PLAYCENTRAL TEST Rocksmith 2014

Rocksmith 2014: Der steinige Weg zum Rock

Von Yannick Arnon - Test vom 19.11.2013 11:23 Uhr

Es gibt viele Gründe dafür, ein Instrument zu erlernen. Doch wie fängt man am besten damit an? Letztes Jahr veröffentlichte Ubisoft die Musik-Simulation Rocksmith, zusammen mit dem verlockendenden Versprechen, mithilfe des Titels spielend die hohe Kunst der Gitarre erlernen zu können. Während andere Publisher das Genre bereits abgeschrieben haben und es keine Lebenszeichen von Guitar Hero und Rock Band zu hören gibt, kommt Rocksmith 2014 noch einmal für eine Zugabe auf die Bühne und will euch zugleich Gitarrenlehrer, Proberaum und Bandkollege sein.

Rock'n'Roll Highschool

Für Rocksmith 2014 benötigt ihr eine Gitarre oder einen Bass mit einer Buchse zur Tonabnahme, die in allen handelsüblichen Instrumenten dieser Art verbaut ist, sowie ein spezielles Kabel zur Verbindung mit eurer Konsole bzw. eurem PC. Das Spiel ist in drei verschiedenen Ausführungen erhältlich: Einmal nur als Disc, als Hauptspiel mit einem Kabel sowie in einem Bundle, das aus Spiel, Kabel und einer Gitarre besteht. Gerade für Anfänger können die damit verbundenen Kosten eine erste Einstiegshürde darstellen, zumindest dürfen die zusammen mit dem Vorgänger gekauften Kabel weiterverwendet werden. Dementsprechend benötigt ihr auch für den Multiplayer ausreichend Equipment, das kann ganz schön was kosten.

Habt ihr die Klampfe eingestöspelt und das Spiel gestartet, müssen zunächst ein paar Einstellungen vorgenommen werden. Unter anderem werdet ihr darum gebeten, eine Selbsteinschätzung eurer Fähigkeiten vorzunehmen und zu entscheiden, ob ihr lieber Lead-Parts oder Rhythmus-Gitarre spielen wollt. Natürlich seid ihr nicht für immer an diese Entscheidungen gebunden und könnt sie zu gegebener Zeit ändern. Wer sich nun als Noob voller Vorfreude in einen der 55 verfügbaren Songs stürzt und losrocken will, wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Rocksmith 2014 wird euch nicht binnen weniger Spielstunden in einen Meister vom Kaliber eines [Name eines beliebigen Gitarristen] verwandeln. Das schafft ihr nur mit Anstrengung und viel Übung. Es vergehen womöglich ganze Wochen oder Monate, bis ihr einen der enthaltenen Songs fehlerfrei spielen könnt. Aus den eigenen Fehlschlägen zu lernen und nicht aufzugeben, ist das Leitmotto jedes werdenden Gitarristen.

Also werden zunächst kleinere Brötchen gebacken, dabei helfen euch die zahlreichen enthaltenen Videos. In über 80 Tutorials wird euch gezeigt, wie ihr mit dem Instrument umgehen solltet und worauf ihr beim Spielen achten müsst. Die komplett eingedeutschten Filmchen reichen von fast schon banalen Hinweisen zur Befestigung des Gurtes, wie man einen Akkord greift und anschlägt, bis hin zu fortgeschrittenen Spieltechniken wie Hammer-Ons/Pull-Offs und Bends. Habt ihr die vorgeführte Übung korrekt befolgt, bekommt ihr sofort Lob zu hören, das erhält die Motivation aufrecht. Nachdem ihr ein paar Stunden in diese Tutorials investiert habt, dürftet ihr bereit sein, euch an einen der Songs heranzuwagen. Die Tracklist stellt einen Querschnitt durch über 50 Jahre Rockmusik dar und bietet einen ausgewogenen Mix aus Klassikern bis hin zu neuen Stücken. Auch genremäßig haben die Entwickler eine abwechslungsreiche Auswahl getroffen.

Bei der Mischung aus Interpreten wie Queen, Foo Fighters, den Rolling Stones und Slayer dürfte für jeden etwas dabei sein. Anfänger sollten sich vielleicht mit einfacheren Songs wie "Blitzkrieg Bop" von den Ramones oder "Say It Ain't So" von Weezer herantasten, bevor man sich an Metal-Stücken versucht. Erweitern lässt sich die Tracklist mit kostenpflichtigen DLC-Songs, außerdem kann die Tracklist des Vorgängers gegen eine Gebühr importiert werden. Je nach Song muss die Gitarre umgestimmt werden, zum Beispiel für Drop D oder Eb-Tuning. Natürlich ist in Rocksmith 2014 auch ein Stimmgerät enthalten, jedoch macht der integrierte Tuner einen etwas unpräzisen Eindruck. Mit einem externen Stimmgerät seid ihr vermutlich besser beraten, auch wenn das weitere finanzielle Ausgaben bedeutet.

