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Marvel: Wunderbarer Rückblick: 5 Games, an die wir gerne zurückdenken

Von Lucas Grunwitz - News vom 13.07.2019 10:00 Uhr
© Marvel

Es gibt sie wie Sand am Meer: Lizenzvideospiele, die versuchen unsere geliebten Superhelden in ein digitales Erlebnis der Superlative zu verwandeln. Der Gedanke liegt denkbar nahe, denn das Marvel Franchise verkaufte schon damals alles, was sich Fans als auch Gelegenheitsleser je erträumen könnten. Poster, Trinkflaschen, Geschirr – warum dann nicht eben auch Videospiele? Dass sich in den letzten Jahrzehnten einiges an unspielbaren Titeln angesammelt hat, ist klar. Ich stelle euch nun jedoch meine persönliche Auswahl an fünf Marvel-Titeln vor, die aus dieser Masse herausstechen und heute oder zumindest in der Vergangenheit einen wahren Spielgenuss geboten haben.

Spider-Man (2000)

Oh, du schöne Kindheitserinnerung! Für viele Comic-Fans und Besitzer einer PlayStation 1 dürfte „Spider-Man“ aus dem Jahr 2000 ein Meilenstein der Comicvideospielgeschichte sein. Der Titel hatte alles: Actionszenen mit Handlangern, eine ordentliche Auswahl an fiesen Schurken und eine halbwegs gescheite Story – der Titel war zu seiner Zeit womöglich das, was für viele von uns Spider-Man auf der Playstation 4 heute ist.

Rückblickend hat der Titel leider viel von seinem damaligen Glanz eingebüßt: Die Kameraführung ist schrecklich, die Kämpfe wirken steif und die Story entspricht nicht mehr ganz dem heutigen Standard. In dem Moment, in dem Spider-Man vor einem von Carnage besessen Doctor Octopus fliehen muss, fasst man sich doch etwas benommen an den Kopf.

Doch trotz all dieser Makel und dem wirklich grausamen Alterungsprozess lässt sich eine gewisse Bedeutung und Relevanz nicht absprechen. Der Titel war seiner Zeit erfolgreich, zog selbst Gelegenheitsspieler wie auch Comicleser an die Konsole und verhalf Spider-Man so zum Einzug ins Wohnzimmer der Familien in den 2000ern.

Es war der erste größere Videospielableger seit geraumer Zeit und sendete an Entwickler das wichtige Signal, dass auch etwas größere beziehungsweise aufwendigere Videospiele rund um Superhelden finanziell erfolgreich sein können. Darüber hinaus bleibt es auch für mich persönlich ein wichtiger Teil meiner Kindheit und verdient sich damit ohne Zweifel einen Platz in dieser Liste.

Deadpool

Der Videospieltitel Deadpool aus dem Jahre 2013 kennt, was die Meinungsfrage angeht, in den meisten Fällen nur Schwarz oder Weiß. Entweder die Leute lieben den Titel, dessen Humor und Inszenierung oder sie wollen nichts darüber hören und stempeln diesen als weiteres gescheitertes Lizenzprojekt ab.

In Hinblick auf die Gameplay-Thematik handelt es sich bei Deadpool tatsächlich um keinen wirklich herausragenden Titel. Generisch, stumpf und nicht sehr abwechslungsreich sind wohl mögliche Begrifflichkeiten, mit denen sich das Spielererlebnis zusammenfassen lässt.

Dennoch ist dieses Produkt genau das, was vorne auf dem Cover draufsteht: Deadpool. Fans und Gamer schnetzeln sich durch Massen an Gegnern, nicht weil hier besonders innovativ gearbeitet wurde, sondern weil die Art und Weise, wie das ganze Drumherum inszeniert ist, einzigartig ist. Es ist eine der wirklich wenigen Umsetzungen, die den Flair der Comics halbwegs erwischt haben. Der Humor ist quer – nicht jeder mag Deadpool und das versucht dieser Charakter auch nicht zu sein. Wer diesem absonderlichen Stil jedoch etwas abgewinnen kann, findet in „Deadpool“ das Gefühl, dass man einen waschechten Comic zockt. Allein dieser Nervenkitzel verleiht „Deadpool“ (2013) einen verdienten Platz auf dieser Liste.

Marvel Ultimate Alliance (2016)

Für viele ist Marvel Ultimate Alliance (MUA) ein Wegweiser der jüngeren Geschichte für gute Marvel-Spiele. Das im Jahre 2016 entwickelte Spiel ist mittlerweile für die PlayStaion 2, PlayStaion 3, Xbox und Xbox 360 erschienen.

Eingereiht in die Videospielhistorie von Marvel-Titeln befinden wir uns also in einer Zeit, in der wirklich desaströse Lizenzspiele wie „Spider-Man“ (glücklicherweise) nicht mehr erscheinen, doch der Fokus neuerer Games immer noch auf altbekannten Gesichtern liegt. Seien wir ehrlich: Spider-Man ist ohne Zweifel ein Charakter mit viel Potenzial, ein bisschen Abwechslung kann aber auch in der Gameindustrie nicht schaden.

