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Watch Dogs 2: Unser Test zum Hacker-Abenteuer

Von Franziska Behner - News vom 14.11.2016 15:00 Uhr

Am morgigen Tag, dem 15. November 2016, wird Watch Dogs 2 von Ubisoft offiziell releast. Allerdings halten sich viele Händler nicht an das eigentliche Veröffentlichungsdatum und haben bereits vor dem Wochenende dem Drängen der Spieler nachgegeben und die Versionen herausgegeben – und dabei die Fans alles andere als enttäuscht. Was wir von dem Hacker-Abenteuer halten, verrät euch unser Test.

„Einmal im System, immer im System“

Als cleverer Jungspund Markus Holloway absolvieren wir gleich zu Beginn des Spiels ein Aufnahmeritual für die Hackergruppe DedSec. Wie sollte es anders sein, besteht unsere Aufgabe darin, unbemerkt in ein Gebäude einzudringen und Daten zu extrahieren. Gelingt es uns, werden wir ein Teil der berühmten Bande.


Die Story von Watch Dogs 2 spielt nach den Geschehnissen des ersten Teils. Einige Charaktere aus den Erweiterungen finden sich auch in diesem Ableger wieder. DedSec versucht die Aktivitäten einer korrupten Organisation namens Blume zu stoppen, denn mit dem sogenanten ctOS 2.0 haben sie ein Überwachungssystem geschaffen, das alle gewünschten Informationen aus den Menschen saugen und nach persönlichem Gusto verwenden kann.
Um sie aufzuhalten, entwickelt DedSec eine eigene App, die für alle Menschen im Appstore downloadbar ist. Ziel des Spiel ist es, möglichst viele Follower für sich zu gewinnen, um deren Prozesserorleistung im Kampf gegen Blume nutzen zu können.

GTA V – Kopie?

Am ersten Teil des Hackerspiels wurde oft bemängelt, dass es in einigen Abschnitten versucht hat GTA 5 zu kopieren. Und das leider alles andere als gut. Das hat sich nun komplett gedreht. In Watch Dogs 2 hatten wir die letzten Tage immer wieder das (schöne) Gefühl durch die Straßen von Los Santos in einem der zahlreichen Fahrzeuge zu düsen. Die Straßen und Fußgängerzonen von San Francisco sind belebt und warten nur darauf, von euch entdeckt zu werden.
Optisch hat Ubisoft im zweiten Ableger des Hackingabenteuers im Vorfeld nicht zu hoch gestapelt, was jetzt im fertigen Spiel für Überraschungen sorgt. Strahlende Farben, klare Texturen und ein stetiger Wetter- sowie Tag-und-Nacht-Zyklus lassen das erste Watch Dogs ganz schön alt aussehen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Altes Prinzip, neuer Glanz

Dem Spielprinzip ist Ubisoft dabei treu geblieben: Waghalsige Verfolgungsjagden durch die Stadt und hacken, dass sich die Balken biegen. Doch was im Vorgänger eher schlecht als recht funktioniert hat, entpuppt sich in diesem Teil als abwechslungsreiche Strategiemöglichkeit. Es scheint jedem selbst überlassen zu sein, wie er an eine Aufgabe heran geht.
Wir haben versucht, mit möglichst wenig toten Gegnern an das Ziel zu kommen und die Waffen in der Tasche zu lassen, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert hat.

Im Skillbaum lassen sich für jeden Spielstil die Fähigkeitspunkte anpassen. Wer also, wie wir, die Gegner lieber schleichend ausschaltet, skillt auf Hackingskills an Menschen und Maschinen. Es lässt sich aber ebenso das schnellere Nachladen oder die Schussfrequenz hochleveln. Die Punkte für das Freischalten der Zusatzfähigkeiten verdienen sich relativ einfach im gesamten Spiel mit dem Erfüllen von Haupt- sowie Nebenmissionen. Steigt dabei die Zahl der Follower an, erreicht ihr das nächste Level und erhaltet dafür Fähigkeitspunkte.

Hack mich!

Am rechten, unteren Bildrand ist dauerhaft eine Energieanzeige eingeblendet. Sie zeigt nicht etwa den LP-Stand von Markus an, sondern die Energiebalken die ihm zur Verfügung stehen, um zu hacken. Es empfiehlt sich hier, einige Skillpunkte für dessen Vergrößerung zu investieren.
Jede Hackingaktivität verlangt einen oder mehr Balken der Leiste. Ist sie leer hat Markus keine Möglichkeit mehr, etwas zu manipulieren. Mit der Zeit füllen sich die Balken von allein auf, allerdings ist dafür in Gefechten oder schwierigen Operationen oft nicht die Zeit. Dafür gibt es allerdings einen Trick: Bereits im vorherigen Teil ließ sich das Geld anderer Menschen über ihr Smartphone ganz einfach auf das eigene Konto abbuchen. In Watch Dogs 2 haben einige Menschen die Hackingoption „Dollar“ oder aber „Energie“. So könnt ihr also Gegnern, Passanten und sogar Robotern die nötige Energie zum Hacken abzapfen.

