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Watch Dogs: Nie war Zukunft so nahe wie heute

Von Dustin Martin - News vom 03.06.2014 17:00 Uhr

Eine bis in die letzte Ecke vernetzte Stadt, ein Mann mit Schuldgefühlen und seinem Smartphone als endgültige Waffe gegen alles und jeden: Willkommen in Watch_Dogs, der Dystopie aus der Zukunft, die uns noch nie so nahe war. Die Entwickler von Ubisoft versuchen mit dem Spiel eine Geschichte zu erzählen, die irgendwo zwischen Gesellschaftskritik und Familiendrama liegt. Doch klappt das wirklich?

Aiden Pearce hat sich mit den falschen Leuten angelegt. Das weiß er auch – und spürte es am Mord seiner sechsjährigen Nichte. Seitdem versuchte er sich als Rächer einer modernen Gesellschaft, wobei auch dies zu scheitern drohte. Es ist kein Katz- und Mausspiel, das uns Ubisoft mit Watch_Dogs vermitteln will, sondern eine Inszenierung voller komplexer Zusammenhänge, die es in sich hat.

Gelernt hat Aiden nicht aus seinen Fehlern, vielleicht wollte er es auch gar nicht. Denn mit seinen Aktionen, die wir in Form von Missionen durchführen müssen, gerät er nur noch weiter in noch viel mehr Probleme. Die Story handelt also von keinem Helden aber auch keinem Bösewicht – Aiden Pearce ist in Watch_Dogs der einzige Charakter, den man nicht wirklich zuordnen kann. Wie sich zeigen soll, passt dies perfekt in das Setting.

Mit ein paar Tastendrücken auf dem Smartphone – wir schlüpfen nämlich in die Rolle des Herrn Pearce – hacken wir Bankkonten, lesen Nachrichten mit, schalten Ampeln auf Grün, lassen Brücken hoch- und runterfahren und haben die gesamte Stadt mit Überwachungskameras im Blick. Die Entwickler setzten hierbei besonderen Wert darauf, dass alles authentisch und sehr realistisch gestaltet ist – sogar die Sehenswürdigkeiten von Chicago können wir besuchen.

Chicago ist ein gutes Stichwort: Ubisoft Montreal wählte die Großstadt nämlich nicht wahllos aus. Chicago ist eine der meistüberwachten Städte der Welt, die dortige Polizei kann bereits heute via Social Media voraussehen, wo und wann in den Straßen mögliche Straftaten begangen werden. Dies ist in Watch_Dogs ein zentrales Element der Nebenmissionen, die Abwechslung in das Gameplay bringen.

Wir sind Teil der Hackergruppe „DedSec“, die sich gegen das System verschworen hat. Die überall gegenwärtige Überwachungs- und Vernetzungssoftware „ctOS“ spielt dabei eine wichtige Rolle, wenn es nach dem Kollektiv ginge, wäre sie schon längst Geschichte. Auch das kommt uns doch schon bekannt vor und unterstreicht den Realitätsaspekt des Spiels: Ubisoft ließ sich von der realen „Anonymous“ inspirieren, die in den letzten Jahren auf sich aufmerksam machte.

Macht ist in Watch_Dogs das Werkzeug, mit dem wir arbeiten. Es geht um die Macht des ctOS, um die Macht über die Menschen, über die Kameraaugen der Stadt, über das gesamte System. Ob man es glauben mag oder nicht: Wir werden im Laufe des Spiels diese Macht missbrauchen. Es geht um das Ausnutzen der Möglichkeiten einer neuen Gesellschaft, um Erpressung, Neid und Hass. Klar ist: Ubisoft versucht keinesfalls das clever-ironische GTA nachzuahmen, sondern bleibt ernst.

Weiter auf Seite 2: Wie spielt sich Watch_Dogs?

Wie spielt sich Watch_Dogs? Trotz aller Thematik um Überwachungsstaat, Gefühlswelt und Melodramatik ist Watch_Dogs ein klassisches Open-World-Spiel. Wir erledigen Missionen, indem wir Leute beschatten, Orte erkunden, Wege finden und Gegner ausschalten. Mal müssen wir schießen, mal müssen wir uns über die Kameras den Weg freimachen, mal schleichen wir durch feindliches Terrain.

