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Deathloop: Packende Zeitschleifen-Action mit klaren Schwächen – Test

Von Philipp Briel - Review vom 14.09.2021 08:00 Uhr
Deathloop Test / Review
© Arkane Studios/Bethesda

Deathloop, das neue Spiel der „Dishonored“-Schöpfer Arkane Studios, konfrontiert uns zu Spielbeginn zunächst einmal mit dem Bildschirmtod des Protagonisten und lässt uns mit ähnlich vielen Fragezeichen im Kopf zurück, wie Hauptfigur Colt. Dass hinter der Zeitschleifen-Thematik des First-Person-Shooters ein äußerst spannendes Konzept steckt und wir es tatsächlich nicht mit einem klassischen Roguelike zu tun bekommen, ist dabei umso faszinierender. Aber nicht alle Ideen gehen auch wirklich auf, wie unser Test beweist.

Brich den Loop

Die wichtigsten Eckpunkte zur Story von „Deathloop“ haben wir in unserer Vorschau bereits abgehandelt. Daher nochmal in Kürze als Auffrischung: Im neuen Action-Spiel der „Dishonored“-Macher schlüpft ihr in die Haut des Agenten Colt Vahn, der auf der mysteriösen Insel Blackreef in einer Zeitschleife feststeckt.

Segnet ihr im Verlauf des Spiels das Zeitliche, beginnt die Schleife von Neuem und ihr findet euch am anfänglichen Strand wieder. Doch der gute Colt hat überhaupt keinen Bock auf den namensgebenden Loop und versucht, die Zeitschleife zu durchbrechen. Blöd nur, dass die mysteriöse Julianna genau dies zu verhindern versucht und sich immer wieder in unser Spiel einklinkt, um den Loop zu beschützen.

So stellt „Deathloop“ bereits in den ersten Spielminuten die Weichen für einen spannenden Action-Thriller mit einem ungewöhnlichen Twist. Allerdings dauert es ein wenig, bis die Handlung wirklich Fahrt aufnimmt. Doch schon in den ersten Stunden gelingt es dem Titel durch kluge Ideen, die mysteriöse Handlung immer weiter aufzudröseln und euch dank cleverer Kniffe immer wieder an den Bildschirm zu fesseln.

Deathloop Gameplay Spielbeginn
Mysteriöse Texteinblendungen sollen uns verwirren. © Arkane Studios/Bethesda

Denn wie tief ihr in die Story eintaucht und wie detailliert sich die Geschichte vor euren Augen ausbreitet, entscheidet ihr in „Deathloop“ ganz allein durch euer Vorgehen. Damit spricht der Titel ganz unterschiedliche Arten von Spielerinnen und Spielern an, die alle ihr ganz eigenes Abenteuer erleben.

Deathloop: Mehr als nur Dishonored als Roguelike

Durch die Prämisse nach eurem Ableben wieder ganz von vorne beginnen zu müssen, mutet „Deathloop“ auf den ersten Blick wie ein klassisches Roguelike-Abenteuer an – doch der Schein trügt. Ähnlich wie die anderen Titel der französischen Entwickler, lässt sich auch das neue Spiel nur schwer in eine Genre-Schublade einordnen.

Prinzipiell bekommt ihr es mit einem First-Person-Shooter zu tun, in dem ihr aus der Ego-Perspektive auf eine Vielzahl von Schusswaffen zurückgreift, mit denen ihr euren Kontrahenten nach dem Leben trachtet. Ganz so einfach ist die Sache dann aber nicht.

Immerhin gesellen sich im Verlauf des Spiels verschiedene besondere Fähigkeiten hinzu, die einige Parallelen zu den vorangegangenen Spielen des Studios aufweisen. So seid ihr beispielsweise in der Lage, euch unbemerkt hinter einen Feind zu teleportieren oder Gegner mithilfe des Karnesie-Skills einfach durch die Luft zu schleudern.

