PLAYCENTRAL TEST Dantes Inferno

Dantes Inferno: Höllisch gut oder Hölle auf Erden?

Von Redaktion PlayCentral - Test vom 16.08.2010 16:50 Uhr

Es ist nicht selten, dass in unserer heutigen Welt alles, was in irgendeiner Art Erfolg hat, massenweise Plagiate nach sich zieht. Ob im Fernsehen, im Kino oder in der Musikbranche, überall werden Erfolgsrezepte abgeguckt, übernommen und neu aufgerollt. So war es auch kein Wunder, dass Spiele wie das hervorragende „God of War“ aus dem Hause Sony schnell Nachahmer finden würde. „Dantes Inferno“ ist bis jetzt der Klon, der sich am eindeutigsten an die Vorlage hält. So steigen wir mit dem Protagonisten Dante Alighieri in die Hölle, das Inferno, hinab um die unschuldige Seele unserer großen Liebe Beatrice zu befreien. Mit ausreichend Déjà-Vu-Momenten gilt es sich der Höllenbrut zu stellen. Gute Kopie oder billiger Abklatsch – wir sagen es euch!

Visceral Games, welche sich zuvor schon für den ausgezeichneten Horror-Shooter Dead Space verantwortlich zeichneten, treten mit „Dantes Inferno“ bewusst in große Fußstapfen. Bereits vor einem Monat machte ein kleiner Kratos-Klon die Runde, in Form von Darksiders aus dem Hause THQ. Hier jedoch weniger fokussiert auf die Kampfkomponente als auf die ausgewogene Mischung aus Dungeon und Kampf. Vor allem Ersteres, so viel stand schon zu Beginn klar, wird es in Dantes Höllenausflug nicht geben. Ob das Spiel trotzdem begeistern kann, mochten Kritiker stets zu bezweifeln.

Was God of War und in diesem Zusammenhang Darksiders mit Dantes Höllentrip gemeinsam haben, ist die epische Geschichte. Was dem Kratos seine Mythologie, ist dem Krieg seine Apokalypse und so begibt sich auch Dante in eine Welt voller Monster und irrer Gestalten. Anders als jedoch bei der Konkurrenz basieren die Grundzüge des Spiels auf dem literarischen Werk „Göttliche Komödie" von, und das ist die große Überraschung, Dante Alighieri. Dieser schrieb vor knapp 700 Jahren das lyrische Werk, aufgeteilt in drei Bücher.

„Dantes Inferno“ greift dabei das erste der Bücher, das Inferno, auf und lässt deren Figuren und beschriebene Höllenzirkel darin auftauchen. Natürlich nehmen sich die Entwickler von Visceral einige Freiheiten in der künstlerischen Ausführung des Spiels, doch die elementaren Bestandteile bleiben erhalten. Da fragt man sich doch, was Herr Alighieri heute dazu sagen würde, dass er in lauter Wohnzimmern die Leute in blitzenden Zauberkisten damit unterhält, dass er Unmengen Monster aufspießt. Doch wehren kann er sich schlecht. Deswegen kümmern wir uns nicht weiter drum, sondern stürzen uns endlich auf das eigentliche Spiel.

Liebeswahn

Wie sagt man so schön, lieber gut geklaut als schlecht gemacht. Eine Faustregel, die auf „Dantes Inferno“ nur all zu gut passen mag. Von der Geschichte her bietet sich uns nicht mehr als Durchschnitt. Unser Dante hat sein Mädchen betrogen, welche allerdings einen Pakt mit Luzifer persönlich dagegen laufen hatte. Schade, denn jetzt ist die gute alte Beatrice tot und verdammt die Braut des Satans zu werden.

Doch Dante wäre nicht Dante, wenn er nicht im kompletten Liebeswahn hinterher stürmen würde, um die Seele seiner Liebsten zu befreien. Dabei wird der ehemalige Kreuzritter in den verschiedenen Zirkeln an so manche selbst begangene Sünde zurück erinnert und trifft auf alte Bekannte. Zwar gibt es am Ende noch eine kleine Wende in der Geschichte, doch wirklich mitreißen, tut diese nicht. Viel Neues wird also nicht geboten.

