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Assassin’s Creed: Symphony: Wunderschönes Programm mit wenig Überraschungen

Von Lucas Grunwitz - News vom 11.11.2019 15:09 Uhr

Musikalische Klänge aus Videospielen live erleben? Wir haben Assassin’s Creed Symphony in Berlin besucht und verraten euch, was ihr von einem derartigen Konzert erwarten könnt.

Es ist dieser neue Trend, der seit einigen Jahren in unserer Kultur Einzug hält: Musik nicht nur daheim genießen, sondern ebenso live auf der Bühne erleben – das Novum bezieht sich natürlich insbesondere auf das Medium der Videospiele, die mehr und mehr an Popularität gewinnen. Was in der Filmindustrie schon komplett angekommen ist, beginnt sich in unserer Videospielszene erst so richtig zu etablieren. Es wirkt daher noch ein bisschen surreal, aber faszinierend zugleich: Wir leben in einer Zeit, in der Fans und Interessenten zusammenkommen, um sich Musik eines Videogames anzuhören, das von einem Orchester vor Publikum aufgeführt wird. Ein Vertreter davon ist „Assassin’s Creed Symphony“, welcher am 9. November dieses Jahres in Berlin Halt gemacht hat. Wir haben das Event besucht und erzählen euch kurz und knapp, was ihr von einem Orchester dieser Art erwarten könnt.

Ein Rundumschlag durch die gesamte Geschichte

Für Fans von Assassin’s Creed ist es buchstäblich eine Reise in die Vergangenheit – das macht das Programm von „AC Symphony“ von der ersten Minute an klar. Während das Orchester das zeitlose „AC“-Thema aufführt, läuft auf dem großen Bildschirm über den Musikern ein Zusammenschnitt aller bisher veröffentlichten Titel, angefangen beim Enthüllungstrailer vom ersten „Assassin’s Creed“, damals noch mit Altair. Als Fan der Reihe werden da natürlich Erinnerungen jeglicher Art wach – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Assassin’s Creed“ war ich nicht einmal 16 Jahre alt und musste mir den Titel bei meinem Cousin anschauen. Seitdem begleitet mich die Spielreihe fast durchgängig und dementsprechend emotional fiel der Beginn aus, bei dem den Zuschauern noch einmal vor Augen geführt wurde, wie die Anfänge dieser Reihe ausgesehen haben. Das nachfolgende Programm macht es sich dementsprechend nun zur Aufgabe, die Teile sequenziell abzuarbeiten.

Produziert und geleitet wurde das Konzert von Massimo Gallotta – der ist im Geschäft solcher Orchester auf Basis von Videospielen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mittlerweile fällt sein Name auch bei anderen namhaften Aufführungen, unter anderem bei „The Legend of Zelda: Symphony of the Goddesses“. Begleitet wurden die Lieder von „Assassin’s Creed Symphony“ von einem Orchester mit geschätzt 50 Mitgliedern, die sich Instrumenten jeglicher Art bedient haben. Insbesondere die Gruppe der Streichinstrumente waren stark vertreten, daneben gab es Schlaginstrumente sowie einige exotische Vertreter wie elektronische Keyboards und die allseits beliebte Harfe.

Diese Truppe hat das Publikum die nächsten zweieinhalb Stunden begleitet und alles aus sich rausgeholt, um den Erwartungen der Zuschauer – sei es Fan oder schlichtweg Musikliebhaber – gerecht zu werden. Das führt mich jedoch direkt zum größten Kritikpunkt an diesem Abend: Das Konzert hatte mit einer prägenden Linearität zu kämpfen.

Wunderbares Konzert mit wenigen Überraschung

Linear, weil bereits ab der zehnten Minute klar war, wie sich die nächsten zwei Stunden gestaltet würden. Zunächst durften wir der wunderbaren Musik von „Assassin’s Creed I“ lauschen, die meiner persönlichen Meinung nach einen wunderschönen, charakteristischen Charme hat. Nach knapp 15 Minuten war die Geschichte von Altair auf dem Bildschirm zu Ende erzählt und das Orchester ging musikalisch direkt zu „Assassin’s Creed II“ über. Dort sahen wir erneut die gesamte Handlung des Titels in 15 Minuten zusammengefasst – unter anderem begleitet von Klassikern wie „Ezio’s Family“. Traumhaft, aber eben doch vorhersehbar. Der zweite Abschnitt endet mit dem nicht komplett durchgeführten Attentat am Papst und leitete direkt zu „Brotherhood“ über.