Diese Talente müsst ihr euch Rahmen der Geschichte allerdings erst aneignen, indem ihr euch den acht sogenannten Visionären entledigt, die quasi als Bossgegner in der Spielwelt tummeln. Der Clou: Ihr könnt den Tag überleben und damit (zumindest in der Theorie) das Spiel abschließen, ohne einen einzigen dieser Visionäre überhaupt zu Gesicht zu bekommen.

Deathloop Gameplay Maschinenpistole
Meist seid ihr mit Waffe und Hackingtool unterwegs. © Arkane Studios/Bethesda

Daraufhin beginnt der Tag von Neuem, denn die Zeitschleife ist ja noch immer intakt. Vielmehr liegt euer Ziel darin, den Loop zu durchbrechen, indem ihr an nur einem Tag alle acht Kontrahenten eliminiert.

Bei jedem Durchlauf erlangt ihr zusätzliches Wissen, wenn ihr mit offenen Augen durch die Spielwelt reist. Es lohnt sich also, jeden Winkel der insgesamt vier großen Areale zu erkunden. Nur so kommt ihr an nützliche Tipps und Hinweise, die euch mehr über die Visionäre und ihre Zusammenhänge preisgeben.

Nach eurem Ableben bleiben euch diese Informationen, sowie sämtliche gesammelten Upgrades, Waffen oder Fähigkeiten erhalten, wenn ihr sie mit der Ressource Residuum anreichert. Das Spiel folgt hier also eher einem Rogue-like-Ansatz, sodass beim Spielen von „Deathloop“ zu keinem Zeitpunkt Frust aufkommt. Vielmehr vermittelt der Titel stets das gute Gefühl, auch aus seinen Fehlern und falschen Entscheidungen etwas gelernt zu haben, was euch am nächsten Tag neue Möglichkeiten eröffnet.

Twelve MinutesTwelve Minutes: Spannender Zeitschleifen-Thriller – TEST

Innerhalb der ersten Spielstunde ließ uns „Deathloop“ ernüchtert zurück: Zu undurchsichtig und wirr schien die Handlung, zu unklar fiel unser Ziel aus. Dieser Eindruck wich allerdings bereits eine Stunde später einer unglaublichen Faszination, denn die Spielwelt steckt voller Details, die derart klug platziert sind, dass uns der Titel nicht mehr losgelassen hat. Immer wieder stellten wir verdutzt fest, dass wir schon abermals länger gespielt haben, als wir es eigentlich wollten. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Dein Spiel, dein Erlebnis

Spielerische Freiheit wird in „Deathloop“ großgeschrieben. Es liegt ganz an euch, ob ihr in klassischer Rambo-Manier mit der Maschinenpistole im Anschlag durch Gegnerwellen fegt, euch mithilfe eurer Hacking-Fähigkeiten die Verteidigungsanlagen der Visionäre zu Nutze macht oder komplett ungesehen an allen Feinden vorbei schleicht.

Alle Ansätze können gleichermaßen zum Ziel führen und sorgen letztlich dafür, dass sich das Spiel für jeden ganz anders anfühlt. Der klassische Shooter-Ansatz klappt dabei nach etwas Eingewöhnung ebenfalls sehr gut, wenngleich die Steuerung etwas unpräzise und behäbig daherkommt.

Deathloop Gameplay Hacking
Signale, Kameras oder Geschütztürme können gehackt und übernommen werden. © Arkane Studios/Bethesda

Dabei greift Colt auf ein umfangreiches Waffenarsenal zurück, das mit Maschinenpistolen, Schrotflinten und Handfeuerwaffen nahezu alles bietet, was man sich nur wünschen kann. Hinzu gesellt sich eine praktische und lautlose Nagelpistole, dank der ihr Gegner ausknipst, ohne eure Position zu verraten. Gleichzeitig lassen sich die Knarren (aber auch Colt selbst) mit verschiedenen Upgrades auszustatten, mit denen ihr den Rückstoß verringert oder mehr Schaden einsteckt.