Doch gehen wir lieber zum Herzstück des Ganzen über. Schließlich wird in dem Spiel nichts so viel wie Blut vergossen. Wer die Demo kennt, der weiß bereits, dass sich unser kleiner Protagonist (wenn wir ihn denn so bezeichnen möchten) gleich zu Beginn mit dem Tod höchst persönlich anlegt, dem seine fesche Sense klaut und mit Vollgas in die Unterwelt düst. Die Sense ist somit unser zentrales Werkzeug in der Dämonenbeseitigung. Ebenfalls in der ersten halben Stunde bekommen wir ein heiliges Kreuz, dass uns dazu dient heilige Energie zu verschießen. Zusammen eine meist tödliche Kombination, wenn unsere Gegner nicht schon längst tot wären.

Ähnlich wie beim guten alten Kratos hat auch Dante schwere und normale Angriffe per Tastendruck auf Lager. Damit können wir bereits von Anfang an einige Kombos vom Zaun brechen. Die anderen zwei verfügbaren Tasten unter dem rechten Daumen dienen dem bereits genannten Heiligen Kreuz für Lichtattacken sowie dem Zweck sich vom Boden abzustoßen, im Volksmund auch oft als „Springen" bezeichnet. Ob Kombos in der Luft, mit Kreuz und Klinge oder später auch mit ein wenig magischem Beistand ist allesamt kein Problem. Auffallen tut allerdings, dass das Kampfsystem bei weitem nicht so tiefgründig ist wie man es sich wünschen würde. Dafür stehen uns einfach zu wenig Kombos zur Verfügung und auch die Aneinanderreihung dieser, ist nicht immer flüssig. Dafür wird das Hirn der weniger betuchten verschont, denn auswendig lernen der Kombos ist wohl kaum nötig. Oftmals bringt einen schon taktvolles Buttonsmashing an das blutige Ziel.

Dennoch ist das, mehr oder minder, überlegte Vorgehen in den Kämpfen empfehlenswert, denn „Dantes Inferno“ offenbart sehr schnell seine größte Schwäche: das Balancing der einzelnen Attacken. In späteren Abschnitten sollte die Sense nicht mehr zwingend die erste Wahl im Kampf sein. Viel stärkere Attacken lassen sich mit unserem Kreuz „verschießen". So kam es vor, dass wir einige Auseinandersetzungen mit purer Sensenkraft kaum meistern konnten, mit dem Kreuz aber bereits nach wenigen Minuten mit kaum einem Kratzer als Sieger hervorgingen. Natürlich ist eine gute Mischung beider Vorgehensweisen der Weg zum Ziel. Wenn aber die Wahl besteht, sollte die Sense öfter mal im Halfter gelassen werden bzw. nur zu Rate gezogen werden, wenn Lichtresistente Magier am Werke sind.

Wem das Standartrepertoire an Kombos nicht ausreicht, der wird schon bald in das Upgradesystem eintauchen. Hier haben wir die Möglichkeit in Kämpfen verdiente Seelen gegen Upgrades einzutauschen. Diese unterscheiden sich in zwei Sparten: Heilig und Unheilig. Wie man selbst mit dem Durchschnitts-IQ eines Rütli-Schülers wohl richtig erfasst, gelten alle unsere Tricks mit dem Kreuz als heilige Attacken. Jegliche Sensenkaspereien können wir in der unheiligen Sparte erweitern. Zusätzlich dazu gibt es ein paar Lebens- und Manaupgrades sowie einige Zauber, in welche wir ebenfalls unsere sauer erkämpften Seelen investieren können. Wer sich an den vorherigen Absatz erinnert, der investiert im Zweifelsfalle eher in heilig als in unheilig.

