PLAYCENTRAL TEST Pokémon Rot und Blau

Pokémon Rot und Blau: Das Sammelfieber, das niemals endet

Von Yannick Arnon - Test vom 02.03.2016 12:56 Uhr

Es ist tatsächlich schon 20 Jahre her, dass 1996 mit dem Release der ersten Pokémon-Spiele für den Game Boy eine Erfolgsstory ohnegleichen ihren Anfang nahm. Drei weitere Jahre sollten vergehen, bis auch europäische Zocker die Taschenmonster sammeln durften. Zum Jubiläum hat Nintendo die Editionen Rot, Blau und Gelb als Download für die Virtual Console des Nintendo 3DS für die breite Masse verfügbar gemacht. Aber können sich die Klassiker zwei Jahrzehnte später immer noch behaupten?

Bisasam, Glumanda oder Schiggy?

In der Spielwelt koexistieren Menschen und monsterähnliche Wesen, genannt Pokémon. Wilde Pokémon können gefangen werden, um sie in sportlich gemeinten Kämpfen gegen jene anderer Trainer antreten zu lassen. Ihr schlüpft in die Rolle eines ehrgeizigen Teenagers. Sein Ziel: der Allerbeste zu sein, so wie keiner vor ihm war. Wie unzählige andere Trainer in seinem Alter, möchte auch er ein Meister seines Fachs werden, ebenso wie sein langjähriger Rivale. Euer Abenteuer beginnt in einer Stadt namens Alabastia, von der aus ihr die Region Kanto erkundet. Acht Arenaleiter müssen bezwungen werden, bevor euch Zutritt zur Liga gewährt wird. Die Story ist in beiden Editionen identisch, Rot und Blau unterscheidet lediglich, dass manche Pokémon nur in einer der beiden Editionen gefangen werden können. Vor eurer Abreise gibt euch der Forscher Professor Eich eines von drei Starter-Pokémon mit auf den Weg, welches ihr selbst aussuchen dürft. Von ihm bekommt ihr außerdem die Aufgabe, den Pokédex, eine Datenbank aller bekannten Pokémon, zu komplettieren, indem ihr alle 150 bekannten Arten fangt. Aber auch euer Rivale darf ein Pokémon auswählen und fordert euch an Ort und Stelle zu eurem ersten Kampf heraus.

Trefft ihr auf ein wildes Pokémon oder tretet ihr gegen einen anderen Trainer an, wechselt das Geschehen in die Kampfansicht. Bis zu sechs Pokémon können von euch und eurem Gegner in den Ring geschickt werden. Nach klassischer JRPG-Tradition wird abwechselnd angegriffen, alternativ könnt ihr während eures Zuges das Pokémon wechseln oder ein Item benutzen. Haben sämtliche Pokémon eines Trainers all ihre HP verloren, verliert er den Kampf. Der Schlüssel zum Sieg ist die Anwendung des Typenvorteils. Jede Attacke und jedes Pokémon sind einem von 15 verschiedenen Typen zugehörig, welche es gegeneinander auszuspielen gilt. Wasser schlägt Feuer, Feuer schlägt Pflanze, Pflanze schlägt Wasser und so weiter. Manche Pokémon gehören gleich zwei Typen an, sodass ihr mit dem richtigen Angriff doppelten Schaden anrichten könnt. Ein zusätzliches strategisches Element kommt dadurch hinzu, dass ihr mit bestimmten Attacken die Statuswerte eines gegnerischen Pokémon verschlechtert oder es vergiftet, wodurch es mit jeder Runde zusätzlichen Schaden nimmt. Besiegte Pokémon werden nur bewusstlos und können anschließend wieder hochgepäppelt werden.

