Der Einsatz von künstlicher Intelligenz bleibt eines der umstrittensten Themen der Gaming-Branche. Während viele Spieler befürchten, dass KI langfristig Künstler, Autoren oder Entwickler ersetzen könnte, sehen manche Studios die Technologie vor allem als Werkzeug für interne Abläufe.
Jetzt hat sich auch Warhorse Studios zu der Debatte geäußert. In einem ausführlichen Interview sprach Prokop Jirsa, Creative Director von Kingdom Come: Deliverance 2, offen über die Rolle von KI in der Spieleentwicklung und warum die Diskussion seiner Meinung nach teilweise übertrieben geführt wird.
KI soll Entwicklern helfen, nicht sie ersetzen
Jirsa machte im Gespräch klar, dass er generierte KI-Kunst für öffentliche Inhalte selbst kritisch sieht. Gleichzeitig betonte er aber, dass KI hinter den Kulissen bereits heute sinnvoll eingesetzt werden könne.
Als Beispiele nannte er:
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- schnellere interne Tools
- Unterstützung beim Programmieren
- temporäre Konzeptgrafiken
- bessere Organisation von Informationen
Gerade bei großen Rollenspielen könne das laut Jirsa Entwicklungszeit sparen und Teams entlasten.
Die KI ersetze aber nicht die eigentliche kreative Arbeit, sondern unterstütze lediglich Prozesse im Hintergrund.
„Viele überschätzen die Möglichkeiten von KI“
Ein zentraler Punkt des Interviews: Laut Jirsa glauben viele Menschen aktuell, KI könne schon bald komplette Spiele entwickeln oder ganze Entwicklerteams ersetzen. Genau das hält er für unrealistisch.
Seiner Meinung nach werde KI zwar langfristig eine wichtige Technologie bleiben, die tatsächlichen Auswirkungen seien aber deutlich weniger radikal, als es der aktuelle Hype vermuten lasse.
Er vergleicht die Situation sogar mit der Dotcom-Blase rund um das frühe Internet: Damals glaubten ebenfalls viele, dass sich innerhalb kürzester Zeit alles komplett verändern würde. Tatsächlich kam der Wandel zwar – aber deutlich langsamer und schrittweiser.
Warum Kingdom Come trotzdem so besonders bleibt
Spannend ist die Debatte vor allem deshalb, weil gerade die Kingdom Come: Deliverance-Reihe stark von ihrer menschlichen Handschrift lebt.
Die Spiele sind bekannt für:
- komplexe Systeme
- glaubwürdige Welten
- bewusst sperrige Mechaniken
- realistische Fortschritte
- ungewöhnlich viel Immersion
Jirsa erklärte im Interview sogar, dass Warhorse bewusst nicht jede „Reibung“ aus dem Spiel entfernen wolle.
Viele moderne Games versuchen laut ihm, Spieler möglichst nie zu frustrieren. Genau das sehe Warhorse aber anders.
Schwierigkeit und Frust gehören zum Konzept
Laut Jirsa entsteht ein großer Teil der Motivation gerade dadurch, dass Spieler Hindernisse überwinden müssen.
Das betreffe auch kleine Dinge:
- endlich ein eigenes Bett besitzen
- einen schweren Kampf gewinnen
- Schmieden lernen
- sich in der Welt zurechtfinden
In anderen Spielen seien solche Momente oft nebensächlich. In Kingdom Come fühlen sie sich dagegen wie echte Erfolge an.
Genau dieses Design macht die Reihe laut Warhorse besonders.
KI bleibt trotzdem ein sensibles Thema
Ganz ohne Kritik kommt das Thema allerdings nicht aus. Zuletzt sorgten Berichte für Diskussionen, wonach ein Übersetzer angeblich durch KI ersetzt worden sei. Gerade solche Meldungen verstärken bei vielen Spielern die Sorge, dass Publisher und Studios künftig immer stärker auf Automatisierung setzen könnten.
Jirsa selbst wirkt im Interview deutlich vorsichtiger. Er beschreibt KI eher als Werkzeug für kleine Hilfen im Alltag und nicht als kreative Revolution.
Der KI-Hype in der Gaming-Branche wächst weiter
Warhorse ist längst nicht das einzige Studio, das mit KI experimentiert.
Die Technologie wird inzwischen unter anderem genutzt für:
- NPC-Dialoge
- Animationen
- Übersetzungen
- QA-Prozesse
- Konzeptgrafiken
- Programmierhilfen
Gerade große Publisher investieren massiv in diesen Bereich. Gleichzeitig wächst aber auch der Widerstand in Teilen der Community.
Viele Spieler wünschen sich weiterhin klar erkennbare menschliche Kreativität statt komplett automatisierter Inhalte.
Warum die Aussagen von Warhorse interessant sind
Die Aussagen von Prokop Jirsa wirken vor allem deshalb spannend, weil sie deutlich differenzierter ausfallen als viele Extrempositionen in der aktuellen Debatte.
Warhorse verteidigt KI nicht als Ersatz für Entwickler, sondern als Werkzeug im Hintergrund. Und genau das dürfte aktuell auch der realistischste Weg sein, wie KI in der Branche eingesetzt wird.





