wer die Steuerung und den ungefähren Aufbau der Level aber erst einmal halbwegs verstanden und sich vor allem an die schrecklichen Monster und Kreaturen gewöhnt hat, der wird nur auf wenige wirkliche Herausforderungen treffen. Selten sind die Rätsel wirklich komplex aufgebaut oder sonderlich schwierig. Es gilt die Umgebung abzusuchen und ruhigen Blutes an den Bewohnern vorbeizuschleichen. Ab und an muss mal eine Ablenkung durch laute Gebräuche her und eher selten müssen wir Six dazu ermutigen, ihre Beine in die Hand zu nehmen und ordentlich Fersengeld zu geben. Nach drei bis vier Stunden erwarten uns schließlich überraschend die Credits. Überraschend deswegen, weil die Spielzeit für rund 20 Euro doch recht kurz ausfällt. Zudem werfen uns die Entwickler ohne jegliche Erklärung aus dem Spiel.

© Tarsier Studios/Bandai Namco

The Maw, Nomes und vieles mehr

Worum es in „Little Nightmares“ tatsächlich geht, was The Maw für ein Ort ist, welche Bedeutung den kleinen Wichteln namens Nomes zufällt und was das Ende zu bedeuten hat, wird in dem Spiel schlicht nicht thematisiert.
Die Protagonistin spricht, ähnlich wie ein Gordon Freeman aus „Half-Life“, nicht ein einziges Wort, Notizen suchen wir vergebens und auch sonst geizt das Adventure mit Erklärungen. Natürlich ist es spannend und oft auch interessant nach den Credits eines Spiels die eigene Fantasie zu nutzen und Infos mit gemachten Erkenntnissen sinnvoll zu kombinieren, aber die offenen Fragen am Ende sind einfach zu zahlreich, als dass man sich damit zufrieden geben könnte.

© Tarsier Studios/Bandai Namco

Spieler, denen das einfach nicht genügt, lesen sich die entsprechenden Informationen auf der offiziellen Webseite oder der Wiki-Seite zu „Little Nightmares“ durch. Hier bekommt ihr einige Details geliefert, die den Titel noch deutlich interessanter machen. An dieser Stelle haben die Entwickler wertvolles Potenzial liegen lassen, denn spannend ist die Hintergrundgeschichte allemal.

David gegen Goliath

Abseits der Handlung bietet aber schon das groteske und skurrile Setting genügend Potenzial, um an den Bildschirm zu fesseln. Besonders interessant sind die verschiedenen Kameraperspektiven. Ab und an zoomt das Spiel weiter heraus und zeigt die kleine Six im Kontrast zu den riesigen Konturen von The Maw. Das wirkt oft beeindruckend sowie verängstigend zugleich und unterstreicht die anfängliche Hilflosigkeit und das Gefühl des Verlorenseins der Protagonistin. Alleine der Umstand, dass Six nur 30 Zentimeter groß ist und für sie selbst Stühle riesig sind, macht die gewählten Perspektiven noch deutlich interessanter.

Das größte Lob haben die Entwickler allerdings nicht für die genialen Schauplätze verdient, sondern gerade die Soundkulisse ist bei „Little Nightmares“ über sämtliche Zweifel erhaben. Ständig hören wir gruselige Geräusche, die irgendwo aus der Ferne zu kommen scheinen.
Ein bedrohliches Dröhnen dringt ständig an uns unser Ohr, Holzdielen knarren, Six nackten Füße patschen leise über den kalten Boden und die Koch-Zwillinge stöhnen und keuchen, wenn sie die Protagonistin entdeckt haben und ihr nachsetzen.
Ertönt schließlich der Soundtrack, der perfekt zu dem bedienten Setting passt und in uns Unbehagen, Angst, aber auch Neugier weckt, sind die drei bis vier Stunden Spielzeit auch schon wie im Fluge vergangen.

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