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Heroes of the Storm: Was macht Blizzards MOBA anders?

Von Christian Liebert - News vom 22.05.2014 14:39 Uhr

Mit Heroes of the Storm hat Blizzard derzeit einen Neuling in der Mache, der sich am aktuell erfolgreichsten Online-Genre orientiert: MOBAs. In Multiplayer-Online-Battle-Arenas prügeln sich Spieler auf engem Terrain um die Vorherrschaft auf einer Karte, ganz sportlich. Dabei liegt der wesentliche Kern in der Beherrschung einer einzelnen Figur, dem sogenannten Helden. Nachdem dieser Bereich mit League of Legends und Dota 2 bereits zwei äußerst erfolgreiche Vertreter hat und sich unzählige Mitbewerber tummeln, möchten auch die Mannen von Blizzard hier Fußfassen. Mit frischen Ideen und einem sehr einsteigerfreundlichen Konzept kann sich Heroes of the Storm zumindest auf dem Papier schon etwas abheben. Unsere Vorschau verrät euch mehr.

Das Beste aus allen Universen

Eigentlich ist Blizzards Idee, eine eigene MOBA zu kreieren, schon ein paar Tage alt. Ursprünglich als Blizzard All-Stars geplant, lag das Konzept jahrelang auf Eis, obwohl es bereits erste Videos gab. Dabei wusste man von Anfang an schon, wo die Reise später hingehen soll. Hintergedanke war seit jeher, alle Universen der hauseigenen Spiele, also Warcraft, StarCraft und Diablo, zu vereinen und mit deren namenhaften Persönlichkeiten ein Onlinespiel zu füllen. Kein schlechter Plan, der nun auch endlich in die Tat umgesetzt wird. Auf der BlizzCon 2013 als Heroes of the Storm angekündigt, befindet sich die MOBA, ein Begriff, von dem sich Blizzard gerne trennen würde, derzeit in der technischen Alpha. Glücklicherweise haben auch wir einen Zugang erhalten, weswegen wir die Vorschau mit einigen Spielerfahrungen aufwerten können.

Auf den ersten Blick möchte man direkt vermuten, dass hier nur ein weiter Klon von League of Legends oder Dota vorliegt, was alleine schon witzig wäre, da das ganze Genre immerhin einem Blizzard-Spiel entspringt – von Fans seiner Zeit als eine Mod entwickelt. Aber nein, Blizzard erfindet das Rad an einigen Stellen tatsächlich neu und hat sich auf die Kappe geschrieben, Heroes of the Storm so einsteigerfreundlich wie möglich zu gestallten. Mit Erfolg.

Ein ganzer Haufen Neuerungen

Puh, wo fangen wir da am besten an? Also rein vom Grundgedanken her kennt jeder, der auch nur einmal League of Legends, SMITE oder eben Dota gespielt hat, das Prinzip. Zwei Teams zu je fünf Spielern stehen sich auf einer Karte gegenüber und verteidigen ihre Basis. Ziel ist es also, das Hauptquartier der Gegner zu stürmen und dessen Zentrum zu vernichten. Gelingt dies, ist die Runde gewonnen. So einfach, zumindest in einer Nussschale. Nun hat Blizzard aber ordentlich an den Mechaniken geschraubt und sich Gedanken gemacht, wie man trotz der Konkurrenz auf dem Markt hervorstechen könnte. Das Ergebnis: Alles vereinfachen. So fällt schon zu Beginn recht schnell auf, dass es keine Last-Hits gibt. Ebenso auch keine persönliche Erfahrungsleiste. Jede tote Minion wird dem ganzen Team angerechnet. Erhält jemand aus eurem Team Erfahrungspunkte, zählt das für die ganze Truppe. Das Töten von Spielern, die sogenannten Takedowns, werden, wenn mehrere Team-Mitglieder daran beteiligt sind, auch jedem beteiligten gleichwertig gutgeschrieben. Damit will man verhindern, dass es Rangeleien untereinander gibt und sich jeder besser auf seine Rolle konzentrieren kann. Es macht einfach keinen Unterschied, ob ihr unten eure Lane haltet, während in der Mitte fleißig gegankt wird, ihr profitiert vom taktischen Spiel gleichermaßen ohne Einbußen. Supporter brauchen also keine Angst mehr haben, dass sie nichts vom Kuchen abbekommen.

