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Life is Strange: Die emotionale Reise geht weiter – Episode 2: Out of Time im Test

Von Patrik Hasberg - Test vom 25.03.2015 12:08 Uhr

Mit sicherer Hand führen die Entwickler von Dontnod Entertainment auch in der zweiten Episode zu Life is Strange „Out of Time“ Regie und knüpfen dabei perfekt an den Auftakt des Adventures an. Wer über genügend Zeit verfügt, sollte sich unbedingt wieder zurück nach Arcadia Bay begeben.

Die Zeit ist das kostbarste Gut

„Ich habe keine Zeit.“ Ein Satz, den man in der heutigen Zeit immer öfters hört. Immer mehr werden wir Menschen von der Zeit kontrolliert, anstatt, dass wir die Zeit kontrollieren. Protagonistin Max geht es da in Life is Strange anders. Sie kann die Zeit manipulieren und nach eigenem Ermessen bis zu einem gewissen Punkt zurückdrehen. Doch was sich in der ersten Episode des Adventures noch nach einem riesigen Spaß angehört hat, zeigt in der zweiten Episode nach und nach auch seine Schattenseiten. Wie soll Max diese Macht einsetzen? Soll sie anderen Menschen helfen und damit das Schicksal verändern? Und wie gefährlich ist es überhaupt diese Fähigkeit zu nutzen und damit den Lauf der Dinge zu verändern?

Life is Strange ist ganz sicher kein Spiel, dass man nebenbei spielen sollte. Wer sich nach Arcadia Bay begibt, der sollte Zeit mitbringen, genügend Zeit. Außerdem sollte sich auf eine emotionale Reise eingestellt werden, die die erste Episode „Chrysalis“ in Sachen Dramatik noch einmal übertrumpft und den Spieler am Ende fassungslos vor den vorbeilaufenden Credits sitzen lässt. Wie es weitergeht, erfahren wir erst wieder in rund sechs Wochen.

Gravierende Auswirkungen

Während bereits der Auftakt bei Spielern und Fachpresse sehr gut angekommen zu sein schien, wird uns bereits in den ersten Minuten der zweiten Folge klar, dass Entwickler Dontnod Entertainment nicht bloß einen Glückstreffer gelandet hat, sondern dass wir uns innerhalb der nächsten Episoden noch auf einiges gefasst machen können. Die angesprochenen Themen machen nachdenklich und sind in Videospielen eher selten bis gar nicht anzutreffen. Wer Life is Strange als ein einfaches Teenie-Drama abstempelt, tut dem Titel nicht nur Unrecht, sondern hat auch nicht verstanden, was uns die Entwickler damit versuchen auf den Weg zu geben.

Thematisiert werden nicht nur die Schwierigkeiten und Hürden des Erwachsenwerdens, auch spielen brisante Punkte wie Mobbing, soziale Ausgrenzung und sexuelle Belästigung eine erhebliche Rolle. Schwer genug sich nur mit solchen Themen zu befassen, als Protagonistin steckt der Spieler mittendrin und kann durch eigene Entscheidungen teils tatsächlich gravierende Auswirkungen auslösen. Natürlich lässt sich auch in der zweiten Episode noch nicht genau sagen, wie sich solche Entscheidungen auf den weiteren Handlungsverlauf auswirken können. Doch es wird klar, dass Dontnod in dieser Hinsicht bereits jetzt deutlich konsequenter ist, als Telltale Games bei The Walking Dead oder Game of Thrones in der Vergangenheit.

Daraus ergibt sich automatisch, dass man getroffene Entscheidungen andauernd hinterfragt, schließlich können wir fast immer die Zeit wieder zurückdrehen und eine andere Wahl treffen. Schnell befindet man sich als Spieler in einem inneren Konflikt und einem Monolog mit sich selber. Hätte ich doch an mein Telefon gehen sollen?

Als roter Faden zieht sich auch weiterhin die Suche nach der auf mysteriöse Art und Weise verschwundenen Rachel Amber durch die Handlung. Ihr solltet euch unbedingt die Zeit nehmen, um die Schauplätze genauestens zu untersuchen und möglichst mit allen Personen zu sprechen. Wer wie unter Zeitdruck den Credits entgegenfiebert, der ist in Life is Strange sowieso absolut fehl am Platz.

Insgesamt könnt ihr gut und gerne drei Stunden in der zweiten Episode verbringen, bevor ihr euch dem vorübergehenden Ende gegenüber seht. Selbstverständlich laden im ersten Durchgang getroffene Entscheidungen und noch nicht geknipste Fotos auch zum mehrmaligen Durchspielen ein.

Life is Strange im Test

Fazit und Wertung von Patrik Hasberg

Patrik Hasberg:

Auch „Out of Time“ hat es geschafft, dass ich gedankenverloren die vorbeilaufenden Credits beobachtet habe und meine getroffenen Entscheidungen noch einmal an meinem geistigen Auge vorbeigezogen sind. War es richtig, was ich da getan habe? Hätte ich die Situation eventuell besser lösen können? Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Selten hat mich ein Spiel so in seinen Bann gezogen und mir gleichzeitig an gewissen Stellen solch eine Angst bereitet. Die einzelnen Schauplätze wirken in sich absolut stimmig, kombiniert mit der grandiosen Soundkullise und den sehr guten Synchronsprechern, entsteht so beinahe eine reale Welt, in die man sich selbst hineinprojizieren kann. Wie weit und wie gravierend sich die einzelnen Entscheidungen auf folgende Episoden auswirken werden, muss sich natürlich noch zeigen. Aber Dontnod hat eindrucksvoll bewiesen, dass die erste Episode keineswegs ein Glücksgriff war und man noch einiges in der Hinterhand hat.

Eine finale Wertung werden wir erst abgeben, wenn alle Episoden zu Life is Strange veröffentlicht worden sind.

Pro

+stimmige Atmosphäre
+sehr gute englische Synchronsprecher
+lizenzierte Songs/Eigenkompositionen
+erfrischendes Gameplay
+viele Interaktionsmöglichkeiten
+Entscheidungen haben zum Teil gravierende Auswirkungen

Contra

-keine deutsche Synchronisation, keine deutschen Untertitel
-kaum Mimik in den Gesichtern

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