Guitar Hero war gestern

Bevor ihr einen Song startet, stellt euch Rocksmith diverse Übungen zur Auswahl, die ihr zunächst absolvieren solltet. Je nachdem, wie ihr euch darin geschlagen habt, werden eure Fähigkeiten erneut bewertet und es kommen anspruchsvollere Trainingseinheiten hinzu. Beispielsweise muss ein Intro oder ein Riff möglichst fehlerfrei gespielt werden. An die tatsächlichen Lieder werdet ihr recht schonend herangeführt, zunächst spielt ihr nur einzelne Töne nach. Leistet ihr dabei präzise Fingerarbeit, zieht nach und nach der Schwierigkeitsgrad mit, bis ihr schließlich das Stück komplett mitspielt. Um das leichter zu gestalten, lässt sich im Riff Repeater die Geschwindigkeit anpassen, damit ihr schwierigere Passagen in Ruhe in Angriff nehmen könnt, anstatt direkt ins kalte Wasser geworfen zu werden.

Das Spiel kommt dabei komplett ohne die Verwendung von Noten aus, auf dem Bildschirm wird eine Tabulatur mit einer Farbe für die anzuschlagende Saite und eine Zahl für den zu greifenden Bundstab angezeigt. Zur besseren Orientierung liegt dem Spiel noch ein Set mit nummerierten Aufklebern bei, die ihr auf den Hals eures Instruments kleben könnt. Bei den ersten Übungsstunden dürfte das Schleifen der Fingerspitzen über die Stahlsaiten noch gelegentliche Schmerzen verursachen und das ständige Nachstimmen kann ebenfalls an den Nerven zehren, mit ein wenig Routine ist das jedoch kein Problem und bis dahin hat sich längst Hornhaut an den betroffenen Stellen gebildet. Außerdem solltet ihr Pleks und Ersatzsaiten auf Vorrat kaufen, denn beide nutzen sich mit der Zeit ab. Hier wird nun einmal mit einem richtigen Instrument gespielt und nicht mit einem Ersatz aus Plastik.

Damit das regelmäßige Proben verschiedener Techniken nicht langweilig wird, warten in der Guitarcade 11 Minispiele auf euch, die euch genau diese Art von Training versüßen sollen. In diesem Modus wurden Übungen diverser Gitarrentechniken in Minispiele unterschiedlicher Genres übersetzt, die ihr komplett mit der Gitarre spielt. Darunter sind unter anderem ein Rennspiel, ein Weltraum-Shooter und weitere kreative Spielchen für Zwischendurch. Für einige Lacher ist Return to Castle Chordead gut, mit dem die Entwickler von Ubisoft San Francisco die Rail-Shooter der Neunziger auf die Schippe nehmen. Auf Schienen bewegt ihr euch durch eine schaurige Kulisse und vernichtet durch das Anschlagen der angezeigten Akkorde herannahende Rockzombies. Garniert wird das ganze mit herrlich selbstironischen Zwischensequenzen. Euer Score wird automatisch in die Leaderboards eingetragen, in Score Attack könnt ihr auch in den einzelnen Songs auf Punktejagd gehen.

Die Minigames der Guitarcade sind jedoch nur für eine Person ausgelegt und bleiben ein reines Solovergnügen. Im Multiplayer lassen sich nur die enthaltenen Lieder und der neue Session Mode spielen. Darin stellt ihr euch aus verschiedenen virtuellen Instrumenten eine Band zusammen und jammt einfach drauf los, die KI passt sich dabei dem von euch produzierten Krach an. An sich eine ganz nette Dreingabe, jedoch nicht mit MitmusikerInnen aus Fleisch und Blut zu vergleichen. Außerdem gibt es jetzt einen Nonstop-Modus, in dem ihr euch erst eine Wiedergabeliste zusammenstellt und diese dann abarbeitet, sodass ihr eure Favoriten in schneller Folge nacheinander spielen könnt, ohne jedes Mal zur Auswahl in das Menü zurückkehren zu müssen.

