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Esports: Streit um Gemeinnützigkeit: Alles mit Gewalt muss draußen bleiben

Von Wladislav Sidorov - News vom 21.02.2019 11:54 Uhr

Gilt der Esport als Sport? Und wenn ja, ab wann? Sollte wirklich jedes Spiel zugelassen werden? Bei diesen Fragen geht es um nichts anderes als die Anerkennung der Gemeinnützigkeit – und derzeit sieht es so aus, als würde alles mit einer Altersbeschränkung über 16 Jahren ausgelassen werden.

Ob der Esport dem Sport gleichgestellt werden soll, das ist eine Debatte, die so alt ist wie die Disziplin selbst. Hierzulande scheinen sich Verbände, Vereine und Politik noch immer nicht einigen zu können und werfen Fragen auf, zu denen alle Seiten gänzlich gegensätzliche Antworten aufweisen.

Am Mittwoch ging es im Sportausschuss des Bundestags eigentlich um die „Entwicklung des Esports in Deutschland“ – verbunden mit der Frage, wie man ihn fördern und als gemeinnützig anerkennen könne. Die Anerkennung kommt schließlich mit einer Reihe an finanziellen, rechtlichen und gesellschaftlichen Begünstigungen daher. Später wurde jedoch fast ausschließlich darübar diskutiert, ob es einige Spiele schlichtweg nicht verdient hätten, als förderungswürdig zu gelten.

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Sport ist Sport und bleibt Sport

Der Deutsche Olympische Sportbund erklärte beispielsweise, dass man gerne darüber reden könne, Sportsimulationen wie FIFA und Pro Evolution Soccer in den Vereinsalltag einzugliedern. Im Gegenzug würden aber Spiele, die nicht unmittelbar einen Sport nachahmen, herausfallen.

Die beliebtesten Games des Esports, darunter die ewigen Giganten Counter-Strike: Global Offensive und League of Legends, basieren schließlich auf ihren ganz eigenen Regeln. Und ja – simulierte Gewalt gehört gewissermaßen dazu, um den Sieg über den Gegner darzustellen.

Alles ab 16 bleibt draußen

Viele Teilnehmer des Sportauschusses zeigten sich von einer Gewaltdarstellung allerdings nicht begeistert und können einer Anerkennung von League of Legends vielleicht noch zustimmen, aber Counter-Strike würde definitiv nicht dazugehören. Der FDP-Abgeordnete Marcel Klinge erklärt beispielsweise, dass es nicht mit seinem „persönlichen Wertegerüst“ vereinbar sei, dass Zuschauer in der Halle jubeln, wenn im Spiel jemandem in den Kopf geschossen wurde.

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Auch für den CDU-Sportpolitiker Johannes Steiniger kommt eine Anerkennung des Esports nur in Frage, wenn Spiele mit einer Alterbeschränkung ab 16 Jahren draußen bleiben. Er setze sich zwar dafür ein, den Esports als solchen für gemeinnützig zu erklären, fordert aber Ausnahmen: 

„Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für Spiele, die explizit Gewalt beinhalten, sollte nicht zur Debatte stehen. Shooter-Spiele wie ‚Counter Strike‘ bewegen sich außerhalb der vom Sport akzeptierten und geförderten ethischen Grenzen.“

Branchenverband stellt sich gegen Steiniger

Steiniger setzt sich deshalb dafür ein, dass eine finanzielle Förderung von wettkampfmäßigen Computerspielen ohne gewaltbetonte Inhalten stattfindet. Alle anderen Spiele sollen durch eine „Negativliste“ explizit ausgeschlossen werden.

Das kommt für game, dem Verband der deutschen Videospielbranche, nicht in Frage:

„Der aktuelle CDU-Vorschlag, die Gemeinnützigkeit des digitalen Sports für Games ab 16 Jahren auszuschließen, führt nicht nur an der weltweiten Realität der Esports-Kultur vorbei, sondern widerspricht auch den Versprechungen aus dem Regierungsprogramm an die Community. Zur Autonomie des Sports gehört eben auch die Selbstbestimmung des Esports! So ein Sonderweg führt Deutschland international nicht aufs Sieger-Treppchen, sondern direkt in die Sackgasse.“

SPD lehnt „Gewaltspiele“ ab

Innerhalb des Ausschusses kam bei der Unterscheidung von Gewaltdarstellung auch zur Sprache, wo man überhaupt eine Grenze ziehen könne. So sei die „simulierte Tötungsabsicht“ schließlich auch bei Sportarten wie Boxen und Fechten gegeben. Müssten diese Sportarten dementsprechend nicht mit Counter-Strike gleichgestellt werden?

Die SPD sowie dessen sportpolitischer Sprecher Detlev Pilger haben im Anschluss an die Debatte ihr ganz eigenes Urteil gefällt: Der Esport ist nicht bereit, als Sport anerkannt zu werden. In einer Pressemitteilung erklärte Pilger, dass man dennoch „den modernen Anspruch der jungen Gesellschaft unterstützen und gleichzeitig die Sportvereine in ihrem Streben, mit neuen Angeboten Kinder und Jugendliche für sich zu gewinnen, stärken“ wolle. Die „Förderung von Gewaltspielen“ lehne man aber aus „sportlichen Gründen“ heraus grundsätzlich ab.

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