Wer über räumliches Vorstellungsvermögen verfügt, hat bei den Rätselaufgaben in Watch Dogs 2 einen Vorteil. Immer wieder kann Markus nicht einfach so auf das gewünschte System zugreifen, selbst wenn er es an den Security-Leuten vorbei bis zum Server geschafft hat. Entweder fehlt ein Schlüssel, der sich mithilfe der Kameras leicht aufspüren lässt, oder aber die Leitungen sind nicht korrekt verbunden. Es ist dann eure Aufgabe, die Knotenpunkte richtig zu drehen, sodass der Strom ans Ziel fließen kann. Was nach einer einfachen Stromkreisaufgabe aus der Schulzeit klingt, entpuppt sich im Laufe des Spiels zu einem kniffligen Vergnügen auf Zeit.

Von den Energiekosten her sehr teuer, aber auch unbeschreiblich hilfreich, sind die beiden Optionen, den Gegner von anderen Menschen erledigen zu lassen. So habt ihr die Möglichkeit, sofern geskillt, eine falsche Fahndung heraus zu geben. Wenige Augenblicke später wird die Polizei anrücken und die gewünschte Person festnehmen. Meist geht das unproblematisch, besonders aggressive Gegner allerdings verwickeln die Polizei auch in Gefechte.
Außerdem könnt ihr andere Banden dazu anstiften, den Gegner auszuschalten. Im Gegensatz zu den Polizeiaktionen verläuft diese Option meist blutig. Ihr könnt währenddessen im Gebüsch oder hinter einer Mauer versteckt abwarten und zusehen oder das Getümmel und die Verwirrung nutzen, um an euer Ziel zu kommen.

Mit der Drohne am Boden und in der Luft

Im Hackerspace, eurer Zentrale, könnt ihr euch DedSec gebrandete Kleidung kaufen und anders erworbene Outfits anziehen. Außerdem findet ihr dort einen 3-D-Drucker, der euch Waffen ausspuckt, die ihr außerdem noch optisch modifizieren könnt. Doch er kann noch mehr: Mit einem einfachen Klick produziert das Gerät eine fahrende Drohne, mit der ihr, ähnlich wie in Rainbow Six: Siege, in Gebiete eindringen könnt, die sonst schwer zu erreichen sind. Außerdem könnt ihr über sie ganz normal hacken, obwohl ihr nicht im entsprechenden Raum steht.
Später im Game gibt es außerdem noch eine fliegende Drohne, mit der ihr durch die Lüfte düsen könnt. Das eröffnet neue Möglichkeiten und treibt den Spielspaß weiter in die Höhe. Drohnen sind auch im echten Leben ein großer Hit. Diesen Hype hat Ubisoft gut aufgegriffen.

Vorerst kein Multiplayer

Aufgrund des Frühstarts von Watch Dogs 2 müssen sich die Early Birds einigen technischen Problemen stellen. Als wir das Spiel gezockt haben, lief der Onlinemodus noch sehr flüssig, das scheint nun nicht mehr der Fall zu sein. In einer Ingame Nachricht ließ der Entwickler verlauten, dass die Mehrspieler-Option zunächst deaktiviert wurde. Wie lange diese Sperre anhält, ist noch ungewiss. Hinter den Kulissen versuche man allerdings, alles so schnell wie möglich wieder zum Laufen zu bringen. Im Hinblick auf den morgigen Releasetag wäre das auch von Vorteil. 

Unsere News zu diesem aktuellen Thema findet ihr hier.

Die Möglichkeit in das Game eines anderen Spielers einzudringen, erinnert stark an den Vorgänger. Hier ist es wieder das gleiche Prinzip: Ihr müsst versuchen, in einem bestimmten Gebiet den Gegner zu finden, der sich möglichst gut versteckt hat, um Daten herunterzuladen. Schaltet ihr ihn in der vorgegebenen Zeit aus, gibt’s Belohnungen. Andersherum versucht der Gegner natürlich möglichst unauffällig zu bleiben, bis die Aufgabe abgeschlossen ist. Spieler können außerdem mit einer Reihe Zeichen und Bewegungen wie tanzen oder flirten miteinander interagieren.

