PLAYCENTRAL TEST Far Cry 3

Far Cry 3: Blood Dragon: Eine wahr gewordene VHS-Kassette

Von Christian Liebert - Test vom 06.05.2013 09:22 Uhr

Was ist eigentlich Retro? Meiner Meinung nach alles, was in meiner Kindheit cool war und wenn es eine Sache gab, deren Coolheit nicht übertroffen werden konnte, dann waren es die alten Filme von Schwarzenegger, Jean-Claude Van Damme, Chuck Norris oder Dolph Lundgren. Knallharte Männer in knallharter Action – da schlagen Jungenherzen einen Takt schneller. Dass die alten Streifen aus heutiger Sicht totaler Müll sind und eher zum Auslachen als zur Unterhaltung dienen, das war damals sowie heute egal. Die Ballerorgien, mit gegelten Frisuren und reichlich Gassenhauer-Sprüchen, sind einfach Kult. Dies dachte man sich wohl auch im Hause Ubisoft, als man Far Cry 3: Blood Dragon, eine Hommage an eben jene alten Filme, entwickelte. Was auf den ersten Blick nach übermäßigem Trash aussieht, kann jedoch durch verschiedene Aspekte durchaus überzeugen. Welche das sind, verrate ich euch auf den nächsten Seiten.

Der Atomkrieg, mal wieder

Wenn es ein Setting gab, das in den achtziger Jahren nicht zu kurz kommen durfte, dann war es der Atomkrieg. Berechtigterweise war die Gefahr damals auch bedrückend real. Der Zwist zwischen Ost und West war noch im vollen Gange, Tschernobyl schockierte die Öffentlichkeit mit seinen verheerenden Ausmaßen und in den Kinos wurde reihenweise der dritte Weltkrieg vorgeführt. Kein Wunder also, dass auch die Geschichte von Blood Dragon in diesem Szenario spielt. Nach einem schön im Cevie-Look gehaltenen Intro starten wir in ein völlig surreales Abenteuer. In der Haut von Rex Colt gehören wir einer Spezialeinheit des Militärs an, den sogenannten Mark-IV-Cyber-Commandos. Eigentlich sind wir alle tote Soldaten, die mithilfe von Cybertechnik wieder zum Leben erweckt wurden – Universal Solider lässt grüßen. Zusammen mit unserem Kollegen „Spider“ machen wir uns auf den Weg, eine Anlage unseres ehemaligen, mittlerweile desertieren, Colonels Sloan zu inspizieren. Dieser hat vom Lebenssaft der Blutdrachen genascht und ist dadurch zum absoluten Obermacker mutiert.

Auf dem Weg durch dessen Basis werden wir durch ein, sich selbst als nervig bezeichnendes, Tutorial in die Grundsteuerung des Spiels eingeführt. Da diese nicht sonderlich von Far Cry 3 abweicht, lehnen wir uns zurück und genießen das Bombardement aus schlechten Sprüchen, Filmzitaten und netten Effekten. Dabei treffen wir sogleich auf unseren Hauptgegner in Blood Dragon: die Omega-Force. Diese Cyborg-Soldaten, unter der Führung unseres ehemaligen Ausbilders, führen Böses im Schilde und es kommt natürlich, wie es kommen muss: Nachdem wir den Kern der Anlage erreichen und einen Raketenstart verhindern wollen, läuft der ganze Plan plötzlich übel schief. Wir geraten in Gefangenschaft, Spider verliert sein Leben – ganz retromäßig durch einen Aufs-Knie-Werf-Rückgratbruch – und unser Held erwacht irgendwo auf der Insel. Allein. Nur die schöne Frau Dr. Darling (Vorsicht Flachwitz: Hallo Darling!..) hilft uns bei unserer neuen Mission, den durchgedrehten Colonel aufzuhalten.

Auf der Insel nichts Neues

Grundsätzlich spielt sich Blood Dragon wie sein großer Bruder Far Cry 3. Auf der riesigen Insel gibt es verschiedene Orte / Garnisonen, die wir größtenteils mit dem Auto erkunden und von Omega-Force-Soldaten bereinigen müssen. Dabei steht uns ein nettes Arsenal an Waffen zur Verfügung, die wir natürlich im Laufe des Spiels upgraden können. Auf ein Handwerks-System oder verschiedene Skillbäume wurde diesmal verzichtet. Neue Fertigkeiten gibt’s automatisch beim Levelaufstieg und das Töten von Tieren bringt neben ein bisschen Geld auch verschiedene Erweiterungen für unsere Schießeisen. So war das eben in den Achtzigern, da ging es einzig und alleine darum, wer am coolsten mit der Waffe posen kann. Das wohl interessanteste Tier der Insel, die sogenannten Blutdrachen (Blood Dragons), lernen wir schon direkt nach dem Prolog kennen. Dabei handelt es sich um eine Art genmutierten Cyber-Dinosaurier, der Laserstrahlen aus seinen Augen schießen kann. Klingt komisch, ist auch so. Die Riesenechsen sind auf alles sauer, was sich bewegt, und so können wir sie auch, taktisch geschickt, dazu benutzen, unsere Feinde zu töten, indem wir Cyberherzen in ihre Richtung werfen, die wir den Soldaten vorher aus der Brust gerissen haben. Schon ein bisschen abgedreht, aber irgendwie auch ultracool.

