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Games: Mit Mut und Willen kann es jeder im eSport schaffen – Interview mit Tomek Borowka

Von Pierre Magel - News vom 08.12.2016 16:52 Uhr

Viele von uns haben den heimlichen Wunsch, durch den eSport Geld verdienen zu können. Die allerwenigsten Spieler schaffen das – unendlich viel Disziplin, ein eiserner Wille und die berühmte Portion Glück sind bitter nötig, um wirklich Karriere in dieser Szene machen zu können. Einer, der es geschafft hat, ist bei uns im Interview – Tomek Borowka, Gründer der Vaingloryleague (VGL).

Vainglory ist in der aktuellen Szene der mobilen MOBAs eine absolute Ausnahmeerscheinung, die einen Erfolg nach dem nächsten für sich verbuchen kann. Mit dem vollen Fokus auf den eSport hat das Entwicklerstudio Super Evil Megacorp den richtigen Riecher gehabt. Die Tatsache, dass aktuell vor abertausenden Zuschauern die Weltmeisterschaften in Hollywood stattfinden konnten, liegt jedoch längst nicht nur am Entwicklerstudio. Tomek 'Bluberryz' Borowka, seines Zeichens selbst passionierter Spieler, ist zusammen mit DonJon der Name hinter der Vaingloryleague, welche all das überhaupt ermöglicht hat. Wie der ehemalige Fashion Show Director zu dieser Position, zu Vainglory generell und dem Tätigkeitsfeld des eSports kam, verrät er uns im Interview. Viel Spaß!

Wirtschaftsrecht studiert, Fashion Show Director gewesen – das klingt so gar nicht nach zocken. Schon immer Spieler gewesen?

Absolut! Ich war schon immer ein Hardcore Gamer und habe mitunter jede freie Minute genutzt, um dieser Passion nachzugehen – was nicht immer leicht war, da meine unterschiedlichen Aufgaben die Freizeit nahezu komplett aufgefressen haben. Ich mag jedoch einfach dieses Gefühl, mich in einem kompetitiven Rahmen mit anderen zu messen, besser zu werden, Siege einzufahren und zu gucken, wo ich in den Ranglisten stehe. Gaming Events finde ich extrem spannend und als jemand, der einige Zeit in Shanghai gelebt hat, habe ich die Kultur des Spielens in einer ganz anderen Intensität wahrnehmen dürfen.

Und dann war der Moment gekommen, sich selbst aktiv im eSport auszuprobieren? Warum Vainglory?

Ich halte immer nach neuen Trends und Spielen Ausschau – als ich Vainglory in der sehr frühen Entwicklungsphase gesehen habe, wusste ich, dass das Spiel riesiges Potenzial hat – mobile eSport, bis vor kurzer Zeit noch undenkbar. Ich spielte das Spiel im Soft Launch und wusste, dass ich das Projekt aktiv unterstützen muss – so entstand letztendlich die Vaingloryleague. VGL begann ich als eine Art 'One Man Show' – ich organisierte trotz vieler fehlender Kenntnisse erste Events und Turniere und natürlich alles, was damit inbegriffen ist: Die Organisation der Turniere selbst, das Aufbauen einer Webpräsenz, Formulierung eines Regelwerkes, Erstellen von Grafiken und letztlich auch die Durchführung der Streams, welche ich auch von Anfang an selbst gehosted und gecasted habe.

Durch das ständige Learning by Doing konnte ich viel Wissen in kurzer Zeit aufbauen – umso erfreulicher war es, dass das Projekt sich sehr schnell großer Beliebtheit erfreute und rasant gewachsen ist.

Die Szene war anfangs noch so klein, dass der Preispool sehr gering ausfallen musste. Es ging um dreistellige Beträge, welche ich aus eigener Tasche in das Projekt gesteckt habe. Umso erstaunlicher ist es, dass wir jetzt, zwei Jahre später, um 120.000 US-Dollar bei den Vainglory Worlds spielen. All das war die Grundlage dafür, dass man mich, zusammen mit meinem Partner DonJon, der vor allem viel Arbeit, Schweiß und Anstrengung in die Technik steckt, fest anstellte und wir nun offiziell Teil des Teams sind, was die Kommunikation verbessert und natürlich mehr Möglichkeiten offenbart. Zusätzlich ist das ein Vertrauensbeweis und Zeugnis einer guten Zusammenarbeit – das fühlt sich super an.

War es dir also wichtig, etwas zu erschaffen und nicht im gemachten Nest zu landen?

Genau. Ich bin jemand, der gerne ausprobiert, Dinge kreiert und schaut, wie weit der Erfolg damit zu erzielen ist. Selbstverständlich ist die Ungewissheit, ob man auf dem richtigen Weg ist, in vielerlei Hinsicht unangenehm, gleichzeitig ist sie aber auch Motor dafür, immer weiter zu machen, immer 110% zu geben. Wenn das dann auch wirklich klappt und sich auszahlt, ist das ein großartiges Gefühl.

Kann jeder den eSport als Sprungbrett für eine Karriere nutzen?

Natürlich. Dennoch muss man immer im Hinterkopf behalten, dass die Szene wächst. In den USA gibt es beispielsweise Stipendien – Deutschland zieht aktuell auch nach. Wer aber mit Herzblut bei der Sache ist, viel Motivation in eigene Projekte steckt und so die Aufmerksamkeit von Entwicklerstudios oder eSport-Größen auf sich zieht, der kann jederzeit einen Senkrechtstart in die Branche schaffen, keine Frage. Manchmal sollte man seinem Bauchgefühl vertrauen und “einfach machen” – so wie ich es damals mit der VGL gemacht habe.

Wie entwickelt sich für dich die eSport-Szene generell?

Der eSport ist in aller Munde und die Zahlen sprechen für sich. Ich bin sehr gespannt wie sich das Ökosystem weiter ausbaut und wächst – immer mehr Investoren sind daran interessiert einzusteigen und ich muss gestehen, dass sich der eSport nicht einfach von selbst erklärt. Es muss noch viel Arbeit geleistet werden um den eSport dahin zu bringen, wo er hingehört. Ganze Stadien werden mittlerweile gefüllt, Preisgelder und Zuschauerzahlen steigen – die nächsten Jahre werden sehr spannend für die Szene.

Wie wird es mit dir und Vainglory weitergehen?

In Zukunft muss die Grundlage, die wir aktuell geschaffen haben, weiter ausgebaut werden. Der Titel, mobiler eSport generell, steckt noch immer in seinen Kinderschuhen und ich bin verdammt froh, Teil dieser Herausforderung zu sein. Persönlich interessiere ich mich sehr für den eSport im größeren Sinne und möchte definitiv weiterhin in der Branche tätig sein. In der Zukunft möchte ich mich aktiv für den eSport in Deutschland einsetzen und dazu beitragen, dass eSport in nicht allzu ferner Zukunft auch als Sportart angesehen wird. Bis 2020 werden alleine die Umsätze in Deutschland auf ca. 130 Mio. Euro ansteigen – eine Nischenbranche, die viele noch gar nicht kennen. Ob und welche neuen Herausforderungen auf mich warten, wird die Zukunft zeigen. Die wichtigen Schritte sind gemacht – ich freue mich auf 2017!

Tomek Borowka, Projektkoordinator für das Entwicklerstudio Super Evil Megacorp. Wir bedanken uns für seine Zeit!

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