Seeschlachten bleiben das große Highlight
Besonders viel Spaß hatte ich mit den Kämpfen auf dem offenen Meer. Die Jackdaw besitzt verschiedene Waffen, deren Verwendung von eurer Ausrichtung zum Ziel abhängt.
Seitlich feuert ihr mächtige Breitseiten ab. Nach vorne verschießt ihr Kettengeschosse, mit denen sich fliehende Gegner verlangsamen lassen. Feuerfässer wiederum dienen dazu, Verfolger hinter der Jackdaw zu beschädigen. Zusätzlich könnt ihr mit den Drehbassen gezielt auf freigelegte Schwachstellen feuern.

Das Kampfsystem ist schnell verstanden, entwickelt durch unterschiedliche Gegnertypen und Wetterbedingungen aber genügend Dynamik. Gegen kleinere Schiffe reichen oftmals wenige Treffer. Größere Fregatten oder Kriegsschiffe erfordern hingegen eine sinnvoll ausgebaute Jackdaw und ein besseres Gefühl für Positionierung und Reichweiten.
Vor allem die Kombination aus Kanonenfeuer, hohem Wellengang und auseinanderbrechenden Schiffen sieht beeindruckend aus. Holzsplitter fliegen durch die Luft, Segel geraten in Brand und die eigene Mannschaft kämpft darum, das Schiff einsatzfähig zu halten.
Habt ihr ein gegnerisches Schiff ausreichend beschädigt, könnt ihr es versenken oder entern. Beim Entern geht ihr längsseits, schwingt euch auf das feindliche Deck und erfüllt kleinere Ziele. Je nach Größe des Schiffes müsst ihr etwa einen Teil der Besatzung ausschalten, Offiziere töten oder die Flagge zerstören.

Anschließend entscheidet ihr, was mit dem eroberten Schiff passiert. Es kann beispielsweise zur Reparatur der Jackdaw verwendet oder eurer Flotte hinzugefügt werden. Diese Mischung aus Seegefecht und direktem Nahkampf sorgt dafür, dass die Auseinandersetzungen selbst nach vielen Stunden unterhaltsam bleiben.
Festungen sorgen für die besten Gefechte
Ein weiteres Highlight sind die über die Karte verteilten Festungen. Ihr nähert euch ihnen zunächst mit der Jackdaw und müsst die Verteidigungsanlagen vom Wasser aus zerstören.
Die Kanonen der Festung nehmen euch dabei unter Beschuss, während zusätzliche Schiffe in den Kampf eingreifen können. Gleichzeitig erschweren Felsen, hohe Wellen und begrenzte Ausweichmöglichkeiten die Annäherung.
Sind sämtliche Verteidigungsanlagen ausgeschaltet, legt ihr an und setzt den Angriff zu Fuß fort. Nun müsst ihr die verbliebenen Offiziere oder Befehlshaber innerhalb der Anlage beseitigen. Erst danach gehört die Festung euch und der entsprechende Kartenbereich wird sicherer.

Das Prinzip ist nicht besonders komplex und erinnert an die Burgen aus „Assassin’s Creed Shadows“. Dort schaltet ihr nacheinander wichtige Samurai aus, bevor ihr die entscheidende Truhe öffnen könnt. In „Black Flag Resynced“ fällt der Auftakt durch den vorgeschalteten Schiffskampf allerdings spektakulärer aus.
Gerade diese Übergänge funktionieren hervorragend: Erst liefert ihr euch vor der Küste ein Kanonenduell, kurz darauf klettert Edward über die Befestigungsmauern und jagt die verbliebenen Offiziere durch die Anlage.
Nach mehreren eroberten Festungen kennt ihr zwar den Ablauf, doch die eindrucksvolle Inszenierung und die verschiedenen Küstenabschnitte hielten meine Motivation lange aufrecht.
Eine kleine Flotte für Missionen aufbauen
Eroberte Schiffe können Teil eurer eigenen Flotte werden. Über eine strategische Übersicht schickt ihr sie anschließend auf verschiedene Handelsmissionen.
Vor dem Start einer Mission müsst ihr gelegentlich die entsprechende Route sichern. Danach wählt ihr ein Schiff aus, dessen Stärke und Ladekapazität zur Aufgabe passen. Erfolgreiche Missionen bringen Geld und weitere Belohnungen ein.
Spielerisch bleibt dieses System oberflächlich. Ihr kommandiert die Schiffe nicht selbst und erlebt ihre Reisen auch nicht unmittelbar mit. Trotzdem vermittelt die Flotte das Gefühl, dass Edwards Einfluss in der Karibik kontinuierlich wächst.
Das Ganze erinnert entfernt an die Verwaltungssysteme anderer Open-World-Spiele. Auch „Crimson Desert“ setzt beispielsweise auf kleinere strategische Elemente, die neben dem eigentlichen Abenteuer ablaufen. In „Resynced“ ist die Flotte eher eine motivierende Nebenbeschäftigung als ein vollwertiges Strategiespiel.
Typisches Assassin’s Creed bleibt typisches Assassin’s Creed
Bei aller Begeisterung für das Piratensetting sollte niemand vergessen, was unter der Augenklappe steckt: „Black Flag Resynced“ bleibt ein „Assassin’s Creed“.
Ihr erklimmt Aussichtspunkte und synchronisiert sie, um die Umgebung aufzudecken. Ihr öffnet Truhen, sammelt Seemannslieder, sucht nach Schatzkarten, jagt Tiere und erledigt kleine Aufträge. Dazu kommen Attentatsmissionen, Templerjagden, Marineaufträge und weitere Beschäftigungen.
Viele dieser Aktivitäten dauern nur wenige Minuten und lassen sich angenehm auf dem Weg zur nächsten größeren Mission erledigen. Sie folgen allerdings den bekannten Mustern der Reihe. Wer bereits nach kurzer Zeit von Kartensymbolen, Sammelgegenständen und wiederkehrenden Nebenaufgaben genervt ist, wird auch mit „Resynced“ nicht glücklich.
Nach rund 30 Stunden hatte ich einen Großteil der grundlegenden Mechaniken gesehen. Danach lebt das Spiel vor allem davon, ob euch die Seeschlachten, die Jagd nach Verbesserungen und die karibische Atmosphäre weiterhin motivieren.

Bei mir funktionierte das. Nicht jede Truhe musste geöffnet und nicht jede Insel vollständig abgearbeitet werden. Doch sobald ich wieder auf der Jackdaw stand und am Horizont ein lohnendes Ziel entdeckte, wollte ich meist noch ein wenig weiterspielen.
Die überschaubareren Landflächen erweisen sich dabei als Vorteil. Im Gegensatz zu manchem modernen Open-World-Spiel wirkt die Karte nicht wie eine endlose Liste aus Aufgaben, die mehrere hundert Stunden verschlingen möchte. Trotzdem ist genügend Inhalt vorhanden, um sich lange in der Karibik zu verlieren.
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