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Agony: Der Kickstarter-Geniestreich: Wie Spieler getäuscht werden

Von Ben Brüninghaus - Kolumne vom 04.06.2018 14:59 Uhr

Narrativ wider Willen

Die Geschichte ist schnell erzählt. Ein vorerst unbekannter Protagonist wird ähnlich wie andere Individuen in die Hölle geschickt, dieser verliert sämtliche Erinnerungen und die „Rote Göttin“ ist der einzige Anhaltspunkt, wie die Erinnerungen zurückerlangt werden können.

Die Rote Göttin ist nichts als eine sexistische, stereotypische Antagonistin, die jeder Seele sämtliche Energie und das Blut im Ausstausch gegen eine – sicherlich lohnenswerte – sexuelle Erfahrung aussaugt. Vor primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen seid ihr nicht geschützt. Diese springen euch an allen Ecken und Kanten wortwörtlich ins Gesicht. Es ist einfach zu viel des „Guten“. Und so dient dieser Aspekt lediglich als stilistisches Mittel. Nippel in allen Formen und Farben sollen als Kerndetail ein abstraktes Abbild der Hölle darstellen und den Spieler emotional bewegen.

Nun ja, über abstrakte Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Aber der nicht gekonnte Versuch eine Emotion zu erzeugen, ödet uns schon nach wenigen Bewegungen in der vermeintlichen Hölle an. Als Beispiel bedienen sich die Entwickler hier einfachen Tricks. Was wäre, wenn wir eine entmenschlichte Form eines Babys als Spachtelmasse für eine Mauer aus Knochen und Steinen zweckentfremden? Das wirkt doch sicherlich abstoßend? Leider ist das gedankliche Konstrukt sehr offensichtlich und durchschaubar – die pure Langeweile für jeden Horrorfan also. Was nicht heißen will, dass hier und da keine überzogenen, grotesken Bilder auf euch warten. Aber sind wir mal ehrlich: Hier 20 Arme im Boden verbaut, dort 10 Brüste an die Wand genagelt und oben an der Decke noch ein paar hängende Köpfe? Nach näherer Betrachtung verfliegt die Euphorie der Kickstarter-Demo doch recht schnell. Und mehr als die Euphorie der Demo hat das Endprodukt leider nicht zu bieten.

Sound und Synchro versus Atmosphäre

Ansonsten gibt es einige Zwischensequenzen, in denen euch die Rote Göttin ein paar erotische Phrasen ins Ohr stöhnt. Die Synchronisation ist demnach mit einem schlechten Spaßstreifen für Erwachsene zu vergleichen. Wobei es womöglich Sinn ergeben hätte, hätten die Entwickler eine professionelle Darstellerin aus der entsprechenden Industrie den Job machen lassen – dann wäre es zumindest überzeugend gewesen?

Das „Spiel“ kann ich zu keiner Zeit ernst nehmen. Viele Gewalteinlagen wirken lächerlich und unglaubwürdig. Ich fühle mich zudem als Spieler von der Kickstarter-Kampagne überrumpelt, die sicherlich gewollt aufgeblasen wurde. Das ist schade, beispielsweise ein geistiger Nachfolger á la Outlast wäre doch sicherlich machbar gewesen. Alien: Isolation hat ebenfalls vieles richtig gemacht. Daraus ließe sich doch lernen? So etwas wünsche ich mir als Horrorfan schon seit der Veröffentlichung der Titel. Aber leider gibt es hier zu viele Punkte, an denen ich als Spieler immer wieder anecke. Die Atmosphäre zieht insgesamt nur bedingt, da die Umgebung wie ein einziges Orchester aus Gestöne und quälenden Schreien klingt. Diese Sounds gehen uns wortwörtlich auf die Nerven. Da höre ich mir lieber drei Stunden die Stimmen aus Senuas Kopf aus Senua’s Sacrifice an, das hat wenigstens noch einen Hintergrund im „Gameplay-Element“ und einen reellen Mehrwert. Wirkliche Schreckmomente suche ich am Ende stundenlang vergebens.

Der Kickstarter-Coup

Im Vorfeld waren die Previews der Fachpresse und die unabhängigen Kommentare der internationalen Let’s Player auf der Videoplattform YouTube übrigens über alle Maßen positiv. Die Demo der Agony-Kampagne glich einer Versprechung, der man nur schwer widerstehen konnte.

Aber wie kann das sein? Die Kickstarter-Demo hat in den wenigen Minuten bis zum Ende des Durchlaufs auf viele Gameplay-Mechaniken verzichtet und sie hat uns gespannt zurückgelassen: Was der Titel wohl noch alles bieten könnte? Vor allem bei den Bildern, die wir bis hier hin geboten bekommen haben – da tat sich der Forscherdrang eines jeden Horrorfans auf. Wird unser abgestumpfter Horrorfan-Kopf mal wieder mit neuen Input gefüttert? Und die Enttäuschung kam natürlich aufs Tablett. Nein, das wird er in diesem Fall definitiv nicht!

Ein Geniestreich also, denn sämtliche Inhalte waren im Grunde bereits zu sehen, nur eben ohne nervige Labyrinthe und andere Gameplay-Elemente. Das per se beste Element, groteske Level-Gebilde und -Erscheinungen, die auf einfacher Ebene emotional wirken, war hier vor einem Jahr recht solide inszeniert. Da muss ich doch einfach zuschlagen! Ich fühle mich von den Entwicklern getäuscht. 

So war der Kickstarter-Coup am Ende komplett und wir als Spieler haben uns voller Vorfreude ins Horror-Survival-Abenteuer gestürzt. Doch die Hölle entpuppt sich als heiße Luft und mündet unweigerlich in einem verärgerten Gemütszustand. Wir erhalten enttäuschte Antworten auf alle Fragen, die sicherlich bei vielen Spielern zurückgelassen wurden wie die entbehrlichen Körper in Agony.

Hauptberuflicher Jedi-Meister, nebenbeschäftigt bei PlayCentral.de. Popkultur-Fetischist: Star Trek, Star Wars, alles mit „Star“, verspeist Spiele-OSTs zum Frühstück, Großmeister der Bärenschule. Inquisitor. Mag das Ende von Mass Effect.
Agony Survival-Horror PC, PS4, Xbox One
PUBLISHER PlayWay S.A.
ENTWICKLER Madmind Studio
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