Dabei gelingt es den Entwicklern, den zentralen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren. Wir sind nun einmal Hacker – und so schießen wir nicht nur, sondern lassen durch unsere Hacks auch Stromkästen in die Luft jagen. Wir machen uns über die Kameras nicht nur den Weg frei, sondern hören nebenbei auch Audiologs oder Telefonate mit. Wir schleichen nicht nur durch feindliches Terrain, sondern pingen die Granaten in den Taschen von Sicherheitsleuten an, um diese explodieren zu lassen.

Auch die Stadtkarte, eine Minimap mit allen möglichen Standortmakierungen sowie eine bekannte Waffenauswahl sind Elemente in Watch_Dogs. Wir können uns mit dem mitgenommenen Motorrad, mit dem geklauten Auto, mit der ferngesteuerten Bahn oder auch zu Fuß in der Stadt bewegen. Die Freiheit eines jeden Open-World-Spiels ist uns auch hier gegeben, die Spielmechaniken wie zum Beispiel auch Verfolgungsjagden mit der Polizei oder kriminellen Banden müssten uns alle bekannt vorkommen.

Während wir durch Chicago fahren, schauen uns die Leute nicht besonders an. Sie wissen nicht, wer wir sind. Deshalb unterhalten sie sich auch ganz offen über das neulich geknackte „ctOS“, über doch sehr zwielichtigen Rächer und darüber, wie sie das hübsche Mädchen aus der letzten Nacht überrascht haben. Erfreulich ist, dass die Spielemacher hierbei nur selten mit Vorurteilen zu jonglieren versuchen und uns Nachrichtenverläufe lesen lassen, die witzig statt klischeeartig sind.

Wenn wir einmal keine Lust auf die Story haben, geht es an die zahlreichen Nebenmissionen. Wir spüren dank des Überwachungsnetzwerks potentielle Straftaten auf und verhindern diese – oder warten und rächen uns anschließend am Täter. Nach der erfolgreichen Ausführung einer solchen Aufgabe steigt meist unser Ruf in der Bevölkerung, der den Spielfluss jedoch nicht sonderlich beeinflusst.

Außerdem können wir Aufträge von jedermann annehmen, in denen wir beispielsweise ein paar Autos an ihre Zielorte fahren müssen – innerhalb von kurzer Zeit und ohne die Fahrzeuge in irgendeiner Form zu beschädigen, versteht sich. Für all diese Nebenmissionen erhalten wir Erfahrungspunkte, die uns Fähigkeitspunkte einbringen, mit denen wir unsere Hacking-, Kampf- oder Herstellungsmöglichkeiten erweitern können.

Minigames versüßen uns zudem den Missions- und Story-Alltag in Watch_Dogs. Dabei gefällt der Stil der kleinen Spiele sehr: Carmageddon in einer etwas anderen Form, einem Pixelabenteuer mit Münzsammeldrang oder einem kuriosen Flug von Aiden Pearce: Die Entwickler wollten mit diesen Spielereien doch noch etwas lockeren und teils wohl auch satirischen Spaß mit einbringen.

Weiter auf Seite 3: Über die Grafik und den etwas anderen Multiplayer

Als Watch_Dogs auf der E3 2012 angekündigt wurde, war die Freude groß. Grund: Ubisoft zeigte den Spielern eines der ersten Spiele für die neue Generation. Die Grafik sollte neue Maßstäbe setzen, der Sound sollte besser sein als auf den älteren Konsolen, die Möglichkeiten sollten so komplex sein wie noch nie. Tatsächlich sieht der Open-World-Titel nicht schlecht aus, Chicago und alle Elemente in der Stadt sind detailliert dargestellt.

Die Entwickler haben sich Mühe gegeben, das sieht man. Das Design im Menü aber auch in der gesamten Spielwelt sind passend und leicht verständlich, auch für Anfänger. Trotzdem gibt es Kritikpunkte: In den Zwischensequenzen fehlt es mancher Figur an Mimik, manchmal sogar ganz an der Sprachanimation. Die Anfangsszenen der Missionen sind im gleichen Stil gehalten und lassen uns so fühlen, als machten wir die Aufträge schon zehnmal.

