PLAYCENTRAL TEST Deadpool

Deadpool: Ein Tag mit dem Merc With A Mouth

Von Yannick Arnon - Test vom 10.07.2013 10:39 Uhr

Schon seit 1991 bereichert der gute Deadpool das Marvel-Multiversum um Lacher und Leichen, seitdem kann er auf eine stetig wachsende Fangemeinde zurückblicken. Trotzdem hat es mehr als 20 Jahre seit seinem Comic-Debüt gedauert, bis er der Star in seinem eigenen, nach ihm benannten Videospiel werden durfte. Wenn dann also ein Testmuster bei uns in der Redaktion eintrudelt, in Begleitung einer liebevoll von Deadpool persönlich mit Wachsmalkreide verfassten Androhung unvorstellbaren Übels, falls wir nicht umgehend einen Test verfassen, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns in seine verrückten Abenteuer zu stürzen.

Für Ruhm, Ehre und Chimichangas!

Wer Deadpool noch nicht kennt, hier ist eine kurze Zusammenfassung: Wade Wilson war ein kanadischer, krebsleidender Soldat, der sich freiwillig für das Weapon X-Programm meldete. Ziel war es, eine menschliche Waffe wie den Mutanten Wolverine zu erstellen. Das Experiment war insoweit ein Erfolg, dass Wilson den Regenerationsfaktor seines kurz geratenen Vorbilds mit den scharfen Krallen bekam, doch der Eingriff hatte verheerende Folgen für seinen Verstand und entstellte ihn fürchterlich. Seitdem verdingt sich Wilson als Söldner mit losem Mundwerk und balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Held und Schurke, seine Ideale wechseln vom einen Tag zum nächsten. Zudem hat er das merkwürdige Talent von einer kuriosen Situation in die nächste zu stolpern, meistens bedingt durch sein schrulliges Verhalten. So kam ihm auch irgendwann der Einfall, dass ein Videospiel über seine Abenteuer eine gute Idee wäre. Die Verhandlungen mit Entwickler High Moon Studios (unter anderem die Transformers: Cybertron-Reihe) verliefen bisher jedoch wenig erfolgreich, also bedarf es ein wenig "Überredung", bevor es grünes Licht gibt. So beginnt das Spiel in Deadpools Wohnung, wo er zunächst das Skript geliefert bekommt. Im Rahmen eines neuen Auftrags soll er den Medienmogul Chance White gefangen nehmen, doch der scheinbar simple Auftrag ist nicht so einfach abgehandelt. Mister Sinister hat ein Wörtchen mitzureden, der fiese Mutant streckt wieder einmal seine gierigen Griffel nach der totalen Weltherrschaft aus und so liegt es ausgerechnet an Deadpool, zusammen mit einem Einsatzteam der X-Men auf die Insel Genosha zu reisen, um ihm dort das Handwerk zu legen. Nicht das originellste Setup für eine Story, aber immerhin muss Deadpool keine entführte Prinzessin befreien.

Da D.P. von Haus aus das nötige Kampfgeschick mitbringt, handelt es sich bei seinem Spiel um ein waschechtes Hack'n'Slash. Ihr startet mit je einem Paar Katanas und Pistolen sowie Blendgranaten, später wird euer Arsenal um Sais, Maschinenpistolen und unübliche Waffen wie Laserkanonen oder Bärenfallen erweitert. Mit dem Digipad lässt sich zwischen eurem Nahkampfwaffen und Waffen schnell und unkompliziert wechseln, sodass ihr die laufende Combo nicht unterbrechen müsst. Zum Einsatz kommt ein Freeflow-Kampfsystem, bei dem man sich ganz klar von den Arkham-Spielen hat inspirieren lassen. Mit je einem Button für leichte und harte Nahkampfangriffe schnetzelt ihr euch die Gegnermassen, Angriffe auf euch werden mit einem Symbol über dem Kopf des Gegners angezeigt und können gekontert werden. Leider aktiviert ihr mit demselben Knopf auch Deadpools Teleporter, sodass es nicht selten vorkommt, dass ihr euch von eurem bisherigen Standort entfernt, obwohl ihr eigentlich einen Konter ausführen wolltet. Anstelle von XP sammelt ihr DP-Punkte, die ihr in einem Untermenü gegen neue Waffen, Moves und Status-Verbesserungen eintauscht. In den Scharmützeln geht gerne die Übersicht flöten, da die Kamera insbesondere in engeren Räumlichkeiten arge Probleme damit hat, das Geschehen aus einer anständigen Perspektive zu zeigen. Das gilt auch für den Einsatz von Schusswaffen, die dafür gewählte Kameraposition ist insgesamt etwas zu nah an Deadpools Schulter. Schafft ihr es, euch unbemerkt an einen arglosen Gegner heranzuschleichen, könnt ihr zu einem Stealth-Takedown ansetzen. So bekommt ihr dann eine herrlich überzeichnete Sequenz zu sehen, in der ihr den Baddie mit viel Gore ausschaltet. Das Spiel fällt insgesamt ausgesprochen blutig aus und trägt das rote USK-18-Siegel zu Recht, nicht nur wegen des Toilettenhumors. Die deutsche Version ist wohlgemerkt komplett ungekürzt.