MUA stieß 2016 eine Tür mit frischen Möglichkeiten auf und bot Fans endlich die Möglichkeit in die Rolle vieler Superhelden zu schlüpfen – und das auf der Heimkonsole. Allein die Grundauswahl der Figuren überstieg weit die 20er-Marke, mit systemexklusiven Charakteren ließ sich die Auswahl sogar auf über 30 strecken. Insgesamt blicken wir hier auf eine Inszenierung von über 140 Charakteren.

Das Gameplay ähnelt in der Grundvorstellung zwar Diablo und ist somit ein reines Hack-and-Slash-Fest – mehr muss es an dieser Stelle aber auch nicht sein. Manchmal reicht eben auch der Versuch neue Gesichter einzuführen und wenn wir zur Abwechslung Super Skrull ins digitale Koma schlagen können, ist das doch mal ganz schön.

Spider-Man (2019)

Ein Titel kann es selten allen Leuten recht machen – dennoch ist Spider-Man auf der PlayStation 4 diesem Zustand ungewöhnlich nahe gekommen. Das Superheldenabenteuer des Entwicklers Insomniac Games dürfte für diverse Gamer der große Titel der PS4 gewesen sein – das Schwingen fühlte sich wirklich frisch an, das Kampfsystem ist wunderbar anzuschauen und auch die Story weiß mit einem emotionalen Twist zu überzeugen. Kompletisten störten sich insbesondere zum Ende hin an repetitiven Aufgaben, doch im Gesamtpaket schafft „Spider-Man“ auf der PS4 das, woran so viele Vorgänger gescheitert sind: einen kleinen wahren Hype auszulösen. 

Es zeigt eindrucksvoll, dass Spielentwickler nicht zwangsweise das Rad neu erfinden müssen, um Spieler und Presse zu begeistern. Es ist im Endeffekt also nicht die Frage: Was setze ich um? Sondern vielmehr: Wie setze ich es um? Kämpfen, Quests erledigen, Dinge einsammeln, das haben wir in der Vergangenheit genug gesehen. Doch die Möglichkeit wie Spidey durch die Gegend zu schwingen und tatsächlich den Eindruck zu haben, man sei Peter Parker, verleihen diesem Titel zweifelsohne einen Platz auf dieser Liste.  

Ultimate Marvel vs. Capcom (2011)

Comics sind ein Unterhaltungsmedium, das viel mit Konflikten arbeitet. Emotionale Aufeinandertreffen verschiedener Charaktere, politisches Wirrwarr um heikle persönliche Meinungen und schlussendlich auch der klassische Kampf Gut gegen Böse. Ein Blick in die Videospielhistorie hingegen verrät, dass in den letzten Jahren erstaunlich wenig Beat’em-ups rund um Superhelden erschienen sind.

Das im DC-Universum angesiedelte „Injustice: Gods Among Us“, entwickelt von NetherRealm Studios, dürfte da noch am ehesten im Gedächtnis geblieben sein – Marvel-Liebhaber durften zuvor jedoch auf das im Jahr 2011 erschienene Ultimate Marvel vs. Capcom 3 (UMvC) zurückgreifen.

UMvC fühlt sich nicht unbedingt wie eine super innovative Weiterentwicklung an. Die Grafik erinnert im entferntesten Sinne an „Street Fighter“, die Steuerung ist an manchen Stellen ziemlich unpräzise … Die Liste ließe sich endlos weiterführen, doch es ist diese wirklich gelungene Schlichtheit, die diesen Titel zu einem absoluten Hit auf jeder Abendveranstaltung macht.

Getreu dem Motto: „Einfach zu lernen, schwer zu meistern“, kann sich jeder einen Controller schnappen und loslegen. Dazu kommt, dass selbst der Gelegenheitsspieler diverse Charaktere sowohl aus dem Marvel- als auch dem Capcom-Universum wiedererkennen dürfte und dadurch sofort mit einem altbekannten Gesicht in den Kampf ziehen kann. Oben drauf kommt ein spaßiger 3-vs-3-Modus sowie diverse Sonderregelungen, die sich für das individuelle Spielerlebnis definieren lassen. Für mich bis heute ein Muss bei jeder größeren Veranstaltung.

Fazit

Auffallend ist, dass keiner dieser Titel wirklich revolutioniert hat. Viel zu oft kränkeln Titel mit Referenz zum Marvel-Universum mit ähnlichen Symptomen wie Filmlizenzspiele aus den 2000ern – schlechte Kopien mit wenig frischen Ideen, die einfach möglichst schnell auf den Markt geworfen werden. Auch die hier fünf vorgestellten Titel machen im Kern selten wirklich Neues. Doch sie repräsentieren oftmals eine der seltenen Fälle, in denen ein Marvel-Titel etwas gut macht oder in einer gewissen Art und Weise zumindest Wegweiser für die Zukunft war. Mit Marvel’s The Avengers von Square Enix, das im Jahre 2020 erscheinen soll, wird sich zeigen, ob der von „Spider-Man“ positiv gelegte Trend bestehen bleibt oder ob wir erneut Jahre warten müssen, um einen neuen guten Marvel-Titel zu Gesicht zu bekommen. Sollte es nicht klappen, kann man ohne Bedenken auf die hier fünf vorgestellten Titel zurückgreifen.

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