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The Last of Us Staffel 3 als Ende – zu wenig Raum für Abby und Santa Barbara

Nach Staffel 2 wirkt die HBO-Serie The Last of Us für viele Fans gleichzeitig mutig und merkwürdig gezähmt. Wichtige Konflikte sind zwar weiterhin da, doch einige Entscheidungen scheinen darauf ausgelegt, Kontroversen abzufedern, statt sie auszuhalten. Genau das könnte sich ausgerechnet bei Staffel 3 rächen, denn die nächste Etappe der Story lebt davon, dass sie unbequem ist und sich Zeit nimmt.

Aktuell steht zudem im Raum, dass Staffel 3 womöglich bereits das Serienende markieren könnte. Und wenn das stimmt, dann droht eine strukturelle Schieflage: Staffel 2 hat Ellies Seattle-Reise weitgehend allein getragen, während Staffel 3 eigentlich Abby und ihre Perspektive in Seattle voll ausrollen müsste. Sobald das Finale aber zusätzlich noch Santa Barbara abdecken soll, entsteht ein Tempo-Problem, das du als Zuschauer sehr wahrscheinlich spüren würdest.

Ein mögliches Ende zur falschen Zeit

Warum ist die mögliche letzte Staffel ein Risiko für die Erzählstruktur? Wenn HBO Staffel 3 tatsächlich als Abschluss plant, entsteht ein harter Zielkonflikt: Entweder bekommt Abby zu wenig Raum oder Santa Barbara wird zur Pflichtübung, die zu schnell abgehandelt wird. Gerade weil Staffel 2 offenbar bewusst als Setup für einen Perspektivwechsel gebaut wurde, würde ein schnelles Serienende das Konzept nachträglich ausbremsen.

Der Cliffhanger am Ende von Staffel 2 ist dafür entscheidend: Statt linear weiterzuerzählen, springt die Serie zurück zu Tag 1 in Seattle, um die Ereignisse aus Abbys Sicht neu aufzubauen. Das funktioniert nur, wenn Abby dann auch wirklich eine eigene, vollwertige Staffel erhält, mit all den Figuren, Konflikten und Verlusten, die ihre Reise prägen.

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Das Problem ist simpel: Wenn Staffel 3 gleichzeitig Abby in Seattle, das Farm-Intermezzo von Ellie und Dina sowie den Santa-Barbara-Abschnitt liefern muss, wird mindestens ein Teil davon gequetscht wirken. Und genau dieses Gefühl von Hast zerstört bei The Last of Us oft die Wirkung, weil die Serie und die Vorlage stark über Ruhe, Atmosphäre und Konsequenzen funktionieren.

Santa Barbara als Stolperstein

Was macht Santa Barbara so wichtig für Ellie und Abby? Santa Barbara ist in der Vorlage zwar kein gigantisch langer Abschnitt, aber dramaturgisch ist es der dritte Akt, der die gesamten Motive zuspitzt. Für Ellie geht es dort nicht nur um Rache, sondern um Schuld, innere Leere und die Frage, ob sie überhaupt noch anders kann, als dem Schmerz hinterherzulaufen.

In Santa Barbara findet Ellie Abby schließlich wieder, nur unter völlig anderen Vorzeichen: Abby ist nicht mehr die unantastbare Kämpferin, sondern wurde von einer Gruppe namens Rattlers gefangen genommen und versklavt. Ellie befreit sie, versucht dann aber dennoch, sie zu töten. Am Ende bricht sie ab, ausgelöst durch einen kurzen, ernüchternden Moment von Vergebung und Abschluss, der nicht triumphal ist, sondern eher wie ein stilles Aufgeben.

Hinzu kommt ein Detail, das du als Gamer sofort einordnest: Ellie verliert zwei Finger, was ihr Gitarrenspiel dauerhaft beeinträchtigt und das visuelle Symbol für das ist, was sie sich selbst genommen hat. Gleichzeitig fahren Abby und Lev am Ende mit einem Boot nach Catalina Island, nachdem sie zuvor dorthin gelotst wurden, um das Hauptquartier der Fireflies zu erreichen. Das ist kein Nebenschauplatz, sondern die Weiche für das, was nach all dem Leid noch übrig bleibt.