Getötet sind wir alle durch Gewalt. (Das Fegefeuer, Fünfter Gesang, Vers 18)

Und an dieser Stelle kommt dann auch noch ein weiteres Feature hinzu. Statt wie in God of War geschwächte Gegner einfach nur in kleinen Quicktime-Events auszuschalten, dürfen wir entscheiden, ob wir deren Seele erlösen oder verdammen wollen. Ersteres löst eine Tastenabfolge mit dem Kreuz, die Andere eine durchaus brutalere mit der Sense aus. Somit ist nicht nur der Gegner erledigt, sondern wir erhalten auch Punkte für den Upgrade-Baum (heilig/unheilig je nachdem, ob wir die Seelen erlöst oder verdammt haben), die uns weiterführende Möglichkeiten zum Aufwerten unserer Attacken bieten. In regelmäßigen Abständen findet sich sogar mal eine verlorene Seele alleine auf unserem Weg.

Diese knien zusammengekauert auf dem Boden. Meist handelt es sich dabei um historisch korrekte Personen, die aufgrund ihrer Lebensweise wohl oder übel in der Hölle landen mussten. Es wird der Name genannt sowie eine kleine Zusammenfassung ihrer begangenen Sünden. Abermals liegt es an uns der Seele zu vergeben oder ihr schmerzliche Buße aufzuerlegen. Letzteres ist kurz und nicht minder brutal. Das Spiel scheint allerdings den Weg der Erlösung zu unterstützen, da wir dort in einem (zugegebener Maßen recht uninspiriertem Minispiel) Bonusseelen verdienen können.

Im Allgemeinen ist „Dantes Inferno“ brutal, pervers und verstörend und manchmal sogar alles zusammen. Das gelingt vor allem durch das schaurige Leveldesign, die abscheulichen Gegner und die dichte Atmosphäre, die einen in jedem weiteren Zirkel auf‘s Neue packt. Dabei testen die Entwickler scheinbar auch ihre Grenzen aus. Jedem sei es selber überlassen, ob er es geschmacklos findet auf Babies mit Klingenarmen losgehetzt zu werden.

Diese sind übrigens ungetauft und deswegen nach dem Tod in der Hölle gelandet. Ob dies oder die blutroten Seen aus denen schreiende Köpfe und flehende Hände emporkommen oder aber gekreuzigte und aufgespießte Seelen, die nach Vergebung betteln oder aber ihr sündhaftes Verhalten weiterhin verbreiten, all das schafft ein komplettes, schreckliches Bild der Hölle und somit eine dichte Atmosphäre. Nicht selten möchte man sich damit anfreunden, dass, wenn eine Hölle existiert, sie wahrscheinlich diese abscheuliche Gestalt annehmen könnte. Wohnlich wird es da sicher nie!

Höllenqualen interaktiv

Nicht nur atmosphärisch, sondern auch grafisch vermag der Titel solide Arbeit zu leisten, was vor allem an der detailreichen Darstellung der Höllenkreise liegt. Es ist immer dunkel, verwaschen, blutig und auf eine sehr perverse Art wundervoll geworden. Natürlich erwartet einen mit „Dantes Inferno“ keine Grafikperle, dennoch stimmt das visuelle Gesamtbild und lässt keine Wünsche offen. So auch die höllischen Horden, die uns immer wieder mit ihren Klingen entgegen springen. In beinahe jedem Kreis gibt es einen eigenen Gegnertyp, der neu eingeführt wird. Auf diese Weise erscheinen uns immer schwierigere Kontrahenten, die zudem von Kampf zu Kampf in ihrer Anzahl steigen um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Leider ist bis auf das vereinzelte Einführen neuer Gegner kaum Abwechslung im Kampfgeschehen.

Denn ein neuer Gegner pro Höllenzirkel macht die ganze Kämpferei nicht unbedingt spannender, wobei viele neue Gegner meist bereits bekannten Monstern gleichen und diese einfach nur im Können und der Stärke übertrumpfen. Ärgerlich ist vor allem, wenn diese dann nicht einmal eigene Finishing-Moves zu bieten haben.