Kleine Schönheitsfehler

Wir gehen davon aus, dass mit dem ersten Patch nach Release noch einige kleinere Unebenheiten und Fehler ausgebessert werden. So haben wir Männer in San Francisco beobachtet, die durch eine Türe in ein Geschäft kamen und plötzlich eine Aktentasche in der Hand trugen, die sie zuvor definitv nicht in der Hand hielten. Solche aufploppenden Accessoires und generell Texturen fallen immer mal wieder im Spiel auf und verraten sich kurz vorher dadurch, dass der Bereich, in dem sich etwas verändert, für einen Moment aufleuchtet.
Ab und zu, vor allem bei Dialogen mit Nebendarstellern oder bei Sidequests, sind die Texte unten eingeblendet, aber die Sprachausgabe bricht mittdendrin ab. Letzteres ist eher selten aufgefallen, aber dennoch vorhanden.

Wo wir gerade das Thema Dialoge ansprechen:

Was strotzt dieses Spiel vor Charme und Witz! Während im Vorgänger, ja wir müssen einfach immer wieder den Vergleich ziehen, die Dialoge oft etwas zäh und langweilig wirkten, können wir hier kaum aufhören den Gesprächen zu lauschen. Das liegt vor allem an den außergewöhnlichen Charakteren, die alle ihren eigenen Kopf und somit auch das dazu passende Mundwerk besitzen. Besonders die Gesprächskombination aus Wrench und Markus sorgte bei uns immer wieder für Lacher. Die Jungs unterhalten sich über alles was IN ist und Spaß macht. Ihre Geschmäcker, vor allem was Film und Fernsehen angeht, sind sich ziemlich ähnlich und so schauen sie sich gemeinsam begeistert Trailer eines neuen Films an oder unterhalten sich während einer Autofahrt darüber wer gewinnen würde: Alien oder Predator?

Und sogar eine Anspielung auf den (Noch-)US-Präsidenten Barack Obama ist zu finden. Sinngemäß: Wie nennt man einen Schwarzen unter vielen Weißen?  -> Den Präsidenten.

Jetzt fehlt nur noch Snapchat

Ubisoft trifft mit Watch Dogs 2 absolut den Zahn der Zeit. Während sie zuvor nur an der Oberfläche des Themas und der Jugend von heute gekratzt haben, tauchen sie mit diesem Teil absolut in die Materie ein. Die angesprochenen Themen sind auch in kleineren Gesprächen aktuell und orientieren sich an Trends aus der ganzen Welt.

Habt ihr einmal keinen Nerv für das Eindringen in feindliches Gebiet und alle verfügbaren Nebenmissionen bereits abgehakt, bleibt trotzdem noch einiges in San Fracisco zu tun. In eurem Smartphone finden sich einige Apps, die an bekannte Größen der Branche erinnern. Wir werfen hier einfach mal Uber und Instagram in den Raum.
Ihr habt beispielsweise die Möglichkeit, die Einwohner San Franciscos abzuholen und zu ihrem Zielort zu fahren. Dafür gibt es dann meist Konditionen wie „fahre möglichst vorsichtig“ oder „Fahre möglichst schnell an das Ziel“. Kommt ihr am Zielort an, gibt es Belohnungen und eine gute oder auch schlechte Bewertung in der Driver-App. In der ganzen Bay Area sind außerdem Hotspots und Touristenpunkte gekennzeichnet, an denen ihr mit dem Smartphone ein Selfie mit verschiedenen Posen aufnehmen könnt. Dieses lädt sich automatisch in der App hoch, gibt euch Belohnungen im Spiel und einige Kommentare eurer Deadsec-Freunde.
Wenn das nicht aktuell ist, wissen wir auch nicht weiter.

90
Watch Dogs 2 im Test

Fazit und Wertung von Franziska Behner

Fazit Franziska Behner:

Ich bin absolut angetan von diesem Spiel und es ist bisher in meinen Augen eins der Top-Games des Jahres 2016. Das Hacken ergibt endlich mehr Sinn und die Aufgaben mit den Knotenpunkten sind fordernd. Wenn man erst einmal den Dreh raus hat, läuft es dann aber ganz gut. Besonders die Grafik ist deutlich aufpoliert worden und auch wenn die Verfolgungsjagden stark an GTA 5 erinnern, machen sie doch Spaß und fühlen sich nicht wie ein schlechter Abklatsch davon an. Ich hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß mit dem Spiel und werde mich gleich noch ein bisschen aufmachen, mit der Drohne durch die Stadt zu fliegen.

Pro

+Grafik hell und ansprechend
+Interessante Story am Zahn der Zeit
+Lustige Gespräche und Sequenzen
+Gute Hacking-Möglichkeiten

Contra

-Aufploppende Accessoires/Texturen
-Teilweise abgehackte Dialoge
-Gesperrter Multiplayer

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