Alle Waffen überzeugen mit ordentlich Wumms, der vor allem durch die adaptiven Trigger des DualSense-Controllers der PS5 noch realistischer wiedergegeben wird. Die Präzision eines „DOOM Eternal“ erreicht das Spiel hinsichtlich der Steuerung allerdings nicht und es ist offensichtlich, dass der Schleichansatz oft die bessere Wahl darstellt.

Was ist mit der KI los?

Dass es den Feuergefechten auf Dauer doch ein wenig an Dynamik und Spannung mangelt, liegt allerdings an der strunzdummen Gegner-KI des Spiels. Denn Standard-Feinde wie auch Visionäre agieren leider zu keinem Zeitpunkt sonderlich klug und bleiben oftmals unmotiviert an einer Ecke hängen. Gleichzeitig brechen sie die Suche nach euch schnell wieder ab, was die bereits angesprochene Brechstangenmethode zu einem validen Mittel macht, also: Rein rennen, mit der Schrotflinte alles niedermähen, verschwinden und warten bis sich alles beruhigt hat.

Sollte dieser Ansatz dann doch einmal scheitern, gibt es immer noch das Reprise-Feature als Rettungshaken: pro Gebiet dürft ihr zweimal sterben, ohne dass der Loop dabei von Neuem beginnt. Das sorgt dafür, dass ihr irgendwann weit weniger vorsichtig agiert. Wohlwissend, dass ihr euch ohnehin zwei Fehltritte leisten dürft.

Deathloop Gameplay im Schnee
Dank schwacher Gegner-KI stellt euch das Spiel selten vor eine Herausforderung. © Arkane Studios/Bethesda

Schade: Hier gehen die Arkane Studios den ambitionierten Weg nicht zu Ende, weshalb sich die eigentlich spannende und knackige Kernidee viel zu sehr verweichlicht. Selbst im späteren Spielverlauf stellt euch der Titel kaum vor eine echte Herausforderung, alternative Schwierigkeitsgrade werden ebenfalls nicht geboten.

4 Tageszeiten, 4 Gebiete, 16 Möglichkeiten

Doch „Deathloop“ hat leider noch ein weiteres Problem und das liegt in der Spielwelt. Im Verlauf des Spiels besucht ihr nämlich nur vier weitläufige Gebiete, die durch ein sicheres Tunnelsystem miteinander verbunden sind.

Dabei liegen alle Gebiete in jeweils vier Tageszeiten vor, durch die sich die Areale beispielsweise hinsichtlich des Feindaufkommens oder Wetters unterscheiden. So könnt ihr Colts Heimat Updaam am Morgen relativ unbeschwert erkunden, während es des Nachts vor Feinden nur so wimmelt – immerhin schmeißt einer der Visionäre abends eine riesige Kostümparty.

Dieses Konzept ist in den ersten Spielstunden noch durchaus interessant, zumal alle vier Bereiche liebevoll gestaltet sind und vor Details und versteckten Hinweisen nur so strotzen. Allerdings stellt sich schnell massive Ernüchterung ein, denn architektonisch ändert sich nur sehr wenig. Spätestens wenn ihr dem idyllischen Fristadt Rock zum fünften Mal einen Besuch abstattet, weil ihr einen neuen Hinweis auf den Tagesablauf eines Visionärs gefunden habt, nervt das Backtracking irgendwann.

Deathloop Gameplay Hotel Wenjie
Die Gebiete sind ansprechend designt, allerdings gibt es zu wenige. © Arkane Studios/Bethesda

Von all den vielen Möglichkeiten „Deathloop“ zu spielen, laufen ärgerlicherweise alle auf dasselbe Ziel hinaus: Tötet den Visionär beziehungsweise die Visionärin. Natürlich bieten die Entwickler dabei ebenfalls mehr oder weniger kluge Ansätze, abhängig davon, wie viele Hinweise ihr gefunden habt, doch das Hauptziel bleibt immer das gleiche. Wirklich kluge Alternativansätze, wie wir sie beispielsweise aus der „Hitman“-Reihe kennen, suchen wir leider vergebens.

