Artikel

Assassin’s Creed-Veteran klagt gegen Ubisoft – über 1,3 Mio. Euro gefordert

Marc-Alexis Côté, ehemaliger Leiter der Assassin’s Creed-Reihe bei Ubisoft, hat Klage gegen seinen früheren Arbeitgeber eingereicht. Der Vorwurf: sogenannte „konstruktive Entlassung“. Dabei handelt es sich um eine Situation, in der ein Mitarbeiter das Unternehmen zwar offiziell verlässt, jedoch unter Umständen, die einer Entlassung gleichkommen – etwa durch erhebliche Änderungen der Arbeitsbedingungen.

Côté verlangt von Ubisoft eine Entschädigung in Höhe von über 1,3 Millionen Euro. Darin enthalten sind zwei Jahre Gehalt sowie 75.000 Euro an immateriellen Schadensersatz. Der Fall sorgt für großes Aufsehen, nicht nur wegen der Summe, sondern auch, weil Côté als langjähriges Gesicht der Marke Assassin’s Creed galt.

Hintergrund des Konflikts

Was führte zum Zerwürfnis zwischen Côté und Ubisoft? Im Jahr 2022 wurde Marc-Alexis Côté zum Leiter der globalen Assassin’s Creed-Strategie ernannt. Er war verantwortlich dafür, die langfristige Ausrichtung der Reihe zu gestalten. Doch mit dem Start von Ubisofts neuer Tochtergesellschaft Vantage Studios im Oktober 2025 änderte sich die Struktur des Unternehmens erheblich.

Vantage Studios, das teilweise mit Unterstützung von Tencent gegründet wurde, übernahm die Verantwortung für Ubisofts drei größte Marken: Assassin’s Creed, Far Cry und Tom Clancy’s Rainbow Six. Laut Côté wurde ihm kurz darauf eine neue Rolle angeboten, die jedoch mit deutlich weniger Einfluss und Verantwortung einherging. Statt weiterhin das Franchise zu leiten, sollte er als ‚Head of Production‘ arbeiten – unter einem neuen ‚Head of Franchise‘.

Magischen Merch entdecken! ✨

Zauberstäbe, Deko & Sammlerstücke – jetzt auf Zauberkram.de. 🧙‍♂️

Zum Shop

Ubisofts Darstellung vs. Côtés Sichtweise

Wie unterscheiden sich die Aussagen von Ubisoft und Côté? Ubisoft kommunizierte im Oktober 2025, dass Côté das Unternehmen freiwillig verlassen habe, nachdem er sich gegen eine Führungsrolle bei Vantage entschieden habe. Côté wiederum veröffentlichte eine eigene Erklärung, in der er klarstellte, dass er nicht gekündigt habe. Stattdessen sei ihm mitgeteilt worden, dass die Leitung der Reihe an jemanden übergehe, der besser zur neuen Struktur passe.

Er beschreibt die angebotenen Positionen als klare Herabstufung, bei denen er nicht nur Einfluss, sondern auch Prestige und Entscheidungskompetenz verloren hätte. Besonders kritisch sieht er, dass er keine Kontrolle mehr über die Kommunikation mit Partnern wie Netflix gehabt hätte – ein Bereich, der ihm vorher oblag.

Die Klage im Detail

Was fordert Côté konkret vor Gericht? Die Klage, die laut CBC Radio Canada eingereicht wurde, umfasst neben der Zahlung von zwei Jahresgehältern auch eine Entschädigung für seelisches Leid sowie die Aufhebung seiner Wettbewerbsverbotsklausel. Letztere ist besonders brisant: Wenn Ubisoft ihn offiziell als freiwillig ausgeschieden einstuft, bleibt die Klausel wirksam. Bei einer erzwungenen Entlassung hingegen könnte sie aufgehoben werden.

Forderungen von Marc-Alexis CôtéDetails
Severance PayZwei Jahre Gehalt
Moralischer Schaden75.000 Euro
GesamtforderungÜber 1,3 Millionen Euro
Aufhebung der WettbewerbsklauselWird separat gefordert

Bedeutung für Ubisoft und Assassin’s Creed

Welche Auswirkungen hat der Fall auf Ubisoft? Der Rechtsstreit könnte für Ubisoft nicht nur finanziell, sondern auch reputationsschädigend sein. Côté war fast zwei Jahrzehnte lang an der Entwicklung von Assassin’s Creed beteiligt, zuletzt in einer der wichtigsten kreativen Rollen. Dass eine so zentrale Figur mit dem Unternehmen im Streit auseinandergeht, wirft Fragen zur internen Führung und Kommunikation auf.

Mit Vantage Studios verfolgt Ubisoft eine neue Strategie, um seine Top-Marken zu bündeln und effizienter zu steuern. Der Fall Côté zeigt jedoch, dass dieser Umbau nicht reibungslos verläuft – und möglicherweise auch kreative Spannungen erzeugt.

Was bedeutet das für die Zukunft der Reihe?

Wird sich der Rechtsstreit auf zukünftige Assassin’s Creed-Spiele auswirken? Kurzfristig sind keine direkten Auswirkungen auf die Entwicklung zu erwarten. Assassin’s Creed ist eine der wichtigsten Marken Ubisofts, und die nächsten Titel wie Assassin’s Creed Codename Hexe sind bereits in der Pipeline. Dennoch könnte der Weggang von Côté kreative Lücken hinterlassen, insbesondere im Hinblick auf die langfristige Vision der Serie.

Ubisoft selbst hat sich bislang nicht konkret zum Fall geäußert. In einer Stellungnahme hieß es lediglich:

Wir kommentieren keine laufenden Rechtsangelegenheiten.

Ein bezeichnender Fall für die Branche

Warum ist dieser Fall symptomatisch für aktuelle Entwicklungen in der Games-Industrie? Die Branche erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Fusionen, Umstrukturierungen und eine stärkere Einbindung von Investoren wie Tencent führen dazu, dass kreative Köpfe zunehmend zwischen betriebswirtschaftlichen Prioritäten und künstlerischen Ansprüchen zerrieben werden.

Der Fall Côté zeigt exemplarisch, wie schwierig es sein kann, in einem sich wandelnden Konzerngefüge langfristige kreative Verantwortung zu behalten. Für viele Spieler stellt sich die Frage, ob der kreative Geist hinter einer Marke wie Assassin’s Creed erhalten bleibt, wenn zentrale Figuren das Unternehmen verlassen – oder gar vor Gericht ziehen müssen, um sich Gehör zu verschaffen.

Was denkst du über den Streit zwischen Côté und Ubisoft? Hat der Entwickler recht mit seiner Sichtweise – oder liegt das Unternehmen im Recht? Schreib deine Meinung gerne in die Kommentare!

Ben Brüninghaus

Hauptberuflicher Jedi-Meister, nebenbeschäftigt bei PlayCentral.de. Popkultur-Fetischist: Star Trek, Star Wars, alles mit „Star“, verspeist Spiele-OSTs zum Frühstück, Großmeister der Bärenschule. Inquisitor. Mag das Ende von Mass Effect.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Neueste
Älteste Am meisten gewählt
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"