Der steinige Weg bis an die Spitze

Für jeden Sieg gibt es Geld und XP, die Kämpfe stehen ganz eindeutig im Mittelpunkt des Gameplays und machen den Großteil der Spielzeit aus. Davon werdet ihr einige bestreiten müssen, wenn ihr den Arenaleitern einen Orden abringen wollt. Hat ein Pokémon genug Erfahrungspunkte für einen Levelanstieg gesammelt, kann es nicht nur neue Attacken erlernen, manche entwickeln sich auch permanent in eine höhere Form weiter. Auf eurer Reise erkundet ihr Wälder, Höhlen und sogar den Ozean. Neben Trainern warten hier auch wilde Pokémon auf euch, die erst geschwächt werden müssen, bevor ihr sie mit einem Pokéball fangen könnt. Außerdem geratet ihr immer wieder mit dem Verbrechersyndikat Team Rocket aneinander, das es auf die Weltherrschaft abgesehen hat. In jeder Stadt gibt es ein Pokémon-Center, in dem sich euer Team kostenlos und unbegrenzt oft vollständig heilen lässt. Bis zu sechs Pokémon könnt ihr bei euch tragen, der Rest wird auf einem PC gelagert und lässt sich dort auswechseln.

Pokémon Rot und Blau sind auch für jüngere Semester oder Zocker ohne RPG-Erfahrung geeignet, da das Spielprinzip leicht verständlich ist und es keine große Einstiegsbarriere gibt. Die Laufwege zwischen den Städten sind keine langen Durststrecken und komplexere Dungeons erkundet ihr erst später im Spielverlauf, nachdem ihr bereits ein paar Orden erbeutet habt. In der Regel ist euer Weg linear vorgegeben, etwas Backtracking ist ebenfalls vorhanden. Mithilfe spezieller Items erlernen eure Pokémon besondere Fähigkeiten, sodass ihr Büsche zerschneiden oder auf ihrem Rücken über das Wasser reiten könnt. Auf eurer Reise kommt ihr immer wieder an Punkte, an denen ihr später fürs weitere Vorwärtskommen von diesen Fähigkeiten Gebrauch machen müsst. Für heutige Verhältnisse ist es eine willkommene Abwechslung, nicht an allen Ecken und Enden an die Hand genommen zu werden. Es ist einfach ein erfüllenderes Erlebnis, wenn man eigene Erfahrungen macht. Auch wenn man dadurch auf die harte Tour lernt, dass ein Karpador keine 500 Kröten wert ist.

Schnapp sie dir alle …oder auch nicht

Bei den Veröffentlichungen für die Virtual Console handelt es sich um Abbilder der Releases für den Game Boy, was Vor- und Nachteile hat. Quasi alle bekannten Glitches und Programmierfehler sind auf dem 3DS erhalten geblieben, egal ob ihr beabsichtigt Mew zu fangen oder mithilfe eines Glitch-Pokémon eure Items zu vervielfältigen. Leider gilt das auch im negativen Sinne. So erhöht die Attacke "Energiefokus" nicht wie von den Entwicklern beabsichtigt die Volltrefferquote, sondern reduziert sie. Überhaupt gibt es erhebliche Schwierigkeiten beim Balancing. Pokémon vom Typ Psycho sind etwas übermächtig und mit dem Statuswert "Spezial" sowohl Angriff als auch Verteidigung zu umspannen, war keine gute Idee. Stattdessen hat man sich auf die Multiplayer-Komponente konzentriert, denn für Tauschgeschäfte und Duelle gegen andere Spieler aus Fleisch und Blut lassen sich lokal zwei 3DS-Geräte kabellos miteinander verbinden. Über den Dienst Pokémon Bank werden die Downloads für die Virtual Console übrigens auch mit den neu angekündigten Editionen Sonne und Mond kompatibel gemacht. Damit rechtfertigt Nintendo auch einen Preis in Höhe von 9,99 Euro pro Edition, sonstige Änderungen sind uns nicht aufgefallen. Die Grafik ist immer noch ausschließlich in Grautönen gehalten und wird standardmäßig leicht gestreckt dargestellt, wodurch die Spiele etwas matschiger als gewohnt aussehen. Wenn ihr beim Booten die Knöpfe Start oder Select gedrückt halten, wird der virtuelle Bildschirm mit einem Rahmen verkleinert und die Anzeige etwas schärfer. Beinharte Fans können außerdem durch Halten der Schultertasten und Drücken des Y-Knopfs den Grünstich des Game Boy ein- und ausschalten, um die volle Portion Nostalgie zu bekommen.

