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RAGE 2: Blutige Shooter-Action trifft auf offene Welt – Test

Von Philipp Briel - Test vom 15.05.2019 08:50 Uhr
© Bethesda Softworks

id-tensive Action

Hätten die Avalanche Studios „Rage 2“ im Alleingang entwickelt, hättet ihr es mit einem grundsoliden, aber beliebigen Open-World-Shooter zu tun bekommen. Glücklicherweise stammt das Shooter-Gameplay allerdings aus der Feder von id Software, was im Vorfeld natürlich hohe Erwartungen schürte.

Tatsächlich sind es unter anderem die intensiven Feuergefechte, in denen der Shooter brilliert und die letztlich dafür sorgen, dass „Rage 2“ richtig Laune macht. Okay, Walkers Waffenarsenal fällt äußerst überschaubar aus, allerdings überzeugen alle Waffen mit ordentlich Wumms und interessanten Sekundärfeuermodi.

Die meiste Zeit seid ihr mit Maschinengewehr und Schrotflinte unterwegs, die sich – wie nahezu alles andere im Spiel – natürlich mit Upgrades versehen lassen. Neue, noch verrücktere Schießeisen findet ihr in den sogenannten Archen, die über die gesamte Spielwelt verteilt sind. Ein Besuch lohnt sich also immer.

Besonderes Highlight neben der Railgun ist dabei der Graviton-Pfeilwerfer, mit dem ihr eure Feinde auf explosive Fässer oder andere Objekte in der Umgebung katapultiert. Das alles natürlich inklusive zerplatzender Köpfe, abgetrennter Körperteiler und jeder Menge rotem Lebenssaft.

Es ist aber nicht der Gore-Faktor, der „Rage 2“ so gut macht. Tatsächlich fühlen sich die Waffen wuchtig an und das Handling kann auf ganzer Linie überzeugen. Beim Gunplay hat id Software also ganze Arbeit geleistet. Wenn ihr in einem engen Korridor gegen ganze Horden heranstürmender Mutanten antretet und die Schrotflinte zum Glühen bringt, werden wohlige Erinnerungen an „DOOM“ und Co. wach.

Dabei spielt sich der Open-World-Titel fast schon wie eine abgedrehte Comic-Variante des Dämonen-Shooters. Die abwechslungsreichen Waffen sind dabei bitternötig, um gegen die Unmengen an Feinden zu bestehen. Diese überzeugen zwar nicht gerade mit einer guten KI, sind euch allerdings meist zahlenmäßig überlegen.

Zumal die verschiedenen Fraktionen mit unterschiedlichen Panzerungen und Fähigkeiten aufwarten. Bei den Immortal Shrouded handelt es sich beispielsweise um hochtechnologisierte Ninjas, die sich unsichtbar machen können.

Spielerisches Highlight sind aber vor allem die Kämpfe gegen besonders große Mutanten, die gerne mal gewaltige Laserkanonen auf dem Rücken tragen. Glücklicherweise verlassen wir uns in den Kämpfen nicht allein auf unsere Waffen.

Ödland-Superhelden an die Macht

Hier kommen die besonderen Nanotritenfähigkeiten (was für ein bescheuerter Name) ins Spiel, die wir abermals in den Archen erlernen und – wer hätte es gedacht – ebenfalls mit Upgrades versehen dürfen. Bei den ganzen Sammelitems und Komponenten den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach.

Der Dash ermöglicht Ausweichschritte und ist lediglich ganz nett. Deutlich interessanter ist da schon der Slam, der euch mit einer gewaltigen Druckwelle auf den Boden aufschlagen lässt und alles darunter in Schutt und Asche legt. Alternativ schleudert ihr mit Zerschmettern eure Gegner an Wände und andere Objekte. Darth Vader wäre stolz.

In Kombination mit den umfangreichen Talenten und Upgrades werdet ihr so fast schon zu einem übermächtigen Superhelden, was in „Rage 2“ tatsächlich für ein erhabenes Gefühl sorgt. Mit den verschiedenen Fähigkeiten und Waffen herumzuexperimentieren, sorgt nicht nur für mehr Abwechslung, sondern auch für eine Menge Spaß.

Stichwort Spaß: Der steht im Spiel nämlich an oberster Stelle. Vom abgedrehten Gegnerdesign über zahlreiche coole One-Liner, Easter Eggs und Anspielungen oder die mitunter aberwitzigen Animationen, will „Rage 2“ vor allem eine ordentliche Abrissparty feiern. Genau das macht das Spiel so besonders und verleiht ihm einen ganz eigenen Charme.

Aber auch hier gehen die Entwickler nicht stark genug ins Detail, um der namhaften Konkurrenz Paroli zu bieten. Charaktere oder Sprüche, die uns nach dem Durchspielen noch lange im Gedächtnis bleiben, sucht ihr vergebens. Für etliche spaßige Stunden im virtuellen Ödland reicht das aber allemal. Zumindest, wenn ihr ein Faible für Open-World-Spiele habt.

Das Spiel läuft noch nicht ganz rund

Anschließend sei noch erwähnt, dass „Rage 2“ trotz umfangreichem Day-One-Patch noch nicht ganz fehlerfrei über den Bildschirm flimmert. So wurde unsere Konsolenfassung trotz installierter Updates von einigen Bugs heimgesucht.

Beim Erstellen eines Screenshots verschwindet urplötzlich das gesamte Interface samt Fadenkreuz. Mitunter werden wichtige NPCs unsichtbar, während in manchen Dialogen die ansonsten gelungene deutsche Sprachausgabe fehlt. Außerdem wirkt das gesamte Menü, das immerhin Karte, Talentbäume, Missionslog und vieles mehr beinhaltet, äußerst träge und reagiert erst zeitverzögert auf unsere Eingaben. Hier besteht also noch dringender Nachholbedarf.

Liebt Games und Serien auf allen Plattformen. Klemmt sich bevorzugt hinter das Lenkrad virtueller Rennwagen oder erholt sich an den Gewässern offener Spielwelten. Fühlt sich im Auenland aber genauso heimisch, wie in Battle-Royale-Shootern oder der nordischen Mythologie.
RAGE 2 Ego-Shooter Xbox One, PC, PS4
PUBLISHER Bethesda
ENTWICKLER id Software
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