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Crimson Desert – Pearl Abyss erklärt den Marketing-Kurs gegen Hype und Druck

Crimson Desert begleitet Pearl Abyss inzwischen seit der ersten Enthüllung im Jahr 2019 und hat sich in dieser Zeit einen Ruf als ehrgeiziges Open-World-Projekt aufgebaut. Mit dem geplanten Release im März 2026 rückt der Moment näher, in dem sich zeigen muss, ob die großen Versprechen aus Trailern, Demos und langen Entwicklungsjahren wirklich in einem stimmigen Gesamtspiel landen.

Genau deshalb tritt das Studio derzeit auffällig kontrolliert auf, wenn es um neue Infos und Marketing geht. Will Powers, Director of Marketing und PR bei Pearl Abyss, hat bei einem Media-Event offen darüber gesprochen, wie schwer es ist, Aufmerksamkeit zu erzeugen, ohne Erwartungen ins Unermessliche zu treiben.

Marketing zwischen Aufmerksamkeit und Erwartungsdruck

Warum will Pearl Abyss Crimson Desert nicht überhypen? Powers beschreibt eine Gratwanderung: Crimson Desert soll sichtbar sein, aber nicht so vermarktet werden, dass am Ende ein unmögliches Idealbild entsteht. Der Launch dürfe nicht daran scheitern, dass sich die Community eine Art Wunderwerk ausmalt, das kein Spiel realistisch erfüllen kann.

Wir müssen die Balance finden zwischen Aufmerksamkeit und dem Vermeiden von Überversprechen. Wir wollen niemanden zum Release enttäuschen, indem die Erwartungen so hoch sind, als wäre es die zweite Wiederkunft.

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Zu diesem Druck kommt eine besondere Ausgangslage: Pearl Abyss hat mit Black Desert Online bereits ein riesiges Publikum erreicht. Mehr als 55 Millionen globale Accounts sind eine Marke, die intern wie extern als Messlatte mitschwingt, auch wenn Crimson Desert heute ein anderes Ziel verfolgt.

Ein zu früher Reveal und die Folgen für das Projekt

Wie beeinflusst die lange Entwicklungszeit die Wahrnehmung von Crimson Desert? Powers spricht ungewöhnlich klar aus, was viele Fans seit Jahren denken: Das Spiel wurde zu früh angekündigt. Er nennt das „unumstößlich“ und erklärt, dass sich über die Jahre nicht nur das Spiel selbst verändert hat, sondern auch technische Grundlagen entstanden sind, die über einen einzelnen Titel hinausgehen.

Wir sind in gewisser Weise Opfer unserer selbst. Wir haben das Spiel zu früh angekündigt. Wenn wir es noch mal machen könnten, würde wohl niemand sagen, dass man ein Spiel sechseinhalb Jahre im Voraus ankündigen sollte.

Gleichzeitig habe diese lange Funkstille und das anschließende vorsichtige Wieder-Hochfahren der Kommunikation einen Nebeneffekt erzeugt: eine Art Mystik. Viele wussten lange nicht, was Crimson Desert überhaupt sein will. Das sorgt heute nicht nur für Neugier, sondern auch für Skepsis, nach dem Motto: Kann das wirklich alles so gut sein, wie es aussieht?

Von MMO-Wurzeln zur Singleplayer-Open-World

Was bedeutet der Kurswechsel weg von Black Desert Online? Ursprünglich als direkte Vorgeschichte zu Black Desert Online gedacht, hat Crimson Desert im Laufe der Entwicklung deutlich die Richtung gewechselt. Laut Powers war das offenbar ein klassischer Scheideweg: Entweder das Projekt zurück in die ursprüngliche Form pressen oder akzeptieren, dass sich daraus etwas Eigenständiges entwickelt hat.

Pearl Abyss habe sich für den zweiten Weg entschieden. Das brachte zwar zeitweise Produktverwirrung, weil Genre und Universum in offiziellen Aussagen mehrfach umgedeutet wurden, soll dem Spiel aber geholfen haben, eine eigene Identität zu finden. Trotzdem bleibt eine Art gemeinsame DNA: Stil, Kampftempo und bestimmte Design-Elemente erinnern weiterhin an die Desert-IP.

