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Life is Strange: Nichts für schwache Nerven – Unser Gesamttest zu Staffel 1

Von Patrik Hasberg - News vom 31.10.2015 10:32 Uhr

Die Zielgerade ist endlich erreicht – mit der fünften Episode „Polarized“ erreicht das Serien-Adventure des französischen Entwicklers Dontnod Entertainment das lang erwartete Finale, samt der einen oder anderen großen Überraschung. Wir haben uns noch einmal alle fünf Folgen in Ruhe angeschaut und verraten euch, wie uns die erste Staffel insgesamt gefallen hat.

Es war eine emotionale Reise, es war ein schwerer Gang und es war ein steiniger Weg. Mit „Polarized“ hat Dontnod die fünfte und damit finale Episode zu dem Serien-Adventure Life is Strange veröffentlicht und wir Spieler erfahren endlich wie die Geschichte rund um die junge Protagonistin Max, ihre beste Freundin Chloe und der vermissten Rachel Amber endet. Perfekt also, um die fünf Episoden Revue passieren zu lassen und als ein Spiel zusammenzufassen.

Wir erinnern uns zurück: Nach mehreren Jahren kehrt die 18-jährige Fotografie-Studentin Maxime „Max“ Caulfield in das kleine Städtchen Arcadia Bay im Nordwesten von Amerika zurück, um auf der dortigen Blackwell Academy ihren Abschluss zu machen.

Eigentlich ist Max ein ganz normaler Teenager mit denselben Alltagsproblemen wie ihre Mitschüler. Doch plötzlich ändert sich ihr gesamtes Leben, als Max herausfindet, dass sie die Zeit in einem gewissen Rahmen kontrollieren und wieder zurückdrehen kann. Diese Fähigkeit können wir anscheinend sehr gut gebrauchen, schließlich beginnt der Prolog mit einer surrealen Vision eines alles verschlingenden Sturms, der auf Arcadia Bay zusteuert. Was es mit den plötzlich auftretenden Wetterphänomenen auf sich hat, gilt es in den weiteren Episoden herauszufinden. Außerdem begeben wir uns gemeinsam mit Chole auf die Suche nach der verschwundenen Rachel Amber.

Die Zeit ist auf unserer Seite

Per Zeit-Kontrolle können wir uns hier und da einen entscheidenden Vorteil verschaffen und beispielshalber Gespräche in eine entsprechende Richtung lenken. Oft lässt uns das Spiel die Qual der Wahl, wie wir eine bestimmte Situation lösen möchten. Dafür bekommen wir aber auch die jeweiligen Konsequenzen zu spüren, die es das eine oder andere Mal wirklich in sich haben und uns gerne mit voller Wucht vor die Stirn schlagen. Da lohnt sich auch ein weiterer Durchgang von Life is Strange mit unterschiedlichen Entscheidungen. Schließlich haben diese oft mehr oder weniger große Auswirkungen auf die folgenden Episoden.

Großartige Atmosphäre mit kleinen Schwächen

Auf der technischen Seite muss sich Life is Strange leider ein wenig Kritik gefallen lassen. Zwar gefällt uns die stimmige Grafik (basierend auf der Unreal Engine) mit ihrem ganz eigenen Look sehr gut, vor allem aber die Mimik der Charaktere wirkt arg steif. An dieser Stelle hätte Dontnod ein wenig mehr Arbeit und Square Enix ein wenig mehr Geld investieren dürfen. Zu der stimmigen Grafik gesellt sich die Detailverliebtheit der Entwickler, die uns an jeder Ecke stehen bleiben lässt. Überall können wir mehr über die Spielwelt erfahren, egal ob an Infotafeln, an Computern von Mitschülern, in Klassenräumen oder auf dem Campus. Wer dazu keine Lust hat, die Spielwelt nicht erkundet und nur stur der Handlung folgt, dem entgeht nicht nur ein Großteil der Atmosphäre, sondern dem entgehen auch viele interessante Informationen.

Einen großen Teil tragen die lizenzierten und zum Teil selbst komponierten Songs zu der Stimmung im Spiel bei. Als Max in ihrem Zimmer zu ihrer Gitarre greift und einen Song anstimmt, fühlten wir uns unweigerlich an Jodie aus Quantic Dreams Beyond: Two Souls erinnert. Insgesamt ist die Musikuntermalung sehr gut gelungen und auf die jeweilige Situation abgestimmt.

Die Ereignisse spitzen sich unaufhörlich zu

Die Stimmung in Life is Strange wird im Verlauf der Handlung zunehmend düsterer. Während wir uns in der ersten Episode hauptsächlich mit Max neuen Kräften beschäftigen, die Umgebung erkunden und uns mit den verschiedenen Charakteren auseinandersetzen, spitzen sich die Ereignisse von Episode zu Episode immer weiter zu.

Gerade die letzte Episode bricht alle Regeln der letzten Folgen und wirft so gut wie alles über den Haufen. Zu Beginn betrachten wir unsere neue Fähigkeit noch als ein Geschenk, später stellt sich jedoch heraus, dass es nicht gut sein kann die Zeit derart stark zu manipulieren. Weiter wollen wir an dieser Stelle eigentlich nicht spoilern.

89
Life is Strange im Test

Fazit und Wertung von Patrik Hasberg

 

Life is Strange war für mich tatsächlich eine, wenn nicht sogar die große Überraschung des Jahres. Schon die Telltale Games haben mich gut unterhalten und von mir die eine oder andere schwierige Entscheidung abverlangt. Doch Dontnod hat für mich den Nerv mit dem entsprechenden Setting und den verschiedenen Charakteren einfach noch ein klein wenig besser getroffen. Selten haben mich die einzelnen Wendungen so sehr mitfühlen lassen und selten fielen mir Entscheidungen so schwer.

Life is Strange bietet aber nicht nur eine unvergessliche Story über zwei eigentlich ganz „normale“ Teenager, sondern auch einen recht großen Umfang zu einem mehr als fairen Preis. Wer sich wirklich Zeit lässt, der kommt auf eine Spielzeit von 10 bis 15 Stunden für rund 20 Euro. Okay, der Titel hat auf der technischen Seite einige Schwächen, aber ich kann für mich sagen, dass diese beim Spielen so gut wie keine Rolle gespielt haben. Emotionen werden nicht nur durch Mimik, sondern auch durch Stimmen, eine passende Musikuntermalung und eine stimmungsvolle Grafikkulisse erreicht. Sollte es eine zweite Staffel geben, wünsche ich mir aber dass die technischen Mängel in den Griff bekommen werden. Unverständlich ist für mich zudem, warum es noch immer keine deutschen Untertitel gibt – jedenfalls nicht von offizieller Seite aus. Life is Strange sollte übrigens in keinem Fall als einfaches Teenie-Drama abgestempelt werden. Wer den Titel so bezeichnet, der hat schlicht die Nachricht nicht verstanden, die der Entwickler an die Spieler versucht zu übermitteln.

Pro

+stimmige Atmosphäre
+sehr gute englische Synchronsprecher
+lizenzierte Songs/Eigenkompositionen
+erfrischendes Gameplay
+viele Interaktionsmöglichkeiten
+Entscheidungen haben zum Teil gravierende Auswirkungen

Contra

-keine deutsche Synchronisation, keine deutschen Untertitel
-kaum Mimik in den Gesichtern

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