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Just Cause 4: Test: Chaos im Paradies

Von Philipp Briel - News vom 05.12.2018 11:28 Uhr
© Square Enix

Und es hat boom gemacht

Natürlich weiß Just Cause 4 selbst, dass diese fummeligen und simplen pseudo-strategischen Elemente auf Dauer kein Garant für Spielspaß sind und auch nicht das, was sich die Spieler wünschen. Just Cause 4 definiert sich über halsbrecherische und völlig durchgeknallte Action, die selbst ein Mission Impossible wie die reinste Kaffeefahrt wirken lassen.

Genau diese Action kommt auch im neuesten Serienteil nicht zu kurz und präsentiert sich dank frischer Ideen noch verrückter und noch beeindruckender, als jemals zuvor. Immerhin dürfen wir jetzt zwei Waffen gleichzeitig mit uns führen, die noch dazu allesamt mit einem abgefahrenen sekundären Feuermodus aufwarten.

Wie wäre es beispielsweise mit einem Scharfschützengewehr, das zielsuchende Raketen abfeuert? Oder einer Windkanone, die unsere Feinde im wahrsten Sinne des Wortes ins Jenseits pustet? Just Cause 4 funktioniert genau dann am besten, wenn wir mit den aberwitzigen Waffen und physikalischen Möglichkeiten herumexperimentieren.

Mit dem Luftheber unseres Enterhakens heften wir Ballons an alle möglichen Objekte, die sich kurz darauf in die Lüfte erheben oder aktivieren die zuvor verknüpften Schubraketen, um einen LKW zu einer tödlichen Rakete umzufunktionieren.

Wer die Open World-Sandbox als kreativen Tötungs- und Zerstörungsspielplatz ansieht, wird mit dem Spiel sicherlich seine Freude haben. Im Vergleich zu den meisten aktuellen Open World-Spielen fällt dabei jedoch sehr schnell auf, dass die grundlegenden Spielmechaniken äußerst simpel gestrickt sind und nicht einmal ansatzweise so gut funktionieren, wie beispielsweise in einem Far Cry 5.

KI ist ein Fremdwort für die meisten Gegner, die mitunter einfach in unser Feuer rennen, ohne auf uns zu reagieren oder uns den Rücken zuwenden. Besonders in den Missionen unter Zeitdruck wirkt die Steuerung zudem überladen: In der Hitze des Gefechts ist es nicht selten passiert, dass wir im falschen Moment den Enterhaken gezückt und den Fallschirm geöffnet haben. Außerdem spielen sich die klassischen Schießereien mangels Trefferfeedback und unpräziser Steuerung äußerst chaotisch.

Ähnlich verhält es sich mit der Fahrzeugsteuerung: Zwar dürfen wir auf Motorräder, Minivans, Flugzeuge oder Hubschrauber zurückgreifen, um schneller von Punkt A nach B zu gelangen, doch dank des fummeligen Handlings macht das nur wenig Spaß. Spielerische Abwechslung und variantenreiche Missionen gehören ebenfalls nicht zu den Stärken von Just Cause 4.

Fortbewegung nach Rico-Art

Am schnellsten kommen wir immer noch voran, wenn wir auf Ricos vielfältige Gadgets zurückgreifen. Während wir durch die abwechslungsreichen Gebiete der Insel laufen, visieren wir einfach einen Punkt mit unserem Greifhaken an, aktivieren per Knopfdruck den Fallschirm um uns in die Höhe zu katapultieren und fliegen dann mit dem Wingsuit nach unten, um unsere Geschwindigkeit zu erhöhen.

Bereits nach kurzer Eingewöhnung reisen wir im Eiltempo durch Solis, ohne auch nur einmal den Boden zu berühren. Das macht Laune! Zumal der gute Rico ziemlich hart im Nehmen ist und selbst eine unsanfte Landung aus 50 Metern Höhe nicht zwangsläufig zu unserem Bildschirmtod führt.

Ansonsten ist der ehemalige Agent allerdings ziemlich steif in den Hüften. Wir können weder Sprinten, noch Ausweichrollen durchführen, geschweige denn hinter Objekten in Deckung gehen. Dadurch verkommen die Schusswechsel zu simplen Run-and-Gun-Ballereien, die dank statischer Animationen und seltsamer Ragdoll-Physik niemanden vor dem Ofen hervorlocken.

Vielmehr Spaß macht es da, wenn wir mit unserem Enterhaken Chaos stiften und ganze Landstriche verwüsten. Immerhin können wir unser Gadget durch das Absolvieren verschiedener Nebenmissionen sogar in drei Bereichen aufwerten. Zugmotor, Luftheber und Schubrakete lassen sich upgraden und miteinander kombinieren, sofern wir in den Nebenaufgaben entsprechende Punkte gesammelt haben. Über das Steuerkreuz können wir jederzeit schnell zwischen drei Konfigurationen wechseln.

So viel Spaß das Herumexperimentieren auch macht: Für die größtenteils eintönigen Aufgaben benötigen wir diese Optionen nicht. Vielmehr müssen wir immer wieder Stromkästen oder  -generatoren öffnen oder Schalter mithilfe des Zugmotors umlegen.

Die meisten Missionen bestehen daraus, Steuerungskonsolen ausfindig zu machen, gegen schier unendliche Wellen von Gegnern auszuharren, während wir ein Terminal hacken oder die überall verstreuten explosiven Fässer dazu verwenden, einen unterirdischen Bunker aufzusprengen. Nein, ein abwechslungsreiches Missionsdesign hat Just Cause 4 wahrlich nicht zu bieten. Spätestens nach zehn Spielstunden haben wir gefühlt alles schon einmal gesehen.

Zumal dieser Zwang, das Spielgeschehen immer wieder auf einen kleinen Bereich zu beschränken, nicht nur unnötigerweise das Spieltempo herausnimmt, sondern uns auch in lästige Feuergefechte verstrickt, die dank hakeliger Steuerung und fehlender Optionen einfach nicht zu dem passen wollen, was Just Cause 4 auszeichnet.

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