"Sir, mein Name ist Deadpool, und ich bin definitiv kein Clown!"

Als ihr schon am Anfang für das bloße Aufstehen aus dem Sessel mit nicht nur einem, sondern gleich zwei Achievements belohnt werdet und Deadpool die freigeschalteten Erfolge kommentiert wird klar, dass der Humor der Comic-Vorlage den Transfer in das Videospiel vollzogen hat. Unser Protagonist durchbricht regelmäßig die sogenannte vierte Wand. Das heißt ihm ist bewusst, dass er sich in einem Videospiel befindet und von uns gesteuert wird. Falsche Credits-Sequenz? Check. Mecker für den Spieler, wenn er mal in einem Abschnitt sterben sollte? Check. Ein Telefonat mit den Entwicklern, bei dem Deadpool High Moon dazu anherrscht, dass ein Spielabschnitt dringend gepatcht werden soll? Check. Auch seine gespaltene Persönlichkeit wird dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die beiden Stimmen in seinem Kopf, die natürlich außer ihm keiner hören kann, durch Sprechblasen auf dem Bildschirm mit ihm kommunizieren. Die Zwischensequenzen der Kampagne präsentieren sich als ein skurriles Konstrukt aus Explosionen, Witzen über männliche und weibliche Geschlechtsteile und einem durchgehend quasselnden Hauptcharakter, gespickt mit zahlreichen Anspielungen auf Comics, Filme und Spiele. Also genau die Art von nicht ganz jugendfreiem Humor, verbunden mit zum Teil überraschend cleveren Pointen, deretwegen Deadpool so beliebt ist. Besonders spaßig ist die Interaktion mit dem zeitreisenden Mutanten Cable, der mit seinem ernsten Auftreten der perfekte Gegenpol zu dem quirligen Kerlchen im roten Bodysuit ist. Kleine Details wie der typische Cajun-Akzent der Gambit-Klone oder das Zerreißen von Deadpools Anzug, wenn ihr zu viel Schaden einsteckt, beweisen den Respekt vor dem Quellmaterial. Im Spielverlauf finden sich zahlreiche popkulturelle Anspielungen auf andere Marvel-Charaktere und Videospiele im Allgemeinen, so kommt ein Abschnitt im 8-Bit-Stil aus der Vogelperspektive daher, weil Deadpool bereits das ganze Budget für das erste Level verprasst hat. An anderer Stelle stürmt ihr in Zeitlupe einen mit Gegnern gefüllten Raum, um ein bisschen schamlose Werbung für eine andere Spieleserie von Activision zu machen.