Abbys Staffel braucht Platz für die großen Setpieces

Welche Inhalte muss Staffel 3 eigentlich tragen, wenn sie Abby ernst nimmt? Abbys Seattle-Teil ist nicht nur Perspektivwechsel, sondern eine eigene Dramaturgie mit neuen Beziehungen, Feindbildern und moralischen Brüchen. Besonders relevant sind die Seraphites, die in Staffel 2 nur angeteasert wurden, aber in Abbys Story eine zentrale Rolle spielen. Wenn Staffel 3 hier abkürzt, fehlt das Gewicht, das spätere Entscheidungen überhaupt nachvollziehbar macht.

Auch die Washington Liberation Front und die Dynamik innerhalb dieser Gruppierung brauchen Zeit, gerade weil viele Nebenfiguren in einer TV-Adaption sonst schnell verschwimmen. Wenn die Serie stark auf Rückblenden setzt, um vergessene Gesichter wieder zu verankern, kostet das zusätzliche Minuten, die dann an anderer Stelle fehlen.

Ein weiterer Punkt ist die Inszenierung: Scar Island gilt als eines der größten und prägnantesten Setpieces der Vorlage und dürfte in Staffel 3 ein Herzstück sein. In einer idealen Struktur könnte die Staffel auf einen klaren Höhepunkt zusteuern, nämlich Abbys Ankunft im Theater, dem Tod von Jesse, der Verstümmelung von Tommy und dem eskalierenden Fight mit Ellie hinter der Bühne. Das fühlt sich wie ein Staffel-Finale an, nicht wie ein Mid-Season-Zwischenstopp.

Das Tempo-Problem und der abkühlende Hype

Wie könnte eine gequetschte Staffel 3 die Wirkung der Story kaputtmachen? Das Risiko ist, dass der Theaterkampf als großes Event schon zur Mitte der Staffel verbrannt wird, damit die zweite Hälfte Platz für Ellies Bruch mit Dina, das Farm-Kapitel und Santa Barbara hat. Dann hättest du faktisch zwei halbe Staffeln in einer: Abby wird nicht tief genug aufgebaut, und Santa Barbara wirkt wie ein kurzer Epilog, obwohl es emotional der teuerste Abschnitt der ganzen Geschichte ist.

Gleichzeitig ist die Ausgangslage schwieriger als bei Staffel 1: Das Franchise ist längst ein Streitpunkt, vor allem wegen Joels Tod durch Abby. Die Serie hat hier bewusst darauf gesetzt, Abbys Motivation früher verständlich zu machen, statt die Härte der Überraschung voll auszuspielen. Man kann das als kluge TV-Anpassung lesen, aber es verändert das Gefühl von Eskalation und Vergeltung, das die Vorlage so kompromisslos macht. Wenn dann auch noch das Pacing in Staffel 3 nicht sitzt, kann das schnell als verwässert und gehetzt wahrgenommen werden.

Unterm Strich steht damit eine unangenehme Frage im Raum: Will die Serie wirklich die volle Abby-Staffel liefern, die der Perspektivwechsel verdient, oder opfert sie diese Entwicklung, um schneller zum Endpunkt zu kommen. Nach einer kompletten Staffel für Ellie würde ein abrupter Abschluss mit komprimierter Abby-Reise für viele schlicht unausgewogen wirken.

Wie siehst du das: Sollte HBO The Last of Us lieber eine vierte Staffel einplanen, um Abby und Santa Barbara genug Raum zu geben, oder traust du Staffel 3 zu, diese großen Bögen sauber in einem Rutsch zu erzählen? Schreib deine Meinung gern in die Kommentare.

Luna N.

Ich schaue mehr Anime als gesund ist, kenne jeden Intro-Song auswendig und habe beim Zocken schneller die Tasten im Griff als mein eigener Schatten. Wenn ich nicht gerade mit einem Kaffee bewaffnet über neue Story-Ideen grübel, kämpfe ich mich durch Fantasy-Welten – entweder mit dem Controller oder dem Kugelschreiber. Meine größte Schwäche? Limited Editions und Charaktere mit tragischer Hintergrundgeschichte.
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