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Dying Light 2 - Das sagen die Entwickler zur deutschen Indizierung und Brutalität im Spiel

Von Lucas Grunwitz - Interview vom 29.09.2019 - 14:00 Uhr
Dying Light 2 Screenshot
© Techland / PlayCentral-Bildmontage

PlayCentral: Fantasie" ist ein sehr interessantes Wort, das du benutzt. Also für mich ist Fantasie so etwas wie eine Vorstellung in meinem Kopf, wie etwas in der Zukunft sein kann oder sein könnte. Aber glaubst du im Allgemeinen, dass diese Art von Fantasie die Bereitschaft der Spieler beeinflusst, im wirklichen Leben Gewalt anzuwenden?

Tymon: Auf keinen Fall. Ich habe nicht die Zeit, konkrete Argumente für diese Frage zu liefern. Viele Menschen, die diese Zeit haben und über die Methodologie und das Wissen verfügen, wie man den Einfluss von Medien auf das menschliche Verhalten messen kann - sie haben versucht zu testen, ob es einen Zusammenhang zwischen brutalen Spielen, brutalen Filmen, brutalen Fantasien und brutalen Verhaltensweisen gibt. Ich habe keine Präsentation gesehen, die besagt, dass es mit 100%iger Sicherheit, einen direkten Zusammenhang gibt.

Es gibt Analysen und Forschungen, die sagen, dass es einen Zusammenhang geben könnte, aber es gibt auch viele andere, die sagen, dass es absolut keinen Zusammenhang gibt. Und es gibt auch andere, die sagen, dass wenn Menschen spielen und mit dieser Art von Medien interagieren, sie tatsächlich weniger brutal sind. Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass es diesen Zusammenhang gibt. Es gibt Menschen auf dem Planeten, die vielleicht eine gewisse Neigung zur Brutalität haben, aber ich denke, alles kann das auslösen, und es spielt keine Rolle, ob es „Dying Light" oder „The Witcher" ist. Ich glaube also nicht an den direkten Zusammenhang. Absolut gar nicht.

PlayCentral: Aber wie glaubst du, senkt der Einsatz solcher Medien die Gewaltbereitschaft? Ist es so etwas wie "Ich kann meine Fantasie in diesem Videospiel leben und werde sie daher weniger wahrscheinlich im wirklichen Leben einsetzen, weil ich sie bereits in dem Videospiel verwenden konnte"?

Tymon: Noch einmal dasselbe. Ich bin kein Experte.

© Techland

PlayCentral: Ich bin an deiner persönlichen Meinung interessiert.

Tymon: Es gibt eigentlich eine ziemlich direkte Verbindung. Wir können sagen über die Menschheit, was wir wollen. Im Moment können wir sagen, dass wir schöne Kleidung tragen, dass wir in schönen Restaurants essen und Gabeln und Messer benutzen, aber die Menschheit hat eine Geschichte. Und die Geschichte der Zivilisation ist leider auf brutalen Dingen aufgebaut. Über Kriege, über das Töten von Menschen und über Eroberungen. Diese dunkle Seite ist beim Menschen im Allgemeinen vorhanden. Wie alles, was wir jetzt tun, wenn du versuchst zu verfolgen, warum wir uns so verhalten, wie wir es gerade tun, wie wir das andere Geschlecht anziehen, wie wir auf verschiedene Gefahren reagieren - du kannst all diese Reaktionen bis in prähistorische Zeiten zurückverfolgen.

Wenn wir also auf etwas Lärm in einer bestimmten Weise reagieren, dann, weil das vor Tausenden von Jahren unsere Vorfahren getan haben. Außerdem gehe ich davon aus, dass der brutale Aspekt des Menschen noch irgendwo in unserem Bewusstsein, in unserem Körper verankert ist. Vielleicht können wir also bei der Interaktion mit dieser Art von Inhalten tatsächlich eine Forme der Befriedigung dieser Instinkte erhalten. Aber das sind nur Spekulationen. Ich bin überhaupt kein Experte auf diesem Gebiet.

PlayCentral: Dann vielleicht ein bisschen Abseits vom Thema Gewalt. Worüber wir bereits gesprochen haben, ist die Wahrnehmung, dass Videospiele dieses gewalttätige Verhalten verursachen, wenn etwas [in den Medien] passiert. Aber glaubst du, dass es eine differenzierte Sichtweise auf brutale Videospiele und Filme gibt? Es gibt auch gewalttätige Filme. Es gibt mehrere brutale Filme, die von der FSK veröffentlicht wurden, die nach meinem persönlichen Verständnis manchmal noch brutaler sind, als Videospiele es je sein könnten. Aber es scheint, dass die Filme nicht so streng bewertet werden wie Videospiele. Glaubst du, es gibt einen Unterschied und wenn ja, warum?

Tymon: Ich bin Game Designer, also schaue ich mir alles durch die Linse der Mathematik und einiger Regeln an. Ich denke, es kann intensiver sein, muss es aber nicht sein. Es hängt alles vom Vorstellungsvermögen ab. Es kann extrem brutale Szenen in einem Film geben und als Game Designer würde ich sagen, das gibt dir zehn Punkte auf der Skala der Brutalität. Und es kann einige weniger gewalttätige Szenen und Fantasien in Videospielen geben und das gibt dir, sagen wir mal, drei Punkte. Aber ich glaube eigentlich, dass Videospiele ein intensiveres Medium sind als Filme. Es hängt alles davon ab, was im Film passiert und was im Spiel passiert.

Aber ja, ich glaube, dass Spiele stärkere Emotionen in dir wecken können. Und leider sind viele dieser Emotionen in Spielen die Wettbewerbsbereitschaft sowie die Bereitschaft NPC-Charaktere zu töten. Ich würde gerne mehr Spiele haben, die tatsächlich verschiedene Emotionen in dir hervorrufen, wie Liebe oder die Fürsorge für andere Menschen und dankbarerweise gibt es Spiele, die das tun. Viele, sehr interessante Spiele. Aber Ich glaube, wenn man mit dieser Art von Medium interagiert, sind die Gefühle, die man bekommt, stärker. Es ist der ganz einfache Grund, dass man interaktiv damit beschäftigt ist und man die Auswirkungen des Geschehenen auf dem Bildschirm persönlich spüren kann.

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