Leider ist der Humor dann auch schon der größte Anreiz, den Deadpool zu bieten hat. Mag das Kampfsystem zunächst ansprechend wirken, stellt man als Spieler schnell fest, dass das Spiel ungeachtet des gewählten Schwierigkeitsgrads insgesamt etwas zu leicht ist. Die Konter erfassen gleich mehrere Gegner auf einmal und schleudern diese in die Luft, sodass ihr sie dort mit weiteren Attacken eindecken könnt. Richtet ihr durchgehend Schaden an, sammelt ihr Energie für eure Momentum-Leiste, mit der dann zu einem verheerenden Finisher angesetzt werden kann. Doch schon kurz nach Ausführung eines Momentum-Moves hat sich auch bei unerfahrenen Zockern die Leiste im Handumdrehen wieder gefüllt, sodass ihr fast schon ständig Zugriff auf die Superattacken habt. Die KI ist euch gnadenlos unterlegen und lediglich die Bosse lassen sich nicht mit unkoordiniertem Gemashe fällen, dem Anspruch spielt das nicht in die Hände. Dank des Heilfaktors füllt sich die Energieleiste in ruhigen Momenten von selbst auf. Wird es also brenzlig, müsst ihr euch nur aus dem Getümmel heraus teleportieren und ein ruhiges Plätzchen suchen, um dann wieder gestärkt in die Schlacht zu ziehen. Hin und wieder kämpft ihr Seite an Seite mit Cable, die meiste Zeit seid ihr jedoch auf euch allein gestellt. Nicht, dass das den Verlauf in irgendeiner Form schwieriger gestalten würde. Noch dazu werden die Kämpfe ziemlich schnell eintönig, die hastig eingeworfenen Hüpf- und Stealth-Passagen kann man als ein Zeichen für High Moons guten Willen werten, dass man zumindest versucht hat für ein wenig Abwechslung zu sorgen. Der klare Tiefpunkt der Ideenlosigkeit wird in den Railshooter-Passagen erreicht, in denen ihr euch an einem stationären Geschütz befindet und alles und jeden niedermäht.

Wie oft kann man einen Killing Joke erzählen?

Für eine Comic-Umsetzung ist Deadpool entsprechend bunt ausgefallen, von Epic Games Unreal Engine 3 ist man jedoch Besseres gewohnt. Gerade aus der Nähe machen einige Texturen keine besonders gute Figur, noch dazu hat die Framerate bei zu viel Action auf dem Bildschirm Probleme damit konstant zu bleiben. Mit dem Design gewinnen die High Moon Studios keinen Innovationspreis, bei all den schlauchförmigen Levels und sich wiederholenden Settings, wie Ruinen und Kanalisationen. Mister Sinisters Plan involviert die Aufstellung einer Klon-Armee, damit rechfertigt man nicht nur Horden an gleich aussehenden Fußsoldaten, sondern auch recycelte Bossfights. Überhaupt wirkt das Leveldesign an vielen Stellen nicht besonders durchdacht. Was bringt es einen Abschnitt mit zufälligen Objekten zu füllen, wenn beispielsweise Luftballons nicht unter Beschuss zerplatzen? In akustischer Hinsicht hat man deutlich bessere Arbeit geleistet, neben ein paar lizenzierten und intelligent eingesetzten Musikstücken kann auch der eigens komponierte Score mit seinem leicht rockig angehauchten Touch gefallen. Die größte Wonne für eure Ohren ist jedoch die Sprachausgabe. Ganz besonders ist hierbei Nolan North in der Hauptrolle hervorzuheben, der alle drei Persönlichkeiten von Deadpool vertont hat. Der Sprecher, der in der Vergangenheit unter anderem auch als Nathan Drake in Uncharted zu hören war, hat stimmlich den Nagel fast schon beängstigend auf den Kopf getroffen und man nimmt ihm die Rolle des leicht psychopathisch veranlagten Antihelden ab. Er scheint bei der Aufnahme auch hörbar viel Spaß gehabt zu haben. Die Sprachausgabe liegt ausschließlich auf Englisch vor, wer der Sprache nicht mächtig ist, kann auf Untertitel zurückgreifen. An mehreren Stellen kann die Übersetzung jedoch den Witz ruinieren, wenn ein Wortspiel sich nicht sinngemäß übersetzen lässt.