Von den Pokémon-Designs der späteren Generationen mag man halten was man will. Nicht bestreiten lässt sich die Tatsache, dass die folgenden Editionen in spielerischer Hinsicht zahlreiche große und kleine Verbesserungen mit sich brachten. Features wie der Wechsel zwischen Tag und Nacht, wahlweise weibliche Avatare oder ein nach Art der Gegenstände sortiertes Inventar sind erst später hinzugefügt worden. Allein die Darstellung der Grafik in Farbe macht bereits einen spürbaren Unterschied. Euer Charakter ist zu Fuß eher gemächlich unterwegs und es vergehen mehrere Spielstunden, bis ihr schließlich ein Fahrrad erhaltet oder direkt in bereits besuchte Städte fliegen könnt. Das Durchspielen der Edition eurer Wahl zu 100% erfordert, dass ihr mit mindestens einer anderen Person Pokémon austauscht, um auch wirklich alle 150 Taschenmonster euer Eigen zu nennen. Ob ihr diese Strapazen wirklich auf euch nehmen wollt, bleibt euch überlassen. Um Champion der Liga zu werden, müsst ihr dies nicht tun und mit Ausnahme einer veränderten Textbox im Gespräch mit Professor Eich gibt es keinerlei Belohnung dafür, wenn ihr den Pokédex vervollständigt habt. Der Spielstand lässt sich nur über die interne Speicherfunktion sichern, die für VC-Downloads üblichen Savestates hat man deaktiviert, damit ihr nach einem Tausch nicht euren vorherigen Spielstand mit dem weggegebenen Pokémon laden könnt. Im Endeffekt spielen sich die beiden Editionen auf dem 3DS genau so, wie man es vom Game Boy gewöhnt ist.

Pokémon Rot und Blau im Test

Fazit und Wertung von Yannick Arnon

Yannick Arnon

Die Releases für die Virtual Console sind keine Remakes, sondern originalgetreue Abbilder der für den Game Boy veröffentlichten ursprünglichen Fassungen. Alles, was die Spiele damals ausgezeichnet hat ist immer noch vorhanden. Leider halten sie technisch nicht mehr mit und insbesondere die monochrome Grafik ist heutzutage alles andere als hübsch. Auf dem Super Game Boy und in Pokémon Stadium haben die Spiele besser ausgesehen.

Man merkt, dass Pokémon Rot und Blau noch aus dem vergangenen Jahrtausend stammen, denn anders als in aktuellen Rollenspielen werdet ihr nicht mit ellenlangen Tutorials zugetextet, sondern begebt euch auf ein Abenteuer, bei dem ihr mit jedem Schritt und jedem Kampf dazu lernt. Trotz des kabellosen Multiplayers wirkt der Preis etwas happig, Pokémon Rot und Blau kosten mehr als das Doppelte, was andere Game Boy-Titel auf der Virtual Console kosten.

Wenn ihr die Spiele bereits für den Game Boy besitzt und die Speicherbatterien noch funktionieren, solltet ihr euch den Kauf überlegen. Zum nostalgischen Schwelgen taugen die VC-Versionen allemal und sind die erstbeste Wahl für Neugierige, die die Ursprünge der Pokémon-Reihe kennenlernen wollen.

Pro

+150(+1) verschiedene Pokémon
+viel Umfang
+motivierende Story
+abwechslungsreich gestaltete Oberwelt
+schneller Einstieg, steile Lernkurve

Contra

-recht teuer
-Kampfsystem zum Teil immer noch unausbalanciert
-technisch nicht mehr zeitgemäß
-Multiplayer nur lokal möglich

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Pokémon Rot und Blau Rollenspiel GB, N3DS
PUBLISHER Nintendo
ENTWICKLER Game Freak
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