PlayNation Test Syberia 3

Syberia 3 - Packendes Adventure und technische Vollkatastrophe zugleich

Von Julia Rother - Test vom 01.05.2017 - 11:00 Uhr
Syberia 3 Screenshot

Eine Geschichte mit Potenzial

Jede Menge Stoff also für ein Adventure und genau das ist auch die große Stärke von Syberia 3: die Geschichte. Trotz vieler Probleme, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, schafft es der Titel, uns viele, viele Stunden bei der Stange zu halten: einfach aus dem Bedürfnis heraus, wissen zu wollen, wie es weiter geht. Einen Teil der Spannung machen natürlich auch die vielen Rätsel aus, die es zu lösen gilt und die glücklicherweise sehr abwechslungsreich und vor allem unterschiedlich schwer und in den Kontext eingebunden sind, also durchaus logisch sind und nicht völlig deplatziert wirken. Meist weiß man als Spieler zumindest grob, was zu tun ist. Frustrierende Passagen, in denen wir ziellos herumirren und Gegenstände suchen oder Kombinationen ausprobieren, gehören der Minderheit an.

Syberia 3 - unser Test.

Stimmige Atmosphäre

Gespeichert wird automatisch und zu Beginn des Spiels könnt ihr euch zwischen zwei Modi entscheiden, je nachdem ob ihr Tipps und visuelle Hinweise wünscht oder eben nicht. In jedem Fall könnt ihr euch aber auf die stimmige musikalische Untermalung von Komponist Inon Zur freuen, der unter anderem schon bei Fallout 4, Dragon Age, Prince of Persia und Syberia 2 am Soundtrack werkelte. Die Hintergrundmusik ist angenehm atmosphärisch und passt sich den jeweiligen Situationen an. Beinahe immer präsent und doch herrlich unaufdringlich unterstreicht sie das eher rustikale Setting.

Während unserer langen Reise passieren wir verschiedene Orte, die alle detailreich und liebevoll gestaltet wurden. Blätter ranken sich an heruntergekommenen Gebäuden empor, dreckiger Schnee schmilzt in den Straßen vor sich hin und ansprechbare NPCs füllen die Straßen mit Leben. Kate reagiert ab und an auf die Kälte und reibt sich fröstelnd die Oberarme, wenn wir sie zu lange nicht bewegen – ein kleines, aber sehr stimmiges Detail. Wer sich zum Kauf entschließt, darf sich auf verschiedene Städte, Gebäude, einen radioaktiv verseuchten Vergnügungspark, die See, aber auch einen Teil der Unterwasserwelt freuen. Zu wenig Schauplätze oder Abwechslung gibt es in Syberia 3 jedenfalls nicht!

Unser Test zu Syberia 3

Charaktere, die wir so schnell nicht vergessen werden

Auch die Figuren, die in einigen Fällen tolle, teils verbraucht aussehende Charaktergesichter haben, wissen größtenteils zu überzeugen, sind sie doch liebevoll gestaltet und haben alle irgendeine kleine Eigenschaft, die wiederkehrend und charakteristisch ist. So ist Kate beispielsweise selbstbewusst und bestimmt und die Art starker Führer, die wir uns für ein Spiel gewünscht haben. Gerade dass sie kein typisches Opfer ist und trotzdem im Kontakt mit ihren Widersachern an ihre Grenzen gerät, macht sie so menschlich und authentisch.

Die Youkol, die von den rassistischen Bewohnern drangsalierten Sympathieträger des Spiels, wechseln zwischen der unsrigen Sprache in schlechter Grammatik und der eigenen Sprache hin und her, die wiederum so niedlich klingt, dass sie zum Nachahmen animiert, took took! Die Nomaden sind auch für den einen oder anderen Lacher gut, sei es nun durch ihre Unbedarftheit, ihre Begeisterungsfähigkeit oder auch ihre schrullig-lüsterne Schamanin, die es im Laufe des Spiels auf einen unserer Freunde abgesehen hat.

Allerdings haben die Youkol die Angewohnheit, in fast jeden Satz die Anrede „Kate Walker“ einzubinden, was bei kurzen Gesprächen zwar ganz liebenswert rüberkommen mag, auf die Dauer aber kein charmanter Spleen mehr ist, sondern einfach nur nervt. Zum Glück nehmen die langen Unterhaltungen im Laufe der Geschichte ab und wir können uns ohne innerliches Augenrollen auf das Wesentliche konzentrieren.

Unsere Review zu Syberia 3

Dialogoptionen mit Konsequenzen

Apropos Gespräche: In der Interaktion mit den Charakteren schauen wir nicht einfach nur passiv zu, sondern haben die Wahl, wie wir antworten und uns verhalten. In der Regel gibt es drei Dialogoptionen, aus denen es eine auszuwählen gilt. Unsere Worte haben direkte Konsequenzen, denn ist unser Gegenüber verärgert oder von unseren Absichten nicht überzeugt, verweigert er die Unterstützung und wir müssen alternative Wege finden, um ihn umzustimmen.

Die Dialogoptionen sind zwar definitiv ein Pluspunkt, allerdings noch nicht so ganz ausgereift, denn in der Regel ist es kaum möglich, sich überhaupt die Antwortmöglichkeiten durchzulesen, bevor die Charaktere auch schon losquengeln, dass man gefälligst antworten solle. Der vorwurfsvoll-schnippische Ton und die Penetranz der Wiederholungen sorgten da auf dieser Seite des Bildschirm schon mal für das eine oder andere genervte Stöhnen.

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