Action-Adventure statt klassischem Rollenspiel

Welche Genre-Ansage soll Missverständnisse vermeiden? Interessant ist auch, wie Pearl Abyss die Einordnung schärft: Crimson Desert wird nicht als Rollenspiel, sondern als Open-World-Action-Adventure kommuniziert. Powers begründet das weniger mit Abgrenzung um jeden Preis, sondern mit Erwartungsmanagement.

Der Begriff Rollenspiel wecke bei vielen sofort sehr konkrete Vorstellungen zu Werten, Builds, Loot-Spiralen und Systemtiefe. Da Crimson Desert diese Schublade offenbar nicht vollständig bedienen will und sich über die Jahre mehrfach verändert hat, soll die Genre-Bezeichnung nicht noch mehr Verwirrung stiften. Stattdessen steht die direkte Action im Fokus, zusammen mit Erkundung und Storytelling.

Einflüsse großer Open-World-Spiele und der Anspruch auf Eigenständigkeit

Welche Spiele stehen bei Crimson Desert Pate? Powers räumt ein, dass Inspiration aus Genre-Größen naheliegt. Er nennt sinngemäß, dass es sogar arrogant wäre zu behaupten, man lasse sich nicht von den besten Spielen der letzten zehn Jahre beeinflussen. Genannt werden unter anderem The Legend of Zelda, The Witcher, Dragon’s Dogma und Assassin’s Creed.

Spannend ist dabei sein Perspektivwechsel: Anfangs seien Vergleiche wichtig gewesen, weil Außenstehende zu wenig echte Spielzeit gesehen hätten. Mittlerweile, nach längeren Hands-on-Phasen und vielen Gesprächen, sei er an dem Punkt, Crimson Desert nicht mehr auf einen einzelnen Vergleich reduzieren zu wollen, weil die Mischung aus Systemen und Ideen nicht sauber in ein Vorbild passe.

Ein großes Abenteuer, das auch in kurzen Sessions funktioniert

Wie soll Crimson Desert im Alltag spielbar bleiben? Ein Punkt, den Powers besonders hervorhebt, ist das Spielgefühl in kurzen Zeitfenstern. Trotz großer Welt und vieler Systeme soll es sich nicht so anfühlen, als müsse man immer mehrere Stunden am Stück investieren, um Fortschritt zu machen.

Als Beispiele nennt er kleine Ziele, die sich in rund einer Stunde lohnen: Materialien fürs Ausbauen der Ausrüstung sammeln, eine Richtung der Welt bewusst erkunden oder sich eine eigene Mini-Aufgabe setzen. Dieses Design kann für viele entscheidend sein, die Open-World-Spiele lieben, aber nicht jedes Mal einen halben Abend freischaufeln wollen.

Der Community-Effekt trotz Singleplayer-Fokus

Warum setzt Pearl Abyss auf geteilte Erlebnisse ohne Koop-Zwang? Einer der interessantesten Gedanken aus dem Gespräch: Crimson Desert soll zwar ein Einzelspieler-Spiel sein, aber trotzdem diesen typischen Austausch fördern, den man sonst eher aus Multiplayer-Umfeldern kennt. Powers beschreibt interne Playtests, bei denen Kolleginnen und Kollegen sich gegenseitig auf Entdeckungen aufmerksam machen, als eine Art Offline-Koop-Gefühl.

Sein Vergleich geht in Richtung Fallout 4, wo viele Erlebnisse nicht im Spiel selbst geteilt werden, sondern danach in Chats und Gesprächen. Genau dieses Weitererzählen, Entdecken und gegenseitige Anfixen soll Crimson Desert laut Powers ebenfalls auslösen, wenn die Community erst einmal in der Welt unterwegs ist.

Wie stehst du zu Pearl Abyss’ Ansatz, Crimson Desert bewusst nicht zu überhypen: macht dich das eher neugierig oder bist du nach den langen Jahren seit 2019 vor allem skeptisch? Schreib es gern in die Kommentare.

Patrik Hasberg

Schreiberling, Spieleentdecker, praktizierender Perfektionist und Mann fürs Grobe. Außerdem laufender Freizeit-Hobbit, der Katzen liebt. – Hunde gehen auch. „Auch sonst eigentlich ganz ok“.
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