
Rund um Grand Theft Auto VI kommt Rockstar Games weiterhin nicht zur Ruhe. Nachdem im Oktober 2025 mehr als 30 Mitarbeiter in mehreren Studios in Großbritannien und Kanada fristlos entlassen wurden, wächst der öffentliche und politische Druck auf das Entwicklerstudio. Bis heute hat Rockstar laut Kritikern keine überzeugende Erklärung geliefert, die den Vorwurf der gezielten Gewerkschaftsbekämpfung entkräften könnte.
Entlassungen ohne Vorwarnung – Fokus auf Gewerkschaftsmitglieder
Wie bekannt wurde, waren sämtliche gekündigten Mitarbeiter Teil eines privaten Discord-Kanals, der der gewerkschaftlichen Organisation diente. Laut der Independent Workers’ Union of Great Britain (IWGB) handelte es sich bei den Betroffenen entweder um aktive Gewerkschaftsmitglieder oder um Beschäftigte, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen wollten.
Die Muttergesellschaft Take-Two Interactive erklärte zunächst, die Entlassungen seien ausschließlich wegen „schweren Fehlverhaltens“ erfolgt. Konkrete Belege oder detaillierte Erläuterungen blieben jedoch aus – ein Umstand, der schnell Zweifel an dieser Darstellung aufkommen ließ.
Vorwurf: Union Busting statt Fehlverhalten
IWGB-Präsident Alex Marshall sprach in einer Stellungnahme von einem der „dreistesten Fälle von Union Busting in der Geschichte der Spieleindustrie“. Die Entlassungen seien ein direkter Angriff auf grundlegende Arbeitnehmerrechte und stünden sinnbildlich für den Umgang großer Publisher mit ihren Beschäftigten.
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Erst nach wachsender Kritik präzisierte Rockstar seine Vorwürfe und erklärte, die entlassenen Mitarbeiter hätten vertrauliche Informationen in einem öffentlichen Forum verbreitet. Laut Gewerkschaft handelt es sich dabei jedoch um eine Verdrehung der Tatsachen: Die Gespräche hätten in einem geschützten, nicht-öffentlichen Raum stattgefunden, in dem ausschließlich Rockstar-Mitarbeiter und Gewerkschaftsvertreter anwesend gewesen seien – ein Bereich, der nach britischem Recht besonders geschützt ist.
Proteste, Klage und politisches Interesse
Die IWGB leitete im November formelle rechtliche Schritte gegen Rockstar ein, nachdem das Unternehmen Gespräche mit der Gewerkschaft verweigert hatte. Parallel dazu kam es zu Protestaktionen vor den Londoner Büros von Take-Two, die sich später auch auf Städte wie Paris und Edinburgh ausweiteten. Über 200 Rockstar-Beschäftigte unterstützten die Forderung nach Wiedereinstellung der entlassenen Kollegen mit offenen Briefen an das Management.
Der Konflikt erreichte schließlich auch die britische Politik. Mehrere Abgeordnete äußerten Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens. Selbst Premierminister Keir Starmer bezeichnete den Fall öffentlich als „zutiefst besorgniserregend“ und betonte, dass das Recht auf gewerkschaftliche Organisation uneingeschränkt geschützt werden müsse.
Nach Gesprächen mit Rockstar-Vertretern zeigten sich Parlamentarier weiterhin skeptisch. Es sei weder klar geworden, welches konkrete Fehlverhalten vorlag, noch ob das Vorgehen mit dem britischen Arbeitsrecht vereinbar gewesen sei.
Rockstar bleibt bei seiner Darstellung
Trotz anhaltender Kritik hält Rockstar an seiner Version fest. In weiteren Stellungnahmen ist von der Weitergabe sensibler Informationen zu unveröffentlichten Spielinhalten die Rede. Die Gewerkschaft weist diese Vorwürfe erneut zurück und spricht von widersprüchlichen Begründungen, die nachträglich konstruiert würden, um die Entlassungen zu rechtfertigen.
Kein neues Kapitel, sondern ein altes Problem?
Die Affäre reiht sich in frühere Kontroversen um die Arbeitskultur bei Rockstar ein. Bereits 2018 sorgten Berichte über massiven Crunch und sogenannte „Death Marches“ für Schlagzeilen – Probleme, die das Studio in den Folgejahren angeblich in den Griff bekommen wollte.
Nun steht Rockstar ausgerechnet im Vorfeld des heiß erwarteten GTA-6-Releases erneut im Zentrum eines Arbeitskonflikts. Ob die Vorwürfe juristisch Bestand haben und welche Konsequenzen daraus folgen, dürfte nicht nur für Rockstar, sondern für die gesamte Games-Branche richtungsweisend sein.




