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Wolfenstein: Youngblood: Der Test – Lasst uns gemeinsam im Kugelhagel tanzen

Von Heiner Gumprecht - News vom 30.07.2019 10:49 Uhr
© Bethesda Softworks

Vor wenigen Tagen kam mit „Wolfenstein: Youngblood“ der neueste Ableger der fast 40 Jahre alten Spielreihe auf den Markt. Nachdem sich die Spielreihe bereits in den 2010ern neu erfunden hat, geht sie mit dem aktuellsten Titel nun abermals in eine differenzierte Richtung. Hier stehen Koop-Action, ein offenes Missionsdesign und eine ordentliche Charakterentwicklung im Vordergrund. Dafür blieben andere Spielelemente leider auf der Strecke. Warum und weshalb, erklären wir euch in unserem Test!

In Wolfenstein: Youngblood ist Amerika von der Herrschaft des Naziregimes befreit worden, Grace Walker ist mittlerweile Chefin des FBI und der Protagonist der Wolfenstein-Reihe, William Joseph „BJ“ Blazkowicz, hat zwei schöne und schlagkräftige Zwillingstöchter. Eigentlich läuft der Kampf gegen die Unterdrücker aus Europa also wirklich gut, nur gibt es ein paar klitzekleine Probleme. Zum einen befindet sich der Rest der Welt noch immer fest im Griff des Hakenkreuzes, zum anderen wird BJ vermisst.

Jessie und Zofia

Zuletzt wurde der weltberühmte Widerstandskämpfer im besetzten Paris gesehen, wo er über Nacht verschwindet. Grund genug für Jessie und Zofia, seine wenig kriegserfahrenen Töchter, in die französische Hauptstadt zu reisen und sich dort dem Widerstand anzuschließen. Zu Beginn von „Youngblood“ habt ihr die Wahl, in die Haut einer der beiden Schwestern zu schlüpfen und die Nazis anschließend entweder mit Sturmgewehr oder Schrotflinte Blei schmecken zu lassen. Welche der beiden ihr wählt, hat auf den weiteren Spielverlauf sonst keinen Einfluss.

Sowohl Jessie als auch Zofia zu steuern, und während des Spiels zwischen ihnen hin und her zu wechseln, ist nicht möglich. Die jeweils andere Figur wird von einem Freund übernommen, einem Fremden aus dem Netz oder der KI. Letztere sollte als Spielpartner jedoch mit Vorsicht genossen werden, da die künstliche Intelligenz eurer Schwester oftmals schwer zu wünschen übriglässt.

Während des Tests ist es wiederholt vorgekommen, dass meine Partnerin starke Gegner einfach im Alleingang attackiert hat. Oder mich vor ihren Füßen verbluten ließ, obwohl es die Möglichkeit gibt, einen gefallenen Kameraden wieder auf die Beine zu helfen. Und mein Lieblingsaussetzer: die Schwester, die irgendwo im Nirgendwo herumirrt. Besonders angenehm, wenn zum Weiterkommen beide Charaktere anwesend sein müssen.

Bestenfalls zieht ihr also mit einem Freund in die Schlacht, wofür jeder ein eigenes Bethesda-Konto benötigt. Sollte einer von euch die Deluxe Edition besitzen, kann der jeweils andere jedoch zum Mitspielen eingeladen werden, ohne selbst über eine Version des Titels zu verfügen. Habt ihr auch diese Möglichkeit nicht, könnt ihr immer noch ein offenes Spiel hosten oder per Schnelleinstieg einer fremden Sitzung beitreten.

Das Matchmaking funktioniert in der Regel recht gut und ihr bekommt normalerweise einen ähnlich starken Mitspieler zugeteilt. Charakter- und Waffenfortschritte der Sitzung werden stets gespeichert und es ist jederzeit möglich einem Spiel beizutreten und dieses wieder zu verlassen. Natürlich ist ein Ausflug mit fremden Koop-Partnern deshalb eine Art Lotterie, denn es kann immer passieren, dass ihr wenig kooperative und kommunikative Kameraden erhaltet, die das Spielerlebnis durchaus trüben können.

Typisch Wolfenstein?

Die Tatsache, dass nun zwei Mädels die Reihen der Nazis unsicher machen und nicht mehr ein einzelner, griesgrämiger Supersoldat, ist nur eine von mehreren Änderungen zu vorangegangenen Titeln der Spielreihe. Doch keine Sorge: In seinen Grundfesten spielt sich „Wolfenstein: Youngblood“ wie ein typisches Wolfenstein. Ihr rennt, rutscht und springt durch die Gegnermassen, ballert euch die Seele aus dem Körper und lasst Blut und Körperteile in künstlerischer Perversion umherfliegen.

Neu ist vor allen Dingen die Möglichkeit schleichen zu können. Eure sogenannte Motorrüstung ist sogar dazu in der Lage, die Schwestern für einige Augenblicke lang unsichtbar zu machen. Da die Entfernung von feindlichen Offizieren, die Alarm auslösen und somit Verstärkung in das Gebiet rufen, nun nicht mehr ordentlich auf dem Bildschirmrand angegeben wird, ist eine solche Option sehr nützlich, um Missionen nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

Eine weitere Änderung sind Gegner, die über verschiedene Barrieren verfügen und nur mit einem bestimmten Munitionstyp erledigt werden können. Die Idee an sich ist ziemlich nett, an der Umsetzung hapert es jedoch gehörig. So müsst ihr mitten im Feuergefecht, oft umzingelt von zahlreichen Feinden, erst nachschauen, welchen Munitionstyp der gegnerische Schild verlangt und dann, welche Variante ihr selbst gerade geladen habt.

Dadurch werden die Kämpfe natürlich taktischer und anspruchsvoller, aber an vielen Stellen gleichzeitig unübersichtlich und unnötig chaotisch. Einziges Trostpflaster ist hier, dass ihr fehlende Gesundheit und Rüstung nicht notwendigerweise aufsammeln müsst. Ein Daumen nach oben in Richtung eurer Partnerin sorgt neben einem aufmunternden Spruch zusätzlich für einen gehörigen Health-Boost.

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