Logische Frage, die jetzt kommen müsste: Wie ist dass dann mit dem Gold? Ganz einfach, es gibt keins, zumindest nicht für den Gebrauch während einer Runde. Gold gibt es nur als Spielwährung für den Shop, da es aber keine Gegenstände wie Waffen, Rüstungen oder Tränke zu kaufen gibt, erhaltet ihr während einer Partie auch keins. Gerade für Anfänger ist das eine super Sache, denn die sehen bei LoL und Co. nur schwerlich durch den Dschungel an verschiedenen Items und Kombinationen durch. Bei Heroe of the Storm fällt dieser Punkt komplett weg. Ebenso hat Blizzard das Fertigkeiten-System komplett überdacht. Anstatt nach jedem der 19 Aufstiege (Max-Level in einem Match ist 20) Punkte in die Aufwertung euer Skills zu verteilen, gibt es immer wieder Talente, zwischen denen ihr euch entscheiden müsst. Alle zwei Stufen stehen zwei dieser Perks zur Auswahl, ohne Möglichkeit das jeweils verbliebene im Nachhinein hinzufügen. Dementsprechend sind für jeden Helden mehrere Spielweisen möglich, wobei sich die Talente nicht stumpf in Schwarz und Weiß unterscheiden. Manche stärken eure passiven Fähigkeiten wie Abwehr oder Regeneration, werten vorhandene Fertigkeiten auf oder bringen euch neue bei. Mit Level 10 entscheidet ihr euch zusätzlich für eine von zwei Ultimate-Attacken, die bekannterweise der stärkste Skill einer Spielfigur ist. Natürlich wird diese Skillung, ganz typisch für eine MOBA, nach jedem Match zurückgesetzt.

Das sind jetzt schon mal ziemlich viele Neuerungen, doch Blizzard bohrt noch tiefer. Auch die Maps erhalten frischen Wind spendiert, denn davon wird es gleich zum Start des Spiels mehrere geben. Zwar ändert sich am Grundprinzip der Basenzerstörung nichts, es gibt aber immer eine Nebenmission, die wichtig für den Erfolg ist. So könnt ihr auf den Karten neutrale NPCs nach vorherigem Bezwingen auf eure Seite holen, euch in einen mächtigen Draken verwandeln oder nach vorheriger Sammelaktion einen riesigen Golem beschwören. Damit könnt ihr noch mal zusätzlich Druck ausüben und das nicht zu knapp. Gerade wenn ihr ein wenig Übung habt, kommt keine Runde mehr ohne diese Boni aus.

Auch im Aufbau der Maps wurschtelt Blizzard herum und so gibt es wesentlich mehr einzureißen, als bei der Konkurrenz. Neben den bekannten Türmen warten auch Wände darauf, in Schutt und Asche gelegt zu werden, damit euer Team mehr Platz zum Kämpfen hat. Wer Heilung braucht, nimmt sich entweder eine der grünen Kugeln, die Minions fallen lassen, oder stellt sich an einen Heilschrein. Diese befinden sich in Reichweite der eigenen Türme und können natürlich auch zerstört werden. So könnt ihr euren Gegnern den Nachschub abkappen. In Sachen Fortbewegung setzt Heroes of the Storm ganz stilecht auf Mounts, mit dem ihr nach dem Aufsatteln schneller unterwegs seid. Fürs Metzeln müsst ihr aber zuvor absteigen. Das geht aber zum Glück automatisch. Witzig ist gerade dieses Feature, weil zum Beispiel ein mächtiger, und auch nicht gerade kleiner, Illidan auf seinem Pferdchen zum Schreien komisch aussieht.

Der Shop ist kein Flop

Wie mittlerweile ein jeder weiß, ist die Fairness im Item-Shop eines kostenlosen Spiels maßgeblich für dessen Erfolg. Hier scheint Blizzard aber nichts falsch zu machen, denn auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Im Shop gibt es zwei Währungen: Euro und Gold. Gold erhaltet ihr für das Absolvieren von simplen Quests oder für Stufenaufstiege. Allerdings könnt ihr mit dem Gold „nur“ neue Helden kaufen. Wer frische Skins für ein anderes Aussehen oder gleich ein neues (aber nicht schnelleres!) Reittier möchte, muss in die echte Tasche greifen. Dafür habt ihr aber die Möglichkeit, den Gegenstand eurer Begierde vor dem Kauf ausgiebig zu testen.

Auch nett ist die Tatsache, dass echtes Geld erst investiert werden kann, nachdem der Spieler Stufe 10 erreicht hat. So muss jeder erst mal ein paar Runden drehen, bevor er mit Euro um sich wirft. Generell sind die Preise aber erschwinglich, wenn man nicht gerade alle Helden auf einmal kaufen will. Pro Woche stehen außerdem sechs kostenlose Recken zur Auswahl – immer im Wechsel natürlich.

Fazit

Fazit: Für Einsteiger und Fans ein Muss

Böse Zungen könnten behaupten, dass Blizzard viel zu spät erst auf den MOBA-Trichter gekommen ist und nun einfach nur mitschwimmen will. Aber weit gefehlt, denn Heroes of the Storm macht etliche Dinge anders und rüttelt damit kräftig am Genrebaum. Dabei fallen alle Neuerungen positiv ins Gewicht und ergeben Sinn. Nur in Sachen Anspruch bleibt noch eine Frage offen: Was sagen die Pro-Gamer? Zugegeben, die Nebenmission auf den Karten sowie die interessanten Talentbäume geben dem Spiel schon eine eigene taktische Raffinesse. Dafür drückt das Fehlen von Gegenständen oder Runen ganz schön auf die Anfängertube. Während sich Neulinge und vor allem Fans der Blizzard-Universen bereits ausgiebig auf die MOBA freuen dürfen, bleibt abzuwarten, ob Heroes of the Storm den Sprung in den professionellen eSport schafft, den Blizzard ja anstrebt.

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