Dadurch wirkt das Spiel unnötig repetetiv im Kampfgeschehen. Hier hätten ein paar mehr Höllenmonster gut getan. Zudem geht neben den Kämpfen auch den Höllenzirkeln zum Ende hin die Puste aus. Der letzte Zirkel ist im Prinzip nicht mehr als der finale Bosskampf (der zudem ohne Probleme beim ersten Anlauf zu schaffen ist) und der vorletzte Zirkel ist eine plumpe Aneinanderreihung von Arenakämpfen, die die Eliminierung von Gegnern in einer bestimmten Zeit unter bestimmten Voraussetzungen fordert. Nichtsdestotrotz hat man aber dennoch Spaß bis zum Schluss, auch wenn ein etwas fulminanteres Ende wünschenswert gewesen wäre.

Und dann ist es auch schon soweit, die Geschichte ist durch. Einige Kollegen aus dem Printbereich berichteten über gut zehn bis zwölf Stunden Spielumfang. Das können wir so leider nicht bestätigen. Ein Durchlauf auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad kostet gut sieben bis maximal acht Stunden.

Durch das einmalige Durchspielen werden einige Extras wie der Wiederauferstehungsmodus, der Arena-Modus, ein neues Kostüm und ein neuer Schwierigkeitsgrad freigeschaltet. Der Wiederauferstehungsmodus gibt uns die Möglichkeit das Spiel erneut zu spielen, allerdings mit allen Upgrades, Reliquien und Verbesserungen aus dem ersten Durchlauf. Zudem startet man direkt im ersten Höllenzirkel. Für Leute, die den neuen Schwierigkeitsgrad ausprobieren möchten, definitiv eine gute Idee. Der Rest wird uns nur wenige Augenblicke länger an die Konsole fesseln. Lobenswert ist an dieser Stelle jedoch, dass die Entwickler noch ein wenig Bonusmaterial mit auf die DVD gepresst haben. Zum Beispiel ein Making Of eines Gegnertypes, Artworks und Informationen zu der historischen Person Dante Alighieri. Wer also ein wenig Hintergrundwissen haben möchte, ist gut aufgehoben.

Sauer aufstoßen möchte einem zum Schluss nur eines, und zwar die Preispolitik EAs. Das zeigt sich daran, dass bereits zum Launch des Spiels Seelenpakete zum Kauf bereit standen. Diese reichen von 50 bis 360 MS-Points und bringen euch maximal 5.000 Seelen ein. Ein mehr als sinnloses Angebot, vor allem da mit 5.000 Seelen kaum mehr als zwei, wenn man Glück hat drei Upgrades drin sind, die man im Laufe des Spiels sowieso erreicht hätte. Auch die Worte „Fortsetzung folgt…" am Ende des Spiels lassen auf eine geplante Erweiterung durch wahrscheinlich nicht billige DLCs schließen, denn eine Fortsetzung wurde erst vor Kurzem dementiert. Bei einer solchen bewussten Abzocke kann man nur den Kopf schütteln.

80
Dantes Inferno im Test

Fazit und Wertung von Redaktion PlayCentral

Ganz ehrlich, „Dantes Inferno“ ist weit entfernt davon Kratos die Krone des Genres abzuringen. Dennoch können wir nicht leugnen, dass wir mit „Dantes Inferno“ durchaus Spaß gehabt hätten und wohl auch weiterhin Spaß haben werden. Sicherlich sind die Spielelemente nicht neu, sicherlich haben wir das alles schon einmal irgendwo gesehen und dennoch fühlt es sich zu keiner Zeit schlecht kopiert an. Die Spielelemente passen zusammen, die Atmosphäre und die Geschichte erfüllen ihren Zweck und unterhalten wird der Spieler ohne Pause von Anfang bis Ende. Fans des Genres haben nicht viele Möglichkeiten. Entweder sie warten auf den dritten Teil der God of War-Serie oder aber sie greifen zu. Nicht der Genre-Krösus, aber ein durchaus unterhaltsames Spiel!

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