PLAYCENTRAL PREVIEW Beyond: Two Souls

Beyond: Two Souls: Weltpremiere in Paris

Von Patrik Hasberg - Preview vom 07.10.2013 13:51 Uhr

Eine Woche vor dem offiziellen Release des interaktiven Dramas Beyond: Two Souls luden uns der französische Entwickler Quantic Dream und Publisher Sony zu der Weltpremiere des Titels nach Paris ein. Im Vorfeld trafen wir während einer Pressekonferenz innerhalb des Motion-Capturing-Studios des Entwicklers unter anderem CEO und Chefentwickler David Cage sowie die Hollywood-Stars Willem Defoe und Ellen Page.

Ein unscheinbares, mehrstöckiges Haus inmitten von Paris. Auf den ersten Blick deutet nichts darauf hin, dass hier der französische Entwickler Quantic Dream, der unter anderem für Fahrenheit und Heavy Rain verantwortlich war, seine Büros sowie sein Motion-Capturing-Studio hat. Erst beim Betreten eines Raumes, der mit an die 70 Kameras ausgestattet ist, wird unmittelbar klar, was für ein enormer Aufwand nötig ist, um die Schauspieler in die Rendergrafik eines Videospiels wie Beyond: Two Souls zu versetzen. Innerhalb des beinahe leeren Studios fällt auf, wie schwer es als Schauspieler sein muss, ohne sämtliche Kulissen und nur wenigen Requisiten emotionale Szenen zu spielen und sich wirklich in die Protagonisten zu versetzen.

Ellen Page, die unter anderem im dem Hollywood-Blockbuster Inception mitspielte und Protagonistin Jodie Holmes in Beyond verkörpert, sprach von einer großen Herausforderung ausschließlich in einem solchen Motion-Capturing-Studio zu drehen und lediglich andere Schauspieler vor sich zu haben, die tatsächlich real sind. Auch für Willem Dafoe (Platoon, Spider-Man) war es eine gänzlich neue Erfahrung im Vergleich zu vorherigen Aufnahmen. Zwar gab es auch bei Spider-Man Greenscreen-Technik, allerdings deutlich weniger, als man annehmen würde. Zudem gab es keinerlei Motion-Capturing-Techniken, dafür sehr viele physische Stunts.

Anders als in Videospielen wie beispielshalber Naughty Dogs The Last of Us, die ebenfalls auf die Motion-Capturing-Technik setzen, sehen die Protagonisten in Beyond: Two Souls dem jeweiligen Schauspieler beinahe wie aus dem Gesicht geschnitten aus. Besonders Ellen Page sieht Jodie Holmes zum Verwechseln ähnlich, was dem Spiel zusätzlich einen gänzlich neuen Aspekt verleiht.

Bei solch einem Projekt stellt sich unmittelbar die Frage, wie die Beziehung der Schauspieler zum Thema Videospiele aussieht. Die 26-jährige Ellen Page antwortete auf diese Frage, dass sie früher zwar unter anderem Super Mario, Sonic (und NHL, da aus Kanada) gespielt, nun seit zehn Jahren jedoch keinen Controller mehr in den Händen gehalten habe. Umso beeindruckender sei es für sie, wie sich Technik und Spiele innerhalb dieser Zeit verändert haben und welche beeindruckenden neuen Möglichkeiten es mittlerweile gäbe.

Als Spieler verfolgen wir in zeitlich nicht chronologisch aufeinander folgenden Kapiteln insgesamt 15 Jahre aus Jodies Lebens. Lediglich die achtjährige Jodie wird nicht von Ellen Page, sondern von einer entsprechend jüngeren Schauspielerin gespielt. Dabei ist vor allem die Entwicklung der jungen Frau sowie deren Bindung zum Geist Aiden interessant zu beobachten, der Jodie während ihres gesamten Lebens begleitet und sie regelmäßig vor Gefahren schützt, in gewissen Situationen aber auch unberechenbar ist. In welcher genauen Beziehung Jodie und Aiden stehen, verriet man bisher allerdings noch nicht.

Während der Weltpremiere von Beyond: Two Souls, die eher an die Premiere eines Hollywood-Blockbusters samt rotem Teppich und Stars erinnerte, demonstrierte David Cage vor 2.500 Journalisten, Fans sowie dem gesamten Entwicklerteam bislang noch nicht gezeigte Szenen des interaktiven Dramas und zeigte dabei weitere Einblicke in die Story  sowie in die Entwicklung von Jodie.

Besonders eine Szene ließ durch ihre Inszenierung den riesigen Kinosaal verstummen und erinnerte tatsächlich eher an einen Blockbuster als an ein Videospiel. Aus einem zunächst noch harmlosen Teenager-Geburtstag mit einigen Dosen Bier wird plötzlich eine wahre Katastrophe. Wie Jodie in den jeweiligen Situationen reagiert, ist schlussendlich allerdings euch überlassen. Ein richtiges Ende gibt es im Grunde nicht, genauso wenig kann der Spieler versagen. Es könnte lediglich sein, dass ihr so die eine oder andere interessante Szene verpasst. Mehrmaliges Durchspielen lohnt sich also in jedem Fall. Letztendlich treffen die meisten Stränge der Handlung nach einer gewissen Zeit aber sowieso wieder zusammen.

Wer jetzt wieder genervt an die ein wenig zu oft eingesetzten Quick-Time-Events eines Heavy Rains denkt, dem sei gesagt, dass David Cage verlauten ließ in Beyond deutlich weniger solcher Szenen zu integrieren. Dafür wird weitaus mehr mit dem Analog-Stick des PS3-Controllers interagiert. So müssen wir in entscheidenden Momenten den Stick in die richtige Richtung bewegen, damit Jodie beispielshalber Schlägen von Gegnern ausweicht, wodurch sich Beyond deutlich intuitiver als Heavy Rain spielt.

Fazit:

Okay, zuallererst: Beyond: Two Souls ist ganz klar ein interaktiver Film. Wer selber mehr agieren möchte oder bereits mit Heavy Rain und Fahrenheit nur wenig anfangen konnte, wird auch mit Beyond nicht glücklich. Wem hingegen eine komplexe Handlung und emotionale Protagonisten wichtig sind, der sollte sich die Demo zu Herzen nehmen, denn bereits die demonstriert eindrucksvoll, wie viel Entscheidungsmöglichkeiten Beyond: Two Souls dem Spieler lässt.

Wie gut die Handlung letzten Endes wirklich wird und ob die einzelnen Kapitel schlussendlich ein Ganzes ergeben werden, wird sich wohl erst zum Release zeigen. Was wir aber jetzt schon sagen können, ist dass Quantic Dream und Sony durchaus wissen, wie sie ihre Spiele zu vermarkten haben. Denn Hollywood Stars auf einem roten Teppich plus einem riesigen Kino-Saal beweisen, dass Videospielen längst der Sprung in die Mitte der Gesellschaft gelungen ist.

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