Mitten in einer Phase großer Umstrukturierungen bei Ubisoft sorgt ein prominenter Ex-Manager für Schlagzeilen: Marc-Alexis Côté, langjähriger Kopf hinter der Assassin’s Creed-Reihe, verklagt seinen ehemaligen Arbeitgeber. Der französisch-kanadische Entwickler fordert dabei rund 930.000 Euro Schadensersatz, weil er sich zu einem Rücktritt gezwungen sieht, nachdem ihm laut eigenen Angaben eine unzumutbare Degradierung angeboten wurde.
Die Klage wurde laut übereinstimmenden Medienberichten am 16. Januar 2026 bei einem Gericht in Quebec eingereicht. Im Zentrum steht dabei der Vorwurf der sogenannten „konstruktiven Kündigung“, also einer faktischen Entlassung durch untragbare Arbeitsbedingungen.
Hintergründe zur Klage
Was wir über Côtés Vorwürfe wissen Marc-Alexis Côté war über zwei Jahrzehnte bei Ubisoft tätig. In seiner letzten Funktion leitete er als Vizepräsident und Executive Producer die Assassin’s Creed-Marke. Diese Rolle übernahm er im März 2022, bevor er im Oktober 2025 überraschend aus dem Führungsteam ausschied.
Ubisoft erklärte damals, man habe ihm eine neue Rolle in der neu gegründeten Vantage Studios angeboten – eine Tochterstruktur, die Ubisoft gemeinsam mit Tencent gegründet hat. Côté lehnte jedoch ab. Kurz darauf meldete er sich auf LinkedIn zu Wort und widersprach der Darstellung, er habe freiwillig gekündigt:
Magischen Merch entdecken! ✨
Zauberstäbe, Deko & Sammlerstücke – jetzt auf Zauberkram.de. 🧙♂️
Ich bin nicht einfach gegangen. Ich blieb an meinem Platz, bis Ubisoft mich bat, zu gehen.
Die jetzt eingereichte Klage geht noch weiter. Darin heißt es, Côté sei gezwungen worden, zwischen einem stark herabgestuften Posten bei Vantage Studios und einem freiwilligen Weggang zu wählen. Da er Letzteres wählte, verweigerte Ubisoft ihm eine Abfindung.
Die Rolle von Vantage Studios
Welche Auswirkungen hatte die neue Ubisoft-Struktur? Die Gründung von Vantage Studios markierte einen strategischen Schritt des Publishers, der mit Tencent über 1,1 Milliarden Euro für eine 25-Prozent-Beteiligung an der neuen Tochtergesellschaft vereinbarte. Ziel der Spin-off-Studios: Mehr Eigenständigkeit für Entwicklerteams, schnellere Entscheidungsprozesse und eine engere Verzahnung mit dem Feedback der Community.
Für Côté allerdings bedeutete das laut Klageschrift einen dramatischen Einflussverlust. Statt weiterhin direkt an CEO Yves Guillemot zu berichten, sollte er künftig unter einem neuen Head of Franchise arbeiten – eine Position, für die er angeblich nicht berücksichtigt wurde, weil sie nicht in Quebec, sondern in Frankreich angesiedelt war.
Juristische Argumentation und Forderungen
Warum spricht Côté von konstruktiver Kündigung? Côtés Anwälte argumentieren, dass ihm keine realistische Alternative zur Kündigung geboten wurde. Der neue Posten sei nicht nur ein deutlicher Karriere-Rückschritt gewesen, sondern auch mit einer erheblichen Entwertung seiner bisherigen Rolle verbunden.
Die Forderungen im Detail:
- Zwei volle Jahresgehälter als finanzielle Entschädigung
- 75.000 kanadische Dollar (rund 54.000 Euro) für immaterielle Schäden
- Aufhebung einer Wettbewerbsverbotsklausel, die seine Jobsuche erschwert
Besonders die Nichtanwendung einer Abfindung sieht Côté als rechtswidrig an. Laut kanadischem Arbeitsrecht kann eine konstruktive Entlassung durchaus dieselben Ansprüche wie eine ordentliche Kündigung nach sich ziehen.
Auswirkungen auf Ubisoft und Assassin’s Creed
Wie könnte sich der Rechtsstreit auf das Unternehmen auswirken? Der Zeitpunkt der Klage ist brisant: Ubisoft befindet sich gerade mitten in einem der tiefgreifendsten strategischen Umbauten der Firmengeschichte. Die Assassin’s Creed-Reihe, die seit 2007 existiert und mehr als 200 Millionen Einheiten verkauft hat, ist das Flaggschiff des Publishers.
Mit der Gründung von Vantage Studios wollte Ubisoft die Entwicklung zentraler Marken wie Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six neu organisieren. Côtés Abgang und die darauffolgende Klage werfen nun jedoch ein kritisches Licht auf die interne Kommunikation und Personalpolitik.
Ob der Rechtsstreit juristisch Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Für Ubisoft bedeutet er jedenfalls nicht nur ein potenzielles finanzielles Risiko, sondern auch einen Reputationsverlust in einer Zeit, in der das Unternehmen ohnehin unter Beobachtung steht – etwa durch das durchwachsene Abschneiden von Star Wars Outlaws.
Wie geht es mit Assassin’s Creed weiter?
Was erwartet uns in Zukunft von Ubisofts wichtigster Marke? Trotz der Turbulenzen geht die Assassin’s Creed-Reihe weiter. Der jüngste Haupttitel, Assassin’s Creed Shadows, erschien 2025 und führte die Marke nach Japan. Die Serie ist bekannt für ihre historischen Settings und die Mischung aus Stealth-, Action- und Rollenspielelementen.
Marc-Alexis Côté hatte maßgeblichen Einfluss auf diese kreative Vision. Wie stark sich sein Abgang auf zukünftige Projekte auswirken wird, ist noch unklar. Ubisoft betont jedoch, dass Vantage Studios als zentrale Kreativschmiede künftig die Richtung der großen Marken bestimmen soll.
Was denkst du über den Rechtsstreit zwischen Marc-Alexis Côté und Ubisoft? Schreib deine Meinung in die Kommentare!