Das definierende Charakteristikum von Deadpool ist ohne Zweifel der Humor, doch selbst dieser kann sich schnell abnutzen. Wo euch vorher die Seiten vor Lachen wehgetan haben, kann euch beim zweiten Durchlauf bestenfalls ein Schmunzeln abgerungen werden. Die weiter oben zitierte Szene mit den Achievements ist ein gutes Beispiel dafür, denn wenn vor DPs Kommentar keine Benachrichtigung aufpoppt, will der Witz nicht so richtig zünden. Hinzu kommt, dass Deadpool wenig Langzeitmotivation zu bieten hat. Als nach gerade einmal sechs Stunden der richtige Abspann nach einem enttäuschenden Finale läuft, fühlt sich das Ende sehr abrupt an. Alternative Kostüme für die Story, Artworks etc. lassen sich nicht freischalten, die einzigen Boni sind ein paar animierte Biografien zu Charakteren aus der Kampagne, auf die ihr schon zu Beginn Zugriff habt. Einzig und allein für die für Waffen und Upgrades notwendigen DP-Punkte lohnt es sich die Story oder einzelne Kapitel ein zweites Mal durchzuspielen. Es gibt von jedem der Kapitel eine Challenge Map, nach dem Motto: "Hm, wir haben noch die Assets von der Umgebung und den Gegnern, also ab dafür!" Wirklichen Ansporn wollen diese Maps nicht wecken, zumal keinerlei Belohnung wartet, die ein Absolvieren der Abschnitte rechtfertigen würde. Kurzum, wer mehr als nur gelegentlich in Comics von Marvel schmökert, wird an einem öden Wochenende zwei Nachmittage lang ganz anständig unterhalten. Im Endeffekt lässt sich das Spiel exzellent mit Deadpool selbst vergleichen. Lässt man sich erst einmal auf ihn ein, sind Lachanfälle am laufenden Band garantiert und die Zeit scheint wie im Flug zu vergehen. Nach mehreren Stunden und eingehender Beschäftigung beginnt die Freude allmählich zu verfliegen und wenn ihr einen genaueren Blick unter die Maske werft, offenbart sich kein besonders schöner Anblick.

64
Deadpool im Test

Fazit und Wertung von Yannick Arnon

Yannick Arnon:

Deadpool steht im Grunde vor demselben Problem wie Eat Lead: The Return of Matt Hazzard vor ein paar Jahren. Wer ödes Leveldesign oder monotonen Spielablauf kritisieren möchte, der bekommt ein: "Duh, natürlich ist es schlecht, es soll ja auch eine Parodie sein!" zu hören. Und der Witz des Spiels ist auch zugleich sein größter Reiz, das liegt nicht zuletzt am Skript von Daniel Way und der großartigen Vertonung durch Nolan North.

Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Devil May Cry und Bayonetta aus demselben Genre in einer ganz anderen Liga spielen, auch wenn Deadpool einiges an Potenzial gezeigt. Sei es nun die etwas knappe Entwicklungszeit, das zu geringe Budget oder das fehlende Vertrauen des Publishers, weswegen das Spiel in den USA schon zum Launch zu einem reduzierten Preis auf den Markt kam. Das ganze Projekt scheint also von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden zu haben, doch das bedeutet nicht, dass wir es mit einem kompletten Reinfall zu tun haben. Wer keine große Abneigung gegen leicht infantilen Humor hat und den Merc With A Mouth gern mag, wird für die Dauer des ersten Durchlaufs ganz gut unterhalten, Skeptiker sollten das Spiel vielleicht lieber ausleihen.

Siehst Du, Deadpool? Dein Spiel ist sogar einigermaßen gut weggekommen. Nimmst Du jetzt bitte die Pistole von meiner Schläfe? Moment… Was hast Du mit der Gummiente und dem Paketband vor? Oh nein, bitte nicht- AAAAAAARGHH!!

Pro

+Deadpool, wie er leibt und lebt
+der Humor wurde gut getroffen
+exzellente Sprachausgabe
+zahlreiche Upgrades und Waffen
+ein paar clevere Überraschungen

Contra

-Grafik könnte besser sein
-der Humor nutzt sich ab
-keine freischaltbaren Boni
-Slowdowns
-zu leicht
-eintöniges Gameplay und Design
-kurze Kampagne
-Probleme mit der Kamera

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