Die Drachen selbst sind extrem schwer zu töten, da ihnen nur schwere Waffen etwas anhaben können. Daher sollte man zu Beginn des Games erst mal Fersengeld geben, wenn so ein Ding sich plötzlich nähert. Wie auch bei Far Cry 3 haben wir die Möglichkeit, der Haupthandlung zu folgen oder verschiedene Missionen auf der Insel zu erledigen. Dabei müssen wir entweder Geiseln befreien, verschiedene Gegenstände finden oder die einzelnen Stützpunkte von der Omega-Force säubern. Zusätzlich finden wir überall auf der Karte auch spezielle Objekte wie VHS-Kassetten oder TV-Geräte, die uns einige Bonuspunkte bescheren, um unsere Ausrüstung zu verbessern. Da es kein Crafting mehr gibt, fällt das Sammeln von Blümchen praktisch weg und erlegte Tiere geben nur noch Geld. Da man davon sowieso immer genug hat, muss die Fauna nicht zwingend ausgerottet werden, außer man will stärkere Waffen, was aber auch kein Muss ist.

Wie ein echter Drogentrip

Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie es sich anfühlt, auf LSD zu sein? Dann bekommt ihr bei Far Cry 3: Blood Dragon die volle Packung davon. Das ganze Spiel ist vor allem in den Tönen Violett, Pink, Rot und Neonblau gehalten und passt daher gut ins Schema alter Cyberpunk-Comics. Auf rotes Blut wurde weitestgehend verzichtet, was dem Shooter eine FSK-16-Einstufung bescherte. Da praktisch die gleiche Engine wie beim Original verwendet wurde, ist die Grafik durchgehend gut und brilliert diesmal sogar mit einer deutlich besseren Performance. Nur ein paar mehr Details hätten der Spielwelt nicht geschadet. Ebenso fallen schöne Spaziergänge an weißen Stränden leider flach, wobei man die eh nicht braucht, immerhin befinden wir uns ja im Krieg. Schön ist auch, dass sämtliche Menüs im Retrostil reduziert wurden und danach aussehen, als würde sich der junge Matthew Broderick (WarGames) in einen Militärcomputer hacken. Soll eben alles ein bisschen alt aussehen. Daher auch der im Stil von TRON gehaltene Titlescreen von Blood Dragon, die verzehrte Videokassetten-Optik in den Ladebildschirmen oder die typischen VHS-Scanlines in der Spielgrafik.

Die musikalische Untermalung klingt extrem nach Terminator und stammt von der australischen Band Power Glove. Diverse Tracks davon können auch auf Soundcloud angehört werden. Der komplette Soundtrack liegt dem Spiel als Bonusdisc bei. Ein besonderes Highlight, wie ich finde, da der düstere Synthie-Beat richtig gut zur Atmosphäre passt.

Ein paar Ecken gibt es doch

Blood Dragon als durchweg gutes Videospiel zu beschreiben, resultiert vor allem daraus, dass das Game gerade mal 15 Euro kostet und ohne das Hauptspiel auskommt. Wir reden hier also von einem Standalone-Titel und nicht von einem DLC, wie Blood Dragon gerne kategorisiert wird. Über zehn Stunden Spielspaß, je nach Spielweise auch mehr, bietet der Titel und das zum Spitzenpreis. Da muss man dann auch mit ein paar Ecken und Kanten leben. So fehlt es der Gegnerauswahl durchweg an Abwechslung und die vielen Garnisonen ähneln einander wie ein Ei dem anderen. Auch die Nebenmissionen brillieren nicht gerade mit ausgefeilten Geschichten, sondern enden meist in simplen Aufträgen, wie man sie auch aus dem Repertoire von mittelmäßigen Online-Rollenspielen kennt. Hätte man zwar besser machen können, aber immerhin liegt der Fokus auf einer völlig abgedrehten Welt, mit verrückten Charakteren und dummen Sprüchen. Was doch sehr schade ist, ist das Fehlen des Coop-Modus, der in Far Cry 3 ordentlich gerockt hat.

Die Stärke von Blood Dragon liegt ganz klar in seinen vielen Anlehnungen an alte Filme. Vieles, was auf den ersten Blick total bescheuert wirkt, ist als genau das konzipiert. Das Spiel sprudelt nur so vor Klischees und Marotten und das macht auch den Zauber dieser wahr gewordenen VHS-Kassette aus. Ein Action-Feuerwerk der Marke Ultraretro quasi und eine liebevolle Erinnerung für alle, die schon damals blöde Ballerfilme mit Schwarzenegger und Co. total toll fanden.

Far Cry 3 im Test

Fazit und Wertung von Christian Liebert

Fazit: Absolute Kaufempfehlung

Far Cry 3: Blood Dragon überzeugt mit einer abgefahren dämlichen Story, schönen Anlehnungen an alte Filmklassiker und vielen Stunden Spielspaß. Egal ob man nun stur der Handlung folgt oder mit dem Jeep auf Soldaten-Jagd geht: Wer das alte Inselabenteuer bereits mochte und mit den Klischees von 80er-Jahre-Filmen etwas anfangen kann, kommt hier zwar nicht voll, aber immerhin auf seine Kosten. Dabei findet das Game den idealen Mittelweg, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und dabei nicht als billige Parodie zu enden. Stilistisch eine Mischung aus Terminator, Universal Soldier und Apocalypse Now, kann für Ubisofts Ableger, trotz einiger Mängel und fehlendem Coop-Modus, eine absolute Kaufempfehlung ausgesprochen werden. Für schlappe 15 Euro zeigt der AAA-Titel manch Serienaufguss à la Call of Duty, dass man gleiche Technik nicht immer zum vollen Preis verkaufen muss.

Pro

+Günstiger Kaufpreis (15 Euro)
+Vollwertiges Spiel
+Far Cry 3 wird nicht benötigt
+Klasse Soundtrack
+Super Retro-Feeling
+Unzählige Anlehnungen an alte Filme
+Open World

Contra

-Stupide Nebenmissionen
-Wenig Abwechselung
-Kein Coop- oder Multiplayer-Modus

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