Genau diese Vorgehensweise, die in der theoretischen Gestaltung komplett nachvollziehbar ist, nahm dem gesamten Konzert die Spannung. Wenn ich mir einen Film anschaue, dann meist, weil ich eine grobe Vorstellung habe, was mich inhaltlich erwartet, jedoch ohne zu wissen, wie es im Detail abläuft. Wenn ich mitten im Film das Gefühl habe, dass ich die kommenden zwei Stunden blind erraten kann, dann nimmt es dem Zuschauer nicht nur die angesprochene Spannung, sondern ebenso das Interesse. Und genau mit diesem Symptom hatte die Aufführung zu kämpfen.

Wer die Reihe und die Musik kennt, wusste also nicht nur, in welcher Reihenfolge die einzelnen Ableger von Assassin’s Creed abgearbeitet werden, sondern unter anderem auch welche Lieder in den jeweiligen Blöcken aufgeführt werden. Hinsichtlich der Tatsache, dass das Konzert alleinig von den Musikern auf der Bühne gestemmt wurde, wartete der Zuschauer daher leider vergeblich auf einen krassen Wow-Effekt. Erst kürzlich berichteten wir von unserer Erfahrung beim „The Witcher“-Konzert, bei dem das gesamte Programm durch Einlagen jeglicher Art ergänzt wurde. Der lineare Aufbau dieses Orchesters – der dem Zuschauer bereits eingangs über den Inhalt aufgeklärt hat – hätte eine derartige Ergänzung so dringend gebraucht, um zu einem traumhaften Erlebnis zu avancieren.

Am Ende verbleibt bei Orchesterkonzerten dieser Art also die These im Raum, dass der Käufer genau das erhält, was vom Veranstalter beworben wird. Versteht mich nicht falsch, die musikalische Darbietung und deren Qualität waren hervorragend. Aber am Ende war es aber eben nur das. Dabei bietet sich das „Assassin’s Creed“-Universum so unfassbar gut für ein Rahmenprogramm der Extravaganz an. Tänzer verschiedener kultureller Richtungen, die Nutzung von Instrumenten, die einem im Alltag nicht immer über den Weg laufen oder eine andersartige atmosphärische Begleitung der Szenen hätten dem Gesamterlebnis den gewissen Kick verliehen. Niemand erwartet über zwei Stunden hinweg ein durchgängiges und zugleich kostspieliges Programm, ein kleiner Höhepunkt wäre jedoch gut gewesen. So blieb es bei einer Aufführung bekannter Lieder, die nur in seltenen Fällen in neuinterpretierende Vibes verpackt worden sind.

Zum Schluss blitzte genau dieser Gedanke leicht auf. Nachdem das Programm durch war und wir die Geschichte von Assassin’s Creed Odyssey auf der großen Leinwand erlebt hatten, sprang das Orchester noch einmal mehrere Teile zurück und gab eines der Shanty-Lieder, die wir aus „Black Flag“ kennen, zum Besten. Es war dieses Finale, bei dem ich mir umso mehr dachte: Warum nicht früher? Denn diese Überraschung war so schön erfrischend, dass mir die fehlende Varietät im Mittelteil umso mehr aufgefallen ist. So etwas muss doch nicht erst am Ende ausgepackt werden.

Fazit

Um es noch einmal klar zu betonen: Das Orchester hat einen fantastischen Job gemacht. Bei jedem neuen Lied kam dieses besondere Gefühl im Publikum an. Die Songs endlich in einer gebührenden Atmosphäre genießen: Traumhaft! Rein vom musikalischen Aspekt aus betrachtet, war das Konzert ein Genuss für alle Teilnehmer. Wer jedoch ein wenig über den Tellerrand blickt, weiß, was für unfassbares Potenzial verschenkt wurde. Ich will im ersten Viertel nicht wissen, was in den kommenden zwei Stunden passiert. Ich will eben nicht nur unterhalten, sondern auch überrascht werden.

Wer an Konzerten dieser Art Interesse hat, sollte sich im Vorfeld daher darüber im Klaren sein, dass er zumeist genau das bekommt, was beworben wurde. Eine musikalische Aufführung dessen, was der Titel bereits klarmacht. Daher richtet sich „Assassin’s Creed Symphony“ unterm Strich insbesondere an Interessenten, die bereits Fan des jeweiligen Titels sind. Themenfremde Besucher sollten kommen, wenn sie Interesse haben, neue Musik auf wunderbare Weise zu entdecken – und eben nur diese.

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