…und die Gitarre war noch warm

Die PAL-Veröffentlichung des ersten Teils und der Releasetermin von Rocksmith 2014 liegen erstaunlich nah beieinander, lohnt sich der Kauf der neuen Version? Bedingt. Die Menüs sind aufgeräumter, sodass ihr euch besser zurecht findet und schneller auf die gewünschten Inhalte zugreifen könnt. Noch dazu fallen die Ladezeiten wesentlich kürzer aus, als es noch im Vorgänger der Fall war. Die vielleicht wichtigste Verbesserung gibt es jedoch auf technischer Seite zu vermelden. Die von dem Instrument ausgehenden Töne werden von der Software besser erkannt, auch wenn ihr ein Kabel aus der Version vom letzten Jahr verwendet. Klagten damals noch viele Spieler über eine spürbare Latenz bei der Tonabnahme, nahmen unsere – ungeübten – Ohren keinen Lag wahr. Weder in der über ein Composite-Kabel mit dem TV-Gerät verbundenen Fassung für die Xbox 360 noch in der per HDMI-Kabel angeschlossenen PC-Version.

Die Entwickler empfehlen, PC oder Konsole mit einem analogen Kabel an den Bildschirm bzw. den Fernseher anzuschließen, manche Hardware-Kombinationen verursachen womöglich immer noch Probleme. Multiplayer ist nur lokal möglich, da das Spielprinzip gänzlich auf Präzision ausgelegt ist. Ein Online-Modus würde mit der drohenden Gefahr von Lag jeder erfolgreichen Darbietung einen Strich durch die Rechnung machen. Mit einer gemeinsamen Jam Session vor demselben Bildschirm hielte ein Online-Multiplayer sowieso nicht mit, ebenso wie Guitar Hero und Rock Band bedeutet Rocksmith 2014 beim gemeinsamen Spiel eine ganze Menge Spaß. Achtet nur auf die Lautstärke, sonst klingeln nach 10 Minuten die Nachbarn an eurer Tür.

Abgerundet wird das Paket mit einer üppigen Auswahl an digitalisierten Verstärkern, Preamps und Effektgeräten. Darunter sind auch Geräte von namhaften Herstellern wie Marshall, Orange und Vox, mit denen sich nach Herzensbegehren herumfrickeln und neue Sounds programmieren und abspeichern lassen. Die emulierten Racks sind insbesondere dann nützlich, wenn ihr einfach drauf los schreddern oder Songs nachspielen wollt, die nicht in dem Spiel enthalten sind. Auf absehbare Zeit werden noch weitere Songs als DLC erscheinen, vielleicht arbeitet man sogar jetzt schon an Rocksmith 2015. Bis dahin werdet ihr mit dem Spiel und dem gebotenen Inhalt lange genug beschäftigt sein, um euren Umgang mit der Gitarre zu verbessern.

Die Frage ist nur, ob man als Neuling eine Investition in Höhe von ca. 200 Euro tätigen will, nur um dann festzustellen, dass man doch keine Interesse an dieser Art von Spiel besitzt. Fortgeschrittene und Profis dürften bereits ein Instrument und einen Verstärker besitzen, sodass sich mit Tabulaturen aus dem Internet oder dem Spielen nach Gehör derselbe Lerneffekt erzielen ließe. Rocksmith 2014 meistert dennoch zweifelsohne den Spagat zwischen Lernsoftware und Videospiel, sodass es für den geneigten Gamer interessanter als konventioneller Gitarren-/Bassunterricht sein wird. Im Ergebnis wird Rocksmith 2014 keinen Gitarrenkünstler aus euch machen. Es weist euch jedoch in die entsprechende Richtung und versorgt euch mit nützlichen Tools, die euch auf dem Weg dorthin eine Hilfe sind. Der Rest liegt an euch.

86
Rocksmith 2014 im Test

Fazit und Wertung von Yannick Arnon

Seit etwa sechs Jahren nenne ich eine E-Gitarre mein Eigen und habe mir halbwegs etwas auf meine Fähigkeiten eingebildet. Rocksmith 2014 hat mir bewiesen, dass ich in dieser Hinsicht falsch lag und im gleichen Moment die Hand entgegen gestreckt, um mir wieder auf die Beine zu helfen. Auch wenn der Lernprozess in langsamen Schritten vonstatten geht und regelmäßiges Proben voraussetzt, werdet ihr zumindest mit allen notwendigen Mitteln versorgt, damit ihr ohne die Hilfe eines professionellen Lehrers Gitarre oder Bass meistern könnt. Die hohen Kosten für das Equipment mögen zunächst abschreckend wirken, Rocksmith 2014 ist jedoch als die etwas andere Gitarrenschule jeden Cent wert.

Pro

+spielend Gitarre/Bass lernen
+über 50 gut gewählte Songs
+kürzere Ladezeiten und übersichtlichere Menüs als im Vorgänger
+sinnvolle Erweiterungen, wie der Session Mode
+umfangreiches Arsenal an digitalen Verstärkern
+Guitarcade...

Contra

-...die nur alleine gespielt werden kann
-Lag in Verbindung mit HDMI-Anschlüssen
-hohe Einstiegskosten

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