Schade auch: Die Performance und die anschließende Diskussion um die PC-Tauglichkeit des Spiels. Wir selbst haben den Titel auf einem PC – Steuerung mal mit Gamepad, mal mit Tastatur – samt Windows 8.1 und High-End-Grafikkarte getestet, trotzdem gab es teils Aussetzer. Verantwortlich dafür zeichnete sich der AMD-Grafikchip, dessen Update zwar zum Release, für viele Spieler aber nichtsdestotrotz zu kurz kam.

Auf der Konsole macht das Spiel jedoch keine Probleme. Wer eine PlayStation 4 oder Xbox One besitzt, kann Watch_Dogs flüssig spielen. Auch die älteren Konsolen PlayStation 3 und Xbox 360 schaffen das Spiel noch – auch wenn nicht in der glänzenden Grafik der zuvor Genannten. Ein weiterer Pluspunkt: Während des gesamten Testdurchlaufs fanden wir lediglich drei Bugs in Form von Glitches, zur Veröffentlichung war das Spiel also wirklich fertig.

Der Mehrspieler-Modus ist eigentlich gar kein neuer Spielmodus. Die Macher implementierten den Multiplayer in die Solokampagne. So erhalten wir im Laufe einer Gamesession immer wieder Anfragen von Online-Kumpanen. Seltener sind uns dagegen ungefragt Mitspieler in die Welt gekommen, die als „Fixer“ – sprich Konkurrenz-Hacker – andere Spieler ausschalten wollten. Diese galt es nach einer kurzen Anzeige in einem kleinen Radius aufzuspüren und ebenfalls zu eliminieren.

Eine Schattenseite gibt es für diesen Mehrspieler jedoch auch. Auf der einen Seite verhindert es nahezu ein ungestörtes Spielen, solange man die Einstellungen nicht entsprechend ändert. Auf der der anderen Seite war der Mehrspieler über die Hälfte der Testzeit nicht erreichbar, da die Uplay-Server nicht mitspielen. Wer Watch_Dogs auf Steam kauft, muss sich trotzdem bei Ubistoft melden – umständlicher geht es kaum.

Weiter auf Seite 4: Wertung und Fazit zu Watch_Dogs

86%
Watch Dogs im Test

Fazit und Wertung von Dustin Martin

In Watch_Dogs wird alles das zur Waffe gemacht, was die moderne Gesellschaft so modern gemacht hat. Egal ob als Aiden Pearce in Chicago oder als reale Person in Berlin, die immer größer werdende Macht und dessen Nutzung bestimmen immer mehr unser Leben. Ubisoft begann vor über fünf Jahren an der Entwicklung des Spiels – und ahnte nicht, welche Bedeutung die Thematik aus dem Spiel heute einnimmt.

Die Zukunft ist noch nie so nahe wie heute. Trotzdem ist und bleibt Watch_Dogs ein Spiel, das unterhalten soll. Zwischen den klassischen Open-World-Elementen und der zweipoligen Geschichte ist das Hacker-Setting perfekt platziert. An manchen Stellen hapert es jedoch, die Missionen und zentralen Inhalte von Watch_Dogs werden auch durch die große Mühe, die die Entwickler offensichtlich in das Medium investiert haben, nicht wirklich interessanter.

Wenn man das Spiel erst einmal durchgespielt hat, spürt man kein gewaltiges Verlangen danach, Watch_Dogs noch einmal zu starten. Dennoch überzeugen die Charaktere und die gerade wegen der aktuellen Situation realistische Inszenierung über die ganze Strecke hinweg. Das Spiel regt zum Denken an und das ist gut so. Es ist eine gute Gesellschaftskritik inmitten eines Familiendramas. Doch spielerisch setzen die Entwickler keine neuen Maßstäbe. Doch vielleicht wollten sie das auch nicht, wer weiß das schon.

Pro

+Realistische Inszenierung im lebendigen Chicago
+Fokus auf das Hacker-Setting
+Durchdachte Mischung aus Story und Mission
+Authentische Nebencharaktere
+Komische Minigames mit Abwechslungsfaktor

Contra

-#8204;
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