Die vier Level sind zudem durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden, das uns in jeder Mission als Ein- und Ausstiegspunkt dient. Egal ob wir nun ein paar Minuten neuen Hinweisen nachgehen oder Jagd auf zwei der Visionäre machen: am Ende gilt es immer, durch die Tunnel zu entkommen.

Blöd nur, wenn Assassinin Julianna unseren Fluchtweg blockiert. Ab einem gewissen Punkt klinkt sich unsere Haupt-Gegenspielerin (wahlweise KI-gesteuert oder in Form eines menschlichen Spielers) in unser Spiel ein und bläst zur Cole-Jagd. Dieses Feature hat uns ausgesprochen gut gefallen, ändert sich damit doch die komplette Dynamik des Spiels.

Deathloop Julianna Hinterhalt
Julianna macht immer wieder Jagd auf euch. © Arkane Studios/Bethesda

Waren wir zuvor leise schleichend damit beschäftigt, Laufwege der Wachen auszukundschaften und unsere Gegner nach und nach auszuknipsen, werden wir mit Julianna im Nacken selbst zur Beute. Nervös schielen wir um jede Ecke. Hat sich da etwas bewegt? Was war das auf dem Dach? Diese Momente zählen zu den spielerischen Highlights von „Deathloop“ und sorgen für einen unnachahmlichen Adrenalinrausch – besonders wenn ein menschlicher Spieler oder eine Spielerin in die Haut der Meuchelmörderin schlüpft.

Attentat mit viel Stil

Aus technischer Sicht macht „Deathloop“ eine ganze Menge richtig. Vor allem der von der Popkultur der 1960er Jahre inspirierte Artstyle sorgt für frischen Wind. Die vier großen Level sind voller Details und laden dazu ein, selbst die entlegensten Winkel zu erforschen – was sich in neun von zehn Fällen auch tatsächlich lohnt.

Atmosphärisch erinnert der Titel ein wenig an Agentenfilme im Stile von „James Bond“, mit einer gehörigen Prise Science-Fiction. Also ein wenig so wie im elften Bond-Film „Moonraker“. Wobei das Spiel auch den typischen „Dishonored“-Look aufweist und nicht ganz mit aktuellen Grafik-Highlights mithalten kann.

Deathloop Satellitenantenne
Deathloop punktet mit einem stimmigen, detaillierten Look. © Arkane Studios/Bethesda

Dafür läuft das Spiel auf der PlayStation 5 stehts mit butterweichen 60 FPS und in 4K-Auflösung über den Bildschirm. Auf Wunsch sogar mit Raytracing, wenn ihr mit einer halbierten Bildwiederholrate leben könnt. Gleichzeitig liegt auch die Vertonung auf einem sehr hohen Niveau. Angefangen bei der exzellenten deutschen Sprachausgabe bis hin zum stimmigen, treibenden Soundtrack.

Bonuspunkte gibt es zudem für die Einbindung der besonderen Features des DualSense-Controllers. Dank des haptischen Feedbacks fühlt sich jede Waffe in eurer Hand ein wenig anders an, während Audio-Logs und Gespräche über das Funkgerät direkt über den verbauten Gamepad-Lautsprecher wiedergegeben werden, was der Immersion zugutekommt.

Liebt Games und Serien auf allen Plattformen. Klemmt sich bevorzugt hinter das Lenkrad virtueller Rennwagen oder erholt sich an den Gewässern offener Spielwelten. Fühlt sich im Auenland aber genauso heimisch, wie in Battle-Royale-Shootern